Wasserheilanstalt Rostock 1860

Einige Bemerkungen zu Schildbachs Verzeichnis der Wasserheilanstalten
Autor: Spengler, L. Dr. (?), Erscheinungsjahr: 1860
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Rostock, Wasserheilanstalt, Warnow, Seebäder Warnemünde und Doberan, Heiligendamm
Rostock. Wasserarzt und Besitzer: F. W. Vick.
Diese Anstalt, auf einer freundlichen Insel bei Rostock unmittelbar an der Warnow und 5 Minuten vom Eisenbahnhof gelegen, mit gut eingerichtetem großen Kurhause, hübschen Anlagen, schattigen Promenaden und sehr gutem Trinkwasser, ist die älteste in Norddeutschland. Sie besteht seit 1840. Cfr. Baln. Ztg. VII. 232.
„Es sind in derselben seit dieser Zeit unter ihrem Stifter Joachim Friedlich Vick, einem unmittelbaren und dem einzigen echten Schüler von Priessnitz, bis zu dessen Tode 1849 und unter seinem Sohn, seinem Hilfsarzte und Nachfolger, dem jetzigen Besitzer der Anstalt, stets überraschend schnelle Heilungen aller nur möglichen akuten und chronischen Krankheiten, vorzüglich aller Arten von Entzündungen, Fiebern, Asthma, Cholera, von Syphilis, Krämpfen und Unterleibskrankheiten geliefert und in den letzten Jahren sogar mehrere Geisteskranke im Laufe von 6 Wochen bis 4 Monaten vollkommen hergestellt worden.

Diese schnellen Resultate müssen als das Ergebnis des hier in den Bädern benutzten messenden weichen Warnowwassers angesehen werden, womit man in Wochen erzielt, was sonst mit Quellwasser in Monaten erzielt wird, dann des Schwitzens mit allen Modifikationen der anwendbaren Wassertemperatur, ferner der strengen Diät, endlich aber ganz besonders der ächten Priessnitz'schen Heilmethode, die angewandt wird.

Die Anstalt — Sommer und Winter geöffnet — erfreut sich stets eines zahlreichen Besuchs und zählte auch Dänen, Schweden, Russen und Ungarn unter ihre Kurgäste. Wasserärztliche Konsultationen sind bis aus Amerika eingeholt worden und die fast ununterbrochenen Reisen des Hilfsarztes im In- und Ausland haben sich bereits bis nach Moskau in Russland ausgedehnt.

Dass die Kranken in jeder Beziehung mit möglichster Sorgfalt und vorzüglicher Aufmerksamkeit behandelt werden, wird wohl einer besonderen Erwähnung nicht bedürfen."

Die Nähe der Stadt Rostock bietet mit ihren Umgebungen, sowie die nahen Seebäder Doberan und Warnemünde denjenigen Kranken, die sie besuchen können, vielerlei Annehmlichkeiten.

Wöchentliche Preise. Ein gewöhnlich möbliertes Zimmer, Beköstigung und Kurbehandlung 8 Thlr. Pr. Crt., ein großes oder zwei in einander gehende möblierte Zimmer, Beköstigung und Kurbehandlung 10 Thlr., Kurbedienung 10 Sgr., Heizung eines gewöhnlichen Zimmers 1 Thlr., Heizung eines großen oder zweier in einander gehender Zimmer 2 Thlr., Beköstigung eines Gesellschafters ohne besonderes Zimmer 4 Thlr., Beköstigung einer Bedienung 3 Thlr., Eintrittsgeld in die Gesellschaftskasse der Anstalt 1 Thlr. 15 Sgr., Honorar für eine Reise nach auswärts pro Tag 1 Louisd'or, bei Nacht 2 Louisd'or. Ein Bell nebst Bettwäsche, die zum Gebrauch der Kur nötigen 2 — 3 hedenen Bettlaken, einige weiche Handtücher, Leibbinden, sowie Schwitzdecke, Klystiersprltze und Licht stellt sich jeder Kurgast selbst; oder wöchentliche Miete für ein vollständiges Bett ohne Wäsche 12 1/2 Sgr., ein Bettlaken 2 1/2 Sgr., ein Handtuch 1 1/4 Sgr., einen Kopfkissenüberzug 1 1/4 Sgr. Beim Abgang aus der Kur zahlt der Kurgast ein beliebiges Trinkgeld an den Hausdiener. Hunde dürfen nicht gehalten werden. — Jeder Fremde außerhalb Rostock hat zu seiner Legitimation einen Pass, eine Passkarte oder einen Heimatschein mitzubringen.

Einzelne Speisen und einzelne Bäder. Ein Frühstück 2 1/2 Sgr., ein Mittagessen 7 1/2 Sgr., ein Abendbrot 3/4 Sgr., ein Glas Milch 1/2 Sgr.; — eine Einpackung mit Bad 12 1/2 Sgr., Schwitzdecke, Bell und Laken dazu 5 Sgr., ein warmes Wannenbad 10 Sgr., ein Laken zum Abtrocknen 2 1/2 Sgr., eine Abreibung in der Wanne 10 Sgr., eine Abreibung mit einem nassen Laken 5 Sgr., eine Abreibung mit eigenem nassen Laken 2 1/2 Sgr., ein Sitzbad 2 1/2 Sgr., ein Trinkgeld für die Badebedienung wird nach Belieben gezahlt; — ein einzelnes Flussbad 2 1/2 Sgr., ein Dutzend Badekarten 20 Sgr.

Ein Kurgast, welcher nicht in der Anstalt speist und wohnt, zahlt für Kurbehandlung in derselben wöchentlich 4 Thlr.; wer in der Anstalt schläft, um die Morgenkur zu gebrauchen, 4 Thlr 15 Sgr.; wer ein Kurzimmer allein in Anspruch nimmt 5 1/2 — 6 1/2 Thlr.; wer außerhalb der Anstalt wohnt und schläft, zahlt an Eintrittsgeld in die Gesellschaftskasse 22 1/2 Sgr.; für einen Besuch in der Stadt bei Tage 10 Sgr.; für jede einzelne Kurbedienung in der Stadt 5 Sgr.
Rostock, Gründung der Wasserheilanstalt 1850

Rostock, Gründung der Wasserheilanstalt 1850

Rostock, Kröpeliner Tor

Rostock, Kröpeliner Tor