Von einer seit einem Jahre in der Gegend von Teterow und in Teterow selbst existierenden Lesegesellschaft, nebst einigen Bemerkungen über Teterow

Autor: Bärensprung, Christian Johann Wilhelm (1737-1801) Herausgeber und Hofdrucker in Schwerin, Erscheinungsjahr: 1790
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg, Teterow, Kulturgeschichte, Lesegesellschaft, Literatur,
Aus: Neue Monatsschrift von und für Mecklenburg. Dritter Jahrgang. 1790.

Wenn dem Freunde des Vaterlandes jede Nachricht von Aufklärung oder von Aussichten zur Aufklärung desselben nicht unwillkommen sein kann: so wird Ihnen, meine Herrn, die Sie so wohltätig das Ihrige dazu beitragen, mehrere Aufklärung in unserm lieben Vaterlande zu verbreiten, eine Nachricht von einer seit einem Jahre in Teterow und der um liegenden Gegend errichteten Lesegesellschaft nicht unwillkommen sein und Sie werden derselben um so vielmehr einen Platz in Ihrer Monatsschrift gestatten, da ich zugleich hiermit einige Bemerkungen in Verbindung gesetzt habe, die dazu dienen können, einige Vorurteile, die man in Rücksicht der Stadt Teterow hin und wieder hegt, hinwegzuräumen.

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Was nun zuerst die Lesegesellschaft betrifft: so würde es freilich etwas übereilt geschlossen sein, wenn man davon sogleich auf mehr Licht oder auf mehrere wirksamere Verbreitung nützlicher Kenntnisse, auf Bildung des Verstandes und Veredlung des Herzens schließen wollte. Freilich sind Lesegesellschaften oft nichts weniger, als Zeichen der Aufklärung, im edleren Verstande des Worts; lassen vielmehr oft Afteraufklärung befürchten, verbreiten, wenn es wahr ist, dass in unsern Zeiten Hang zur Tändelei und Gemächlichkeit Überhand nehmen, diesen Hang zur Untätigkeit noch mehr; verrücken so manchen aus den Standpunkt, worin er als Mensch, als Bürger, als Glied in engeren Verbindungen steht, befördern Schwärmerei und Unglaube, weil so mancher unfähig ist, wahres und falsches zu sichten. Man sammelt ein, ohne wieder auszustreuen, man empfängt, ohne wiederzugeben, man will nur genießen, ohne mitzuteilen, man genießt — aber was? man genießt — ohne zu verdauen, und was kann dabei anders die Folge sein, als dass es häufig an Mut und Stärke gebricht. Dies ist bei der so weit verbreiteten Lesewut die unausbleibliche Folge aller der Lesegesellschaften, wo ohne bedachtsame Rücksicht auf die Bedürfnisse der Interessenten nur für Unterhaltung gesorgt, aber der so wichtige Punkt, bleibender Nutzen aus der Acht gelassen wird, wo man nur begierig nach allen den Produkten, womit die fertigen Romanenschreiber die Messen überschwemmen, langt, ohne ihr Gehalt zu prüfen und dabei so manches Buch, das für Verstand und Herz wichtig ist, als unbedeutend übersieht. Wehe dem Geschäftsmann, dem Bürger, dem Jünglinge, dem Mädchen, die, ohne Fähigkeit selbst zu wählen, nicht den weiseren Freund zur Seite haben, der die Wahl leitet und sie besonders auf das richtet, was in Rücksicht auf Verstand und Herz des Lesens wehrt ist, was bei wahrer Unterhaltung auch nützlich ist. —

Und beiläufig gesagt, verdiente es wohl in größeren Städten, wo Schulen zur Bildung künftiger Gelehrten existieren, eine genaue, sorgfältige Aufsicht auf die zu bildenden Jünglinge, dass es nicht ihrer Wahl überlassen würde, was sie sich aus den daselbst gewöhnlich existierenden Lesegesellschaften, ausersehen wollen. Der daraus entstehende Schaden, die Gefahren für Verstand und Herz, die Verwöhnung Ihres Geschmacks, der Ekel, den das so leicht an reeller Beschäftigung erzeugt, sind zu einleuchtend, als dass Lehrer und Schulvorsteher nicht darauf Bedacht nehmen sollten, dies so viel möglich zu verhindern. — —

Wenn nun aber, um zu jener ersten Bemerkung zurückzukehren, bei kleinern oder größeren Lesegesellschaften die Wahl der Bücher von den Mitgliedern oder Directeur eines solchen Institutes mit weiser Rücksicht auf die Bedürfnisse der Teilnehmer und mit dem Bestreben geschieht, dem Freunde der Lektüre, nicht bloß ein Buch in die Hand zu geben, womit er in einer müßigen Stunde die Langeweile verscheuchen kann, sondern, woraus er zu gleich manche gemeinnützige Wahrheit mit ins geschäftige leben hinübernehmen, und woraus er die Masse seiner Ideen vermehren und die Beweggründe zur Tugend verstärken kann, wenn besonders, mit Rücksicht auf die Fähigkeiten der Mitglieder, Bücher in Umlauf gesetzt werden, die Kenntnis der Erde und des Menschen befördern, die auf eine unterhaltende Weise den Menschen mit sich selbst und seiner Gattung näher bekannt machen, die uns die Natur in ihren wohltätigen Gange nachspüren helfen, die uns das genaue Band, worin alles in der Welt mit einer weisen Vorsehung steht, deutlicher in manchen Begebenheiten darstellen, die Aberglaube und Torheit mit weiser Mäßigung bestreiten; wenn diese und ähnliche Gründe die Wahl der Bücher bestimmen — dann, denke ich, ließe sich wohl mit vielem Fug, Hoffnung zu mehrerer Aufklärung daraus fassen. — Werden doch dadurch so manche nützliche Ideen in Umlauf gebracht, so manche Wahrheiten einleuchtender, andringlicher; und wenn das nur zunächst bei einem Teil, der zu einer vernünftigen edleren Lektüre fähigen Bewohner einer Gegend oder Stadt geschieht: so kann und wird das mit der Zeit doch seine wohltätigen Folgen für die ganze Gegend haben; so wird sich doch auch mit der Zeit auf die niederen Klassen etwas von dem Lichte verbreiten, es mag denn auch so unmerklich sein, wie es wolle. Und ist das der Fall: so trägt auch gewiss die hier in Teterow und der benachbarten Gegend errichtete Lesegesellschaft gewiss das Ihrige zur Aufklärung bei. — Sie war das freilich bei ihrem Entstehen nicht, was sie jetzt ist und die Veränderungen, die seit einem Jahre damit vorgegangen, lassen es ziemlich sicher erwarten, dass sie immer zweckmäßiger und für diese Gegend wohltätiger werden kann. Die Wahl der Interessenten, zur Ehre dieser Gegend sei es gesagt, fiel nicht auf Romane, nein! wenn auch ein oder der andere darin Platz findet: so müssen es doch nur immer wenige und solche sein, die sich durch ihr Gehalt auszeichnen und zu den vorzüglichen gehören. Vielmehr ist nach dem letzten Protokoll der Gesellschaft ausdrücklich festgesetzt worden, besonders auf Bücher Rücksicht zu nehmen, die zur Zeitgeschichte, zur Staatenkunde, zur genaueren Kenntnis der Länder und Menschen dienen. So finden also besonders gute Reisebeschreibungen, wichtigere Werke über die Geschichte, Werke die wichtige Bemerkungen über den Menschen enthalten, Platz. Dazu kommen Schriften, die besonders für das Herz wichtig sind, Bemerkungen aus der Natur über den Gang der Vorsehung und so weiter enthalten, gute moralische Schriften, Bücher über die Erziehung und selbst theologische Bücher, die nicht ganz wissenschaftlich und bloß für den eigentlichen Theologen sind, sind davon nicht ausgeschlossen, wie z. B. die vertrauten Briefe die Religion betreffend von Spalding und ähnliche; ferner Gedichte die sich auszeichnen, es sei durch Schönheit der Gedanken oder des Ausdrucks, echte Werke des Witzes wie z. B. Blumauers Aeneide. Hiermit sind nun die besten unserer Zeitschriften in Verbindung gesetzt: z. B. die allgemeine deutsche Bibliothek, die Berlinsche Monatsschrift, Literatur und Völkerkunde, das Journal von und für Mecklenburg und mehrere, die ich zur Ersparung des Raums nicht nennen will; so wie ich auch manche andere Bücher übergehe, die, wenn gleich nicht für alle, doch ihren individuellen Nutzen für mehrere Mitglieder haben. — Dies von der Wahl der Bücher.

Die Gesellschaft selbst besteht jetzt aus einigen und 30 Personen und es nehmen verschiedene der benachbarten Herren von Adel, Prediger, Pächter, Kandidaten, so wie ein großer Teil der mehr gebildeten Einwohner von Teterow Teil daran. Beim Eintritt in die Gesellschaft zahlt man pro acceffu 1 Rthlr. und halbjährlich trägt man 1 Rthlr. 16 ßl. zum Ankauf neuer Werke bei. Dafür erhält man alle 14 Tage von dem zeitherigen Direktor des Instituts ein Paket von 4 bis 6 Bücher, die man nach verflossenen 14 Tagen an den nächsten Interessenten weiter zu befördern hat. Um Ordnung und regelmäßigen Umlauf zu erhalten und dem Auge den ekelhaften Anblick von Schmutz und Verstümmlung zu ersparen, sind gemeinschaftlich gewisse Gesetze bestimmt und von jedem Mitglieds unterschrieben worden, wodurch dies verhindert wird und man muss der genauen Pünktlichkeit und Sorgfalt der Interessenten Ruhm erteilen. Alle Jahr halten gesamte Interessenten 2 mahl in Teterow, in dem Hause des Herrn Apotheker Schultetus, der auch Mitglied der Gesellschaft ist, einen Konvent, wo man gemeinschaftlich über die anzukaufenden Bücher spricht, und wo dann unter Vorsitz des Herrn Landrats von Lehsten zu Warthmannshagen, eines Kenners und Freundes der Wissenschaften, ein Protokoll über die vorzunehmenden Veränderungen und Verbesserungen des Instituts von dem Herrn Stadtsekretär Beutler aufgenommen wird. Jedes Mitglied hat hier die Freiheit, Vorschläge über die anzuschaffenden Werke zu tun; doch muss man sie dem Urteile der übrigen mit unterwerfen, ob sie dem Zweck des Instituts angemessen sind? Zugleich werden auf den halbjährigen Konventen die Bücher, welche schon in der Gesellschaft zirkuliert haben, unter die Interessenten verkauft. Findet man schon bei der Zirkulation Neigung zu diesem oder jenem Werke, so zeigt man es sogleich auf dem Bande an und hat dann um den halben Ladenpreis das Vorkaufsrecht; finden sich aber mehrere Liebhaber, die sich unterzeichnen, so wird es durchs Los entschieden, wer es erhalten soll. Das Geld wird dann zu dem halbjährigen Beitrag geschlagen und so wächst vom halben Jahre zu halben Jahr der Fond der Gesellschaft ansehnlich und man kann mit der Zeit immer schon auf größere Werke Rücksicht nehmen, und das um so mehr, da sich auch die Zahl der Teilnehmer fast alle Monat vermehrt. —

Diese kleine Nachricht mag nun dazu dienen, Sie, so wie Ihre Leser über dies Institut urteilen zu lassen und ich denke, dass dies Urteil dieser Gegend zur Ehre gereichen wird und dass sich daraus auch manche gute Folge für sie erwarten lasse: denn bei einer so zweckmäßigen Wahl der Bücher kann es nicht anders sein, als dass manche nützliche Wahrheit allgemeiner bekannt, manches Vorurteil aufgedeckt, mancher Aberglaube unterdrückt werde. Es ist das gewiss der Samen der über kurz oder lang seine Früchte trägt, und das steht um so mehr zu erwarten, wenn die Lehrer der Gemeinden mit zu diesem Ziele wirken, mit ihrem Zeitalter fortschreiten und das aufkeimende Gute mit Sorgfalt nähren, welches man mit Recht von den Lehrern der Teterowschen Gemeinde zu erwarten hat, da sie die ersten mit waren, die zu diesem nützlichen Institute die Hand boten. —

Bei dieser Gelegenheit kann ich denn auch nicht umhin, der Stadt Teterow, die ich seit einer ganzen Reihe von Jahren näher zu kennen Gelegenheit gehabt habe, das Wort zu reden. Man findet es häufig, wenn man in eine von Teterow etwas entfernte Gegend unseres lieben Mecklenburgs kommt, dass man mit den Nahmen Teterow eine lächerliche Idee verbindet, ja selbst Leute, die zu den gebildeten Teil der Einwohner Mecklenburgs gerechnet sein wollen, finden hin und wieder Vergnügen daran, die läppischen Märchen von den Teterowschen Schildknappen, von dem Staube, womit längst die Zeit und vernünftige Denkungsart sie bedeckt hat, zu säubern und sie stundenlang zur gesellschaftlichen Unterhaltung zu machen.

Diese abgeschmackten läppischen Ungereimtheiten mögen nun ihren Ursprung haben, woher sie wollen: so verdienen es gewiss die Einwohner Teterows nicht, dass man so was mit Rücksicht auf sie erzählen wollte. Gerne möchte ich einem oder den andern mehr Achtung für Teterow einflößen und ihm von demselben, das er vielleicht nur den Nahmen nach kennt, einen etwas deutlicheren Begriff machen. Ich könnte hier recht weit ausholen und eine Untersuchung über den Nahmen Teterow anstellen, ob derselbe, wie man behauptet, von thet tho Rau (zieht zur Ruh) (welches vielleicht denn eine Anweisung an Krieger, die manches Abenteuer bestanden, von ihren Heerführer sein könnte, wodurch sie zur Anbauung dieser Gegend ermuntert worden) herzuleiten sei - es fehlt mir aber an den dazu nötigen Hilfsmitteln und Quellen, um diplomatisch genau zu sein, und aus eben der Ursache schweige ich von allen Altern Nachrichten in Betreff der Stadt. Vielmehr bemerke ich zuförderst, dass diese Stadt unter den kleinern Städten unseres Landes mit zu den vorzüglichem gehört. Sie enthält ungefähr 330 Feuerstellen, und liegt in einer sehr reizenden Gegend, an einem ansehnlichen und fischreichen See, in dem sich eine anmutige Insel, der Burgwald genannt, befindet; man findet auf derselben häufige Spuren von einer alten Burg, und Rudera von einer Brücke, wodurch es mit dem festen Lande verbunden gewesen ist; hin und wieder hat man alte Münzen und wo ich nicht irre, auch Urnen gefunden, wovon mir aber nichts zu Gesichte gekommen ist. Die Stadt hat aus der Nordseite eine ganze Kette ansehnlicher Hügel, die einen herrlichen Prospekt geben, da man von da aus auf die Stadt selbst, auf reiche Felder, auf schöne Wiesen, auf benachbarte Landgüter und ansehnliche Waldungen die reitzendste Aussicht hat, ja selbst einige größere und kleinere Städte zeigen sich einem scharfen Auge in weiter Ferne und diese schöne Mischung macht auf ein fühlendes Herz gewiss tiefen Eindruck, und ich fühlte mich allemal zu den frohsten Empfindungen gestimmt, wenn ich von diesen Anhöhen der ausgehenden Sonne entgegen und an denselben die Stadtherden weiden, sah. —

Die Häuser der Stadt selbst sind, einige Gegenden an der Mauer ausgenommen, ziemlich gut und die Straßen ziemlich breit und die hin und wieder aufgeführten neuen Gebäude lassen schließen, dass noch ziemlicher Wohlstand unter den Einwohnern herrsche, und dass lässt auch allerdings die Lage des Orts vermuten, da die vielen benachbarten reichen Begüterten allerdings den Einwohnern manchen Nutzen gewähren müssen, und so kommen auch die häufigen Durchfuhren in Betrachtung, die aus dieser kornreichen Gegend nach Rostock, Wismar und anderen Städten geschehen, so wie auch die Passage nach dem Strelitzschen und Brandenburgischen den Einwohnern manchen Vorteil gewähren. Dazu kommen noch die ansehnlichen Stadtfelder, die den schönsten Boden haben, nebst den vielen Wiesen — die beide von solchen Umfange sind, dass nach dem Urteile fachverständiger Ökonomen, 3 der ansehnlichsten Landgüter daraus könnten gemacht werden. Dem ungeachtet will man bemerken, dass unter den Bürgern der Wohlstand hin und wieder abnehme: Sollte dies, wie es fast scheint, gegründet sein: so glaube ich bemerkt zu haben, dass dies besonders der Fall bei denjenigen sei, die Ackerbau und solche Handwerke zugleich treiben wollen, die anhaltenden Fleiß erfordern, wenn der Handwerker seine Kunden nicht verlieren soll. Offenbar muss dabei immer eins leiden, entweder Ackerbau oder Handwerk, jener wird dann oft schlecht getrieben und übereilt, hier ermüdet man seine Kunden oder belädt sie mit schlechter Arbeit und sie kommen nicht wieder. Dazu kommt noch, dass bei dem Ackerbau, wenn er so im kleinen getrieben wird, die Leute die man dazu hält, oder das Vieh, das man weiter nicht nutzen kann, den Vorteil verzehrt, und dann darf nur ein schlechtes Jahr dazu kommen: so ist man verloren. Ob nun diesem Übel nicht auf irgend eine Art und zunächst dadurch abzuhelfen wäre, dass man den Bürger auf den offenbaren Nachteil, den er von einer solchen Wirtschaft hätte, aufmerksam machte; und wer die Verbindlichkeit auf sich hätte, dies zu tun? will ich nicht untersuchen. Zu den Ursachen des Verfalls einiger Bürger, möchte dann auch wohl eine törichte Neigung zum Jagen kommen, wobei wieder ihr Handwerk leiden muss und ich denke, dass es offenbar zum Vorteil des Bürgers gereichen würde, wenn die Jagd an einzelne Glieder der Stadt, denen ihre Lage dies Vergnügen erlaubt, verpachtet würde, und so, denke ich, ist die Zanksucht und Neigung zum Prozessieren nicht weniger eine Ursache des abnehmenden Wohlstandes mancher Bürgerfamilien. Überhaupt ist Zanksucht ein hervorstechender Fehler in dem Charakter eines großen Teils der Bewohner Teterows — ich rede nur von den ungebildeten Teil — dahingegen kann ich sie von der Einfalt, die man ihnen hin und wieder aufbürdet, nach der Regel a poriori fit denomination, ganz frei sprechen und ich bin es überzeugt, dass sie mit den Bewohnern anderer kleinen Städte unseres Vaterlandes in gleichem Grade der Kultur stehen. Freilich sind sie nicht so kultiviert, wie der Bürger in größeren Städten es häufig ist, aber dagegen sind sie auch von manchen traurigen Folgen dieser Kultur frei und es herrscht bei weiten nicht der Luxus unter ihnen, der so manchen Bürger größerer Städte herunter bringt. —

Was nun den vornehmem Teil der Einwohner betrifft: so herrscht bei ziemlicher Aufklärung der geselligste Ton und ich glaube, dass unter den kleinern Städten, wohl keine sich, in Absicht des gesitteten freundschaftlichen Umganges, des ungezwungenen und offenen Betragens, Teterow vorsetzen soll. Freilich vermisst man diese Geselligkeit bei einem und dem andern Bewohner der Stadt, der vielleicht am mehrsten dazu beitragen könnte, den geselligen Umgang zu veredeln, doch wie gesagt, der größere Teil ist auf diesen Ton gestimmt. Um die geselligen Freuden noch mehr zu befördern und zu erleichtern, hat man seit einiger Zeit angefangen, alle Mittwochen Abend in dem Hause des Herrn Apothekers Schultetus eine Assemblée zu halten. Es befindet sich in diesem kürzlich erbauten Hause, das für eine kleine Stadt ansehnlich ist und viele Bequemlichkeit für Reisende enthält, ein geräumiger Saal auf dem die Gesellschaft zusammen kommt.

Es versammeln sich gewöhnlich einige 20 Personen und selbst Benachbarte nehmen an diesem Vergnügen Teil. Man zahlt ein äußerst billiges Entrée-Geld für Heizung des Saals und, der Nebenzimmer, und für Licht, und der genannte Inhaber des Hauses hat durch seine billige Denkungsart, dies Vergnügen auf alle mögliche Weise zu befördern gesucht. Man unterhält sich hier freundschaftlich, vereinigt sich zu einem gesellschaftlichen Spiele, und jeder genießt was ihm beliebt. Mäßigkeit und Sittsamkeit gereichen hierbei allerdings der Gesellschaft zum lobe. Alle 3 oder 4 Wochen verwandelt man diese Zusammenkunft in einen Ball, wo man um ein billiges dies gesellschaftliche Vergnügen genießen kann. — Und wer wollte dies den guten Einwohnern von Teterow nicht gerne gönnen, da ich überzeugt bin und versichern kann, dass diese gesellschaftlichen Freuden nicht Hang zu rauschenden Vergnügungen, viel weniger*) Epicuraeismus, wie jemand besorgt hat, erzeugen; sondern vielmehr, wie ich es von der gesetzten Denkungsart der Mitglieder überzeugt bin, ein Antrieb sein werden, nach dem Genuss dieser Freuden **), ihre Pflichten desto standhafter und Tätiger zu erfüllen.

*) NB. es ist eine Kanzel-Plattitüde, wofür eine christlich vernünftige Anweisung über den weisen Genuss sinnlicher Freuden dem Orte, wo es gesagt wurde, angemessener und dem Zuhörer nützlicher gewesen wäre.

**) So sagte unter anderen ein Mitglied der Gesellschaft zu mir, wir wollen diese geselligen Freuden mit genießen und dann als ehrliche Männer das tun, was unser Amt von uns fordert.

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Teterow - Ansichten

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Teterow - Stadtansicht

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Teterow - Bürgerschule

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Teterow - Forsthaus

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Teterow - Hechtbrunnen

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Teterow - Kirche

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