Aepinos, Angelius J. D. (1718-1784) meckl. Philosoph, Prof. Rektor der Universität Rostock 1763-64

Autor: Koppe, Johann Christian (1757-1827) mecklenburgischer Jurist und Bibliothekar der Universität Rostock, Erscheinungsjahr: 1783

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Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg, Persönlichkeiten, Mecklenburger, Rostock, Universität, Biographisches
Aus: Jetztlebendes gelehrtes Mecklenburg. Aus authentischen und andern sichern Quellen. Herausgegeben von Johann Christian Koppe. 1783

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Angelius Johann Daniel Aepinos, ward geboren zu Rostock den 10 Mai 1718. Sein Vater war Franz Albert Aepinus, Doktor der Weltweisheit und der Theologie, der letzteren ordentlicher öffentlicher Lehrer und Herzoglich Mecklenburg. Schwerinscher Konsistorialrat, seine Mutter Agnesa Dörcksen, des verstorbenen Herzoglich Mecklenburgischen Kammerrats Daniel Dörcksen Tochter. Von seinem Vater und Vorfahren bis auf den ersten, der diesen Nahmen geführt, geben die akademischen Leichenschriften eines Beckers und Burgmanns vollständige Nachrichten. Sonst war der eigentliche Name seiner Familie Hoch oder Hoek, allein sein Urgroßvater Johann Hoch, der in der ersten nach der Reformation zu Wittenberg angestellten Lutherischen Promotion den Doktortitel erhielte, und nachmals dem Hamburgischen Magistrat von Doktor Luther zur dortigen Fortpflanzung der protestantischen Religion besonders empfohlen, und der erste Superintendent daselbst ward, hatte von den Anhängern der alten Kirche viele Verfolgungen, ja selbst auf seinen Reisen oft Lebensgefahren erdulden müssen, daher er sich zu seiner Sicherheit entschlossen, seinen Nahmen zu andern, und ihn mit dem gleichbedeutenden griechischen zu vertauschen.

Er ward von seinen ersten Jahren an, geschickten Hauslehrern anvertraut, von welchen, besonders dem in Stockholm 1773 als ersten Pastor an der deutschen Kirche verstorbenen Herrn Samuel Wilcke, und dem als Rektor an der Dormschule zu Riga 1756 verstorbenen Herrn M. Johann Gabriel Rindler, auch durch die beständige Privatanführung seines Vaters, er so weit gebracht ward, dass er schon im vierzehnten Jahr, seines Alters, nicht ohne Nutzen akademische Vorlesungen besuchen konnte. Diese hörte er seit, dem Jahre 1732 in der Philosophie bei seinem Vater und Rindlern, in der Mathematik bei dem als Pastor in Lübeck verstorbenen D. Becker; vorzüglich aber bei dem gründlichen Philosophen, dem M. Rudolph Friedrich Weisse, bei dem er zwei Jahre hindurch über den ganzen Wolfischen Auszug Unterricht genossen; in der Hebräischen Sprache bei D. Schotter, Archidiakonus an der Jakobs Kirche; und in der Theologie bei seinem Vater, dessen nicht unbeträchtliche Bibliothek er auch früh zu gebrauchen anfing. Gelegentlich besuchte er auch die anatomischen Vorlesungen des Herrn Hofrats Derharding, und genoss zu seinem großen Vorteil des täglichen Umganges mit dem seel. M. Rindler bis ins Jahr 1738, da er vor dessen Wegzug nach Riga noch unter ihm, de philosophica sui ipsius abnegatione disputierte, und darauf im Frühjahr aus Veranlassung eines Freundes auf einige Wochen nach Lübeck, und von dort nach Leipzig ging. Hier machte er sich mit den Professoren und Gelehrten bekannt, sah auch die in Gegenwart des Hofes daselbst über die Vermählung der Königin beider Sizilien angestellte Feierlichkeiten mit an, wählte aber doch die Jenaische Akademie zur Fortsetzung seiner Studien, woselbst er nach Ostern ankam. Er hörte hier die bereits verstorbenen berühmten Männer, Stellwage, Reusch, Hanberger, Teichmeyer, Srolle, Zülich, Walch in den historischen, philosophischen, mathematischen, physikalischen und theologischen Wissenschaften, auch der Anatomie: Vernämlich genoss er viele Gewogenheit und Freundschaft von seinen damals dort lehrenden noch lebenden beiden Landsmännern, die er schon in Rostock gekannt hatte, dem Herrn Geheimen Rat Daries zu Frankfurt an der Oder, bei dem er das Naturrecht hörte, und dem Herrn General. Superintendent und Kirchenrat Pfeiffer zu Erlangen, von dem er sehr getreuen theoretischen und praktischen Unterricht in der hebräischen Sprache und der Hermeneutik*), hielte, auch fast täglich dessen Umgangs genoss.

*) ist eine Theorie über die Auslegung von Texten und über das Verstehen [http://de.wikipedia.org/wiki/Hermeneutik]

Im Jahr 1739 am 20ten September erklärte ihn die philosophische Fakultät zu Rostock zum Magister der Weltweisheit, und er war entschlossen in Jena mit akademischen Vorlesungen sich zu beschäftigen; allein sein seel. Vater verlangte seine Zuhausekunft, damit er ihm bei seinem beschwerlichen Alter und kränklichen Zustande einigen Beistand leisten könnte. Dieser väterliche Befehl überwand seine Neigung und die Bewegungsgründe, durch welche einige der Jenaischen Herren Professoren ihn bei sich zu behalten suchten, und er verließ diesen ihm sehr gefallenden Ort im Herbst des gedachten Jahres, nachdem er vorher noch einmal Leipzig und auch Halle besuchte, und die Bekanntschaft der dortigen Gelehrten erlange hatte. Er ging von Jena über Weimar, Erfurt, Gotha, Kassel, Göttingen, Hannover, Wolfenbüttel, Salzdahl, Braunschweig, Celle, Hamburg, Lübeck und Schwerin, besah allenthalben die Bibliotheken, Kunst-, Gemälde- und Münzen-Sammlungen, und besuchte die Gelehrten an diesen Orten, da er am Schluss des Jahres wieder zu den Seinigen kam. Jedoch gab er den Vorsatz, einmal nach Jena zurückzugehen, nicht ganz auf, worin er auch öfter schriftlich durch den sel. Reusch unterhalten wurde. Da er sich dem akademischen jeden von Jugend auf gewidmet hatte, fing er zu Rostock so gleich an, Vorlesungen über die philosophischen und schönen Wissenschaften auch andre Kenntnisse anzustellen, veranstaltete und unterhielte eine fortdauernde wöchentliche Disputierübung über kurze von seinen Zuhörern selbst verfertigte Abhandlungen, und predigte häufig, wenn er denen damals größtenteils ziemlich bejahrten Herren Predigern dadurch eine Erleichterung machen konnte.

Um sich in denen lebenden Sprachen, in welchen er zum Teil schon einen Anfang gemacht, noch fester zu setzen, nahm er täglich eine Stunde Übung und Unterricht in der französischen, italienischen und englischen, bei dem damals hier lehrenden Herrn Schreiber, mit welchem er auch bis ins Jahr 1759 und an dessen Tod, den täglichen Umgang fortsetzte. In der holländischen und schwedischen Sprache hatte er schon in seinen jüngern Jahren einigen Unterricht und Anführung genossen. Für sich wendete er auch, aus Neigung und verschiedenen Anlässen einen guten Teil der Zeit auf die Geschichte und einige Teile der Rechtsgelehrtheit, von welcher er schon vorhin einige Kenntnisse erlangt hatte, jedoch ohne Erwartung, künftig Gebrauch davon zu machen, welches doch nachher erfolgte. Mit dergleichen beschäftigte er sich, bis der Höchstselige Herr Herzog Carl Leopold ihn im Jahr 1744 und nachher wiederholt, 1746 zu sich nach Dömitz forderte, um ihm eine Profession in Rostock aufzutragen, da er denn am 10 Oktober 1746 zum ordentlichen Professor der Redekunst bestellt ward, und am 8 November darauf sein Lehramt mit einer Rede, de morali oratoris perfectione antrat. In dem folgenden Jahre hatte ihn die königliche Akademie zu Greifswald, mit dem sel. D. Chladenius zu Wittenberg, und dem sel. Prof. Stisser zu Stettin, dem Könige in Schweden zum Professor der Redekunst daselbst, vorgeschlagen, es ward aber der Herr Prof. Rellmann, der gar nicht auf den Verschlag war, dazu bestellt, der auch bis zu seinem neulichen Abzug nach Schweden zur Bekleidung eines geistlichen Amtes, die Profession verwaltet hat. Ob er gleich den Vorsatz, nach einer andern Universität zu gehen, noch nicht fahren lassen, besonders da sein sel. Vater im Anfange des Jahres 1750 verstorben, so ward er doch durch die weltbekannte Gnade und Menschenliebe des Höchstseligen Herrn Herzogs Christian Luderwig, welcher die Umstände der Rostocker Professoren so mildreich verbesserte, und von welcher, und der Huld des ganzen Durchlauchtigsten Regierhauses er ausnehmende Proben zu genießen das Glück hatte, bewogen, in seinem Vaterlands zu bleiben und sein Lehramt fortzusetzen. Er verheiratete sich im Jahr 1751 mit seiner noch lebenden Ehefrau, Anna Christiana Eschenbach, welche ihm drei Kinder geboren, davon das erste, ein Sohn, die Welt nicht lebend anblickte, die beiden Töchter aber sehr jung wieder verstarben. Diese Heirat ward der Anlass, dass er, bei Gelegenheit des unvermuteten Absterbens seines sel. Schwagers, der sich etwa zwei Jahre vorher als Kaufmann in Amsterdam niedergelassen, im November 1755 eine Reise dorthin machte, woselbst er sich bis zu Anfange des folgenden Jahres aufhielte, und so viel die Zeit und andre Geschäfte zuließen, die vornehmsten Orte in Holland, auch die dortigen Akademien besuchte, und mit verschiedenen Gelehrten daselbst Bekanntschaft stifte. Nach seiner Zuhausekunft setzte er seine vorigen Geschäfte fort, bis des jetzt regierenden Herrn Herzogs Durchlaucht im Jahr 1760 die Akademie zu Rostock aufhoben, und nach Bützow verlegten. Er erhielte unterm 14 Mai desselben Jahres die gnädigste Bestallung zum Professor daselbst, und zog auf Michaelis dahin, woselbst er das in Rostock geführte Lehramt fortsetzte. Im Jahr 1763 am 20. Oktober bestellte des Herrn Herzogs Durchlaucht ihn zu Höchstdero Hofrat, und trugen ihm zugleich die nach Rostock bestimmte Untersuchungs-Kommission mit auf, erteilten ihm auch nachher unterm 29 April 1775 die gnädigste Bestallung zum geheimen Kanzleirat. Es ist noch beizufügen, dass unterm 10 Juli 1743 die königliche deutsche Gesellschaft zu Greifswald, und unterm 25 May 1762 die Churfürstlich-Mainzische Akademie der Wissenschaften zu Erfurt ihn zu ihrem ordentlichen Mitglied aufgenommen. 1763/64 war er Rektor der Universität Rostock.

Angelius Johann Daniel Aepinos, starb am 28. Februar 1784 in Rostock.

Schriften, die unter seinem Nahmen herausgekommen, sind, außer vielen von ihm als Rektor der Akademie und Professor verfertigten Anschlägen, Einladung-, und Gedächtnis-Schriften, auch mehreren, die in periodische Schriften eingerückt: oder die er für andre aufgesetzt und unter deren Nahmen, oder ohne Beisetzung des seinigen, gedruckt worden, folgende: hier eine Auswahl:

1) Dissert. de opinionum vulgarium usu poetro. Resp. Jo. Fried. Berninck. Rostochii 1744.
(Diese Dispuration wollte sein Bruder, der jetzige Staatsrat zu Petersburg unter ihm verteidigen, allein eine langwierige, ihn eben damals betroffene Krankheit hinderte es, und die Abreise seines Bruders nach Jena ließ sich nicht verschieben. Sie ist daher unter zweierlei Titeln abgedruckt.)
2) Dass ein junger Mensch rechtmäßig Ursachen haben könne, die Verlängerung seines Lebens zu wünschen, eine Leichenrede über M. Gabriel Hertopöus aus Finnland, ebend. 1745. Fol.
4) Gedächtnis-Rede auf die vor 400 Jahren geschehene Erhebung des Durchlauchtigsten Mecklenburgischen Regierhauses zur Reichs-Herzoglichen Hoheit ebend. 1748. 8.
7) Sammlung, einiger Reben bei verschiedenen Begebenheiten des Durchl. Mecklenb. Regier-Hauses, ebend. 1752. 8.
9) Deutschlands dauerhafte Glückseligkeit durch die Kraft des Religionsfriedens sicher und unbeweglich. Rede bei der Feier des zweihundertjährigen Andenkens des Religionsfriedens. ebend. 1755. Fol.
14) Von denen Bewegungsgründen, welche den Entschluss, dem Kriegesstande sich zu ergeben, bestimmen, ebend. 176z. 4. Fol. Ist eine Einladungsschrift zur Anhörung einiger auf das Friedensfest zu haltender Reden.

Sonst hat er auch seit 1752 die gelehrten Nachrichten, welche zu Rostock, und nachher zu Bützow bis 1763 wöchentlich herausgekommen, verfertigt und besorgt; auch des verstorbenen Herrn Regierungsrats Faul zu Schwerin Briefe über das Schulwesen. Rostock 1759. 8. mit einer Vorrede begleitet; überdies sind verschiedene Aufsätze in den gelehrten Beiträgen zu den Mecklenburg-Schwerinschen Intelligenz-Blättern von ihm.

Von dem, vom Herrn Hofrat Meusel, in dem 1778 herausgegebenen Nachtrag zu der dritten Ausgabe des gelehrten Deutschlands S. 5 ihm zugeschriebenem Werke: Historisch-diplomatische Untersuchung vom Zustande und der Verfassung der Stadt Rostock, Rostock 1767 ist nicht er, sondern der sel. Herr Regierungsrat Zur-Nedden zu Schwerin der Verfasser. S. Nugens Reisen durch Mecklenburg. 2ter Teil S.219. Berlin 1782. gr.8.
Rostock - Kröpeliner Tor

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Rostock - Markt, Marienkirche und Blutstraße

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Hansestadt Rostock - Stadtansicht

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Rostocker Wallanlagen und Kröpeliner Tor, 1968

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Hansestadt Rostock, Neuer Markt (zum Zeitpunkt der Aufnahme: Erst-Thälmann-Platz) 1967

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Rostock, Lange Straße, Marienkirche in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts

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Rostock, Universität

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