Vornamen in Meklenburg

Autor: Hermann Grotefend (1845-1931), Erscheinungsjahr: 1891

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Angeregt durch die Veröffentlichungen des Archivraths Dr. Jacobs, unseres correspondirenden Mitgliedes, in dem Correspondenzblatt des Gesammtvereins der deutschen Geschichts- und Alterthumsvereine über die Vornamen vor und nach der Reformation zählte ich gelegentlich die Vornamen der Unterthanen im Amte Grevesmühlen nach dem Amtsbuche von 1581, und kam zu folgendem, etwas überraschendem Resultat. Das meiste Vorkommen bot Johannes, d. h. Hans 106, daneben Henning 1, Hennecke 1, wobei allerdings zu bedenken ist, daß neben dem Lieblingsjünger Christi auch noch Johannes der Täufer als Namen gebend in die Wagschale fällt. Die übrigen Jünger Christi sind nur mit geringen Ziffern vertreten, nämlich 13 Peter, 9 Jacob, 8 Mathias (drei davon als Thies), Paulus (Pawel) 3 mal, Matheus (Tewes) 2, Andreas (Drewes) 2, dagegen Marcus (Marx) 14, Thomas aber und Bartholomäus nur je 1 mal. Während der hl. Joseph gar nicht erscheint, ist sein Vater Joachim 52 mal vertreten, 47 mal als Chim, 3 mal als Achim und 2 mal als Jochim. Von sonstigen Heiligen der Kirche erscheint Nicolaus (Clawes) 37 mal, Erasmus (Asmus) 19 mal, Georg (Jürgen) 9 mal, Jaspar, einer der drei Könige aus dem Morgenlande, 7 mal, Christian 5 mal, Lorenz und Michael je 4 mal, Martin 3 mal, Antonius (Dinnies), Gregorius (Gories), Answerus, der Specialheilige der Ratzeburger Kirche, als Swerries, und Brandanus als Brandanies je 2 mal, Daniel und Christopher nur je einmal. Diesen Namen biblischen und legendarischen Ursprungs, mit der Gesammtsumme von 305 Vertretungen, stehen nur 91 Namen deutschen Ursprungs gegenüber. Voran Heinrich mit 55 Vertretungen, dann Hermann (Harmen) mit 9, Bartold mit 6. Viermal kommt nur Gottschalk, (dreimal als Goslich, einmal als Goetke), dreimal nur Gerhard (zweimal als Gerke, einmal als Gerd) und Albrecht vor, je zweimal Tiedke (Dietrich) und Ratke (Radolf), einmal endlich Detmer, Detlof, Helmold (Helmeke), Ludolf (Lutke), Hartich, Reimer, Eggert und Arnd.

Nehmen wir die Zahl der vertretenen Namen, so fallen 24 auf die biblisch-legendarischen, 16 auf die deutschen Namen. Im ganzen eine geringe Abwechslung bei einer Gesammtzahl von 396 Personen.

Eine weitere Schlußfolgerung wird sich erst nach Zählung auch in anderen Gegenden Meklenburgs ziehen lassen.

Der Quartalbericht vom October vorigen Jahres brachte eine anregende Studie Grotefends über die Vornamen der fürstlichen Unterthanen im Amte Grevesmühlen im Jahre 1581. Wir sind in der angenehmen Lage, unsern Lesern heute ein von Herrn Dr. Crull zusammengestelltes, höchst lehrreiches Verzeichniß aller während des 13., 14., 15., 16. und 17. Jahrhunderts zu Wismar begegnenden Vornamen mittheilen zu können.

Ueber die Koseformen äußert sich Herr Dr. Crull in seinem Schreiben an Herrn Archivrath Grotefend wie folgt:

„Die Koseformen habe ich in die Schlußcolumne gesetzt, bin mir aber nicht sicher, ob, wie ich immer angenommen und wie auch bei Schiller und Lübben angenommen, Tideke und Tideman zu Tidericus gehören oder ob, nach Büttner, Lüneb. Patricier, Tideke zu Titmar gehört und die Koseform von Tidericus vielmehr Tileke ist. Wenn, wie es nach Schiller und Lübben scheint, Wessel Koseform zu Werner ist, so würde jener Name zu streichen, Werner mit 26 hinter Diderick und vor Hermen zu stellen und Wessel in die letzte Kolumne zu setzen sein. Ich stelle dies zu Ihrer Entscheidung, wie ich überhaupt diese Liste ohne Vorbehalt Ihnen überliefere.“

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