Abergläubische Meinungen und Gebräuche in Pommern und Rügen - Hochzeitsbrauch in der Gegend von Cöslin

Aus: Die Volkssagen von Pommern und Rügen
Autor: Gesammelt von Temme, Jodocus Donatus Hubertus (1798-1881) Politiker, Jurist und Schriftsteller, Erscheinungsjahr: 1840

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Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Bräuche und Sitten, Pommern
In Hinterpommern, besonders in der Gegend von Cöslin, haben sich auf dem Lande noch mehrere sonderbare Hochzeitsgebräuche, wahrscheinlich Wendischen Ursprungs, erhalten, auf welche mit abergläubischer Strenge gehalten wird, da sonst in der Ehe kein Glück und Segen soll bestehen können. Wenn nämlich die Trauung, die immer in der Kirche vollzogen wird, zu Ende ist, und der ganze Hochzeitszug sich nun zum Hochzeitshause begibt, so muss dieses ja fest verschlossen sein. Es wird erst nach einer Weile geöffnet, und es tritt dann Einer mit einem ganzen Brot und einem Krug Bier heraus vor die Tür. Aus dem Brot muss hierauf zuerst die Braut ein Stück heraus, beißen, dann der Bräutigam, und dann alle Übrigen nach der Reihe. Diese ausgebissenen Stücke dürfen aber nicht gegessen werden; sie werden vielmehr den Brautleuten gegeben, die sie aufheben müssen. Bevor man sich alsdann zum Hochzeitsschmaus niedersetzt, wird in einigen Gegenden, namentlich im Treptowischen, die Braut von der Köchin an den Herd geführt, wo sie von jedem Gerichte aus allen Töpfen und Kesseln kosten muss. Bei Tische sitzen beide Geschlechter gesondert; der Bräutigam mit den Mannspersonen sitzt in der Stube, die Braut mit den Frauenzimmern im Hausflur. Vor der Braut sowohl als vor dem Bräutigam muss während des Essens ein hölzerner Leuchter stehen, mit drei Armen, auf dem drei Lichter brennen; diese Lichter dürfen weder geputzt noch ausgelöscht werden, sondern müssen von selbst erlöschen. Erlöschen sie, ohne dass sie abgebrannt wären, so müssen die übrig gebliebenen Enden sorgfältig aufbewahrt werden.

Brüggemann, Ausführliche Beschreibung von Vor-und Hinterpommern, I. S. LXVIII.

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Temme, Jodocus Donatus Hubertus (1798-1881) Politiker, Jurist und Schriftsteller

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Pommerischer Hochzeitsbitter

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Mönchguter Bräutigam

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Mönchguter Braut

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