Von der Nahrung und dem Gewerbe der Einwohner der Stadt Wolgast - Von dem Vermögen der Stadt

Aus: Chronik der Stadt Wolgast
Autor: Heller, Karl Christian (1770-1837) Bibliothekar, Chronist, Prediger an der St. Petri-Kirche zu Wolgast, Erscheinungsjahr: 1829
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Wolgast, Usedom, Peene, Pommern,
Einen besonderen Etat von der Kämmerei-Kasse kann ich hier nicht aufführen; es würde mich zu weit vom Ziele entfernen. Da die Stadt außer Peenemünde keine Güter hat, so geht schon daraus hervor, dass die städtischen Revenuen nicht beträchtlich sein können. Den verheerenden Französischen Krieg wird auch Wolgast noch lange fühlen. Dass aber bei den großen Opfern, welche diese Stadt darin bringen, und bei noch andern Einbußen, die sie erleiden musste, doch das Gleichgewicht der Einnahme und Ausgabe besteht, zeugt von einer musterhaften Verwaltung.

Vielleicht mögen aber einst wieder glücklichere Umstände für diese gute Stadt eintreten, welche auch vermöge ihrer zum Handel so vorteilhaften Lage zu hoffen sind. Eine gerechte von dem Königlich Preußischen Ober-Landesgerichte zu Gunsten der Stadt ausgesprochene Entscheidung in Betreff der Streitsache, welche die Stadt mit den Bauern zu Peenemünde geführt hat, berechtigt ebenfalls zu der Hoffnung auf eine bessere Zeit, und auf eine einträglichere Benutzung dieses Besitztums.

Das auf der Insel Usedom liegende Dorf Peenemünde ist nämlich, wie ich schon erwähnt habe, das einzige Gut, welches die Stadt Wolgast besitzt, wozu noch die Holländerei auf der Gaaz gehört, welche ein Pertinenz desselben ist. Aber der Ertrag von diesem Gute, dem Dorfe Peenemünde, worin freilich 9 Vollbauern, 9 Halbbauern, 2 Viertelbauern, 2 Achtelbauern, 14 kleine Justleute und 8 eigentümliche Kathen einigen Grundpacht an die Stadt entrichten mussten, ist bisher äußerst geringe gewesen. Daher tritt gegenwärtig, 1829, eine schon längst projektierte, aber dabei gesetzliche, loyale und billige Einrichtung ins Leben. Es werden nämlich die der Stadt, als Grundherrschaft, mit einem Teile ihres Eigentums angehörigen Bauern freie Eigentümer, indem sie die der Stadt gehörige Hofwähre nach einer billigen Taxe, welche auf das Ganze ungefähr 3.000 Thaler macht, respektive kaufen und zurückliefern. Dafür erhalten sie aber auch einen ihnen ausgemessenen Ackerteil, und zwar die Hälfte von dem, was sie bisher verwalteten. Dieser Ackerteil wird nun ihr eigentümlicher Besitz. Dazu bekommen sie etwas Torf und das Raff- und Leseholz aus der Heide. Aber mit Axt und Beil dürfen sie nicht ins städtische Holz kommen; auch ist ihnen die Viehweide in demselben versagt.

Durch diese mit Peenemünde vorgenommene Veränderung und jetzt vollendete Einteilung gestaltet sich das Ganze für beide Teile, so wohl für die Stadt als auch für die Bauern, zweckmäßiger und vorteilhafter Die Stadt gewinnt dadurch, dass die Peenemünder nun nicht mehr, so wie bisher, derselben zur Last fallen dürfen mit ihren Bauten, ihrem unmäßigen Holzbedarf und dergleichen, und dass sie jetzt aus dem ihr durch die Verteilung zugefallenen Acker ein beträchtliches Vorwerk anlegt, wozu die Wirtschafts-Gebäude gegenwärtig aufgeführt werden, und dessen Verpachtung für die Stadt-Kasse ersprießlich sein wird; die Bauern hingegen gewinnen auch, indem sie, oder wenigstens ihre Nachkommen, im freien Besitze des Ihrigen sich glücklich fühlen werden, und das Gefühl eines nicht kärglich zuerteilen Eigentums ihre Tätigkeit in Anbau desselben wohltätig anregen wird. – Übrigens ließ es sich erwarten, dass bei dieser neuen Einrichtung und großen Verwandlung von Peenemünde von Seiten der Bauern manche Widersprüche und Widersetzlichkeiten sich fanden; aber durch die Energie und musterhafte Umsicht und Einsicht teils derer, die den Rechtsgang leiteten, teils derer, die den Acker bonitierten, hat sich endlich Alles in Frieden und Güte aufgelöst. –

Die Peenemünder Tannenheide, welcher der Stadt gehört, ist schon im Anfange dieses Jahrhunderts von dem Forst-Inspektor Herrn Hank, außer einigen Reserve-Winkeln, in 140 Kaveln gelegt. Das gefällte Holz wird teils verkauft, teils zu städtischen Bauten, teils zum Deputatholz verwendet. Zur Wartung der Heide ist ein Förster angestellt, und eine gehauene Kavel wird in folgenden Jahre wieder besamt. – Über den Torf, der jährlich in der Peenemünder Heide, in der sogenannten Möse, gestochen wird, führt ein Torf-Inspektor die Aufsicht.
Wolgast, Rathaus

Wolgast, Rathaus

Wolgast, Pferdemarkt mit Postamt

Wolgast, Pferdemarkt mit Postamt

Wolgast, Hafen mit Zugbrücke

Wolgast, Hafen mit Zugbrücke

Wolgast, Marktplatz mit Rathaus

Wolgast, Marktplatz mit Rathaus

Wolgast, Stadtmuseum

Wolgast, Stadtmuseum