Von der Nahrung und dem Gewerbe der Einwohner der Stadt Wolgast - Von dem Fahrwasser

Aus: Chronik der Stadt Wolgast
Autor: Heller, Karl Christian (1770-1837) Bibliothekar, Chronist, Prediger an der St. Petri-Kirche zu Wolgast, Erscheinungsjahr: 1829
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Wolgast, Usedom, Peene, Pommern,
Die Breite der Peene bei Wolgast beträgt vom Ende der Fährbrücke bis zur Spitze der Brücke auf der Usedom’schen Seite 50 Ruthen 8 Fuß Pomm. Maßes. Bei der Fährbrücke ist eine Wassertiefe von 24 Fuß; in der Mitte der Peene sind 30 Fuß, und auf der Usedom’schen Seite wieder 24 Fuß Tiefe bei mittlerem Wasserstande. Nach Stettin hin hat das Fahrwasser, wovon der Schiffs-Kapitän Friedrich Wallis mit vielem Fleiße eine Karte entworfen hat, zwei seichte Stellen, deren eine der Moder, und die andere Elb und Bock genannt wird. Diese Untiefen haben nur 7 Fuß, und es können über sie nur Schiffe gehen, welche 20 bis 25 Last tragen. Doch ist nun schon seit einigen Jahren der unter Preußischer Hoheit neu erbaute Königliche Bagger zur Vertiefung dieses Fahrwassers gebraucht. Aber für die Vertiefung des Fahrwassers auf der andern Seite von unserm Hafen nach der Ostsee hin, wovon ebenfalls eine mit Mühe vom Schiffs-Kapitän Carl Wendt entworfene Karte vorhanden ist, hat in einer langen Reihe von Jahren noch nichts geschehen können, indem der Königliche Bagger auf Befehl Gustav 4. Adolphs im Jahre 1807 verbrannt wurde, damit er nicht den Franzosen in die Hände fallen solle. Doch erhält sich dieses Fahrwasser noch immer in seiner gewöhnlichen Tiefe, und wenn der neue Königlich Preußische Bagger auf jener Seite seinen Zweck erfüllt hat, wird er auch zur Aufräumung der Untiefen in diesem Fahrwasser gebraucht werden.

Diese Untiefen will ich hier der Reihe nach aufführen. Es find folgende:

1) Der Mittelgrund, dessen Tiefe 12 Fuß Pomm. beträgt.

2) Der Heerdt, der historisch denkwürdig ist, und wovon ich im 3ten Buche weitläufiger reden werde. Die Tiefe beträgt 10 Fuß.

3) Das Steinrack, welches Spandowerhagen gegenüber liegt, nur höchstens 10 Fuß Tiefe hat, und der Schifffahrt sehr hinderlich ist; denn der Durchgang ist enge, und der Grund mit großen und kleinen Steinen belegt. – Von dieser Untiefe werde ich im Geschichts-Abriss noch ausführlicher sprechen. Siehe das Jahr 1819.

Man hat fälschlich geglaubt, als wenn dieses so genannte Steinrack nicht von der Natur gebildet wäre. Aber es ist von demselben bis zur Insel Usedom ein Steinriff bei niederem Wasserstande erkennbar, und es liegen im Steinracke selbst zu große Steine, als dass sie zum Versenken dahin hätten geschleppt werden können. Wahrscheinlich hat man dieses Steinrack mit einer andern ehemaligen Untiefe bei der Peenemünder Schanze verwechselt.

Die Preußen versenkten nämlich im siebenjährigen Kriege 1758 in den Weethen bei Peenemünde 8 Schiffe mit Steinen, um den Schweden das Einlaufen in die Peene zu verhindern. Aber diese ganze Versenkung ward noch im Spätherbste desselben Jahres wieder herausgebracht. Der Schwedische Generalmajor und Ritter von Ehrenschwerdt schloss nämlich mit dem Schiffsbaumeister Gustav Wendt hierselbst am 29. Julius einen Kontrakt, vermöge dessen dieser gegen eine Summe von 4.800 Rthlr. jene Versenkung von Schiffen durch selbst angeschaffte Gerätschaften wieder herausbringen, und das Fahrwasser auf dieser Stelle gänzlich reinigen sollte. Dies ist auch geschehen laut des Zeugnisses, welches der Kapitän von Gyllenschwerdt und die Lotsen vom Ruden und von Peenemünde vor dem hiesigen Licent-Comtoire ablegten.

4) Die Tonnenbank ist die vierte Untiefe, und befindet sich außerhalb der Mündung der Peene. Sie hat etwas über 10 Fuß Tiefe und eine Breite von 90 Fuß.

5) Das Westertief hat 9 Fuß, und

6) das Ostertief, oder die Ostplate, hat 10 Fuß Tiefe.

7) Das Landtief ist mit mehreren Tonnen bezeichnet und 12 Fuß tief.

Endlich befinden sich noch einige Untiefen im Bodden, womit diejenigen vertraut sein müssen, welche dieses Gewässer befahren. Diese Untiefen sind der Böttgergrund, der Schuhmachergrund, der blinde Stubber und der Stubber, eine trockene Sandbank.

Es leidet keinen Widerspruch, dass große Schiffe mit voller Ladung bis zum Hafen von Wolgast auf segeln könnten, wenn mit der Zeit jene genannten Untiefen, die doch mindestens 9 bis 10 Fuß tief liegen, durch den Bagger weggeräumt würden. Dies mag auch wohl dermaleinst geschehen, indem es dem prüfenden Auge nicht entgehen wird, dass Wolgast zum Handel sehr vorteilhaft liegt, und vor den übrigen Städten Neu-Vorpommerns dadurch bevorzuget ist, dass die Schiffe aus dem Hafen dieser Stadt im Frühlinge wohl zwei bis drei Wochen früher auslaufen und in See kommen können, als diejenigen Schiffe, welche durch den Bodden müssen, und von dem oft lange darin liegenden Eise am Auslaufen verhindert werden. Auch ist der Hafen bei Wolgast so sicher wie irgend einer und die Reede ganz gefahrlos. Noch nie ist auf derselben ein mit guten Ankern und Tauen versehenes Schiff verloren gegangen, da sowohl die West- als auch die Ost-Reede vom Ruden und dem Peenemünder Haken gegen Stürme geschützt werden.

Der Handel und die Schifffahrt von Wolgast möchten vielleicht bedeutender sein, und beide ihre vorige Blüte behalten haben, wenn diese nicht durch einen unglücklichen Zwist, den der Kaufmann Vanselow zu Stettin und ein hiesiger Kaufmann mit einander hatten, zerstört worden wäre. – Man sehe hierüber: Patriotische Beiträge von Reichenbach, 3. Stück. Seite 117. –

Genug jener Zwist gab Veranlassung, dass im Jahre 1748 der Hafen zu Swinemünde angelegt, und dadurch die Fahrt nach Stettin, welche ehemals allein durch die Peene ging, auch in die Swine geleitet wurde. Freilich war viele Jahre hindurch die unsichere Reede bei Swinemünde, indem der Nordost den Eingang zum Hafen oft verwellte, und dadurch die auf der Reede liegenden Schiffe jedem Sturme preisgegeben waren, das Grab vieler Güter und Hoffnungen; denn allein im Jahre 1813 scheiterten auf derselben 14 mit Gütern beladene Schiffe. Doch der neue kostbare Hafenbau zu Swinemünde, welcher unter der preiswürdigen Regierung Seiner Majestät des Königs Friedrich Wilhelm betrieben und vollendet ward, hat daselbst nun alle Gefahr beseitiget. Am Schlusse dieses Abschnittes will ich noch einer alten Schrift erwähnen, woraus erhellt, wie bedeutend die Schifffahrt und der Handel zu den Zeiten der Pommerschen Herzöge in der Stadt Wolgast müssen gewesen sein. Dieses Werk führt den Titel:

Lieben, Lust und Leben der Deutschen des 16ten Jahrhunderts in den Begebenheiten des Schlesischen Ritters Hans von Schweinichen, von ihm selbst aufgesetzt. Herausgegeben von Büsching. Breslau 1820.

In diesem Werke heißt es. Seite 396 des ersten Bandes – zum Jahre 1578:

„Allhier muss ich gedenken, wie es mit meinem Wirt zu Wolgast in Pommern erging. Es hatte gemeldeter Wirt, als ein reicher Mann, der er zuvor gewesen, vor 4 Jahren ein Schiff ausgerüstet, nach Lissabon zu laufen, welches ihm über achtzigtausend (80.000) Reichsthaler auszurüsten gestanden, dessen er sich denn, wenn es zu rechter Zeit, als in Jahr und Tag, wäre wieder kommen, höchlich zu trösten, und dabei noch ein reicher Mann hätte werden können. Das Schiff aber bleibt 4 Jahr außen, also, dass sich der Kaufmann des Schiffs endlich verziehen hatte, dass es etwan untergegangen sei, oder sonst etwan durch unglücklichen Zustand geblieben. Durch solchen Verzug gerät der Mann in große Armut, also auch, wo er zuvor große Häuser gehabt, muss er jetzt in einem Wirtshause Gastung treiben, weiß nun nicht anders, denn er muss sein Leben in Armut also zubringen. Derowegen gedachte er die Tage über, weil ich bei ihm im Hause lag, oft seines Schiffes und seiner vorigen Wohlfahrt, darüber er denn allemal so betrübt ward, dass er weinte. Ging deswegen oft drei oder auch viermal des Tages an den See (Peene), und sah, wie und was vor Schiffe allda einliefen; welches zwar sehr lustig zu sehen ist, und keine Stunde vorübergeht, wo nicht Schiffe als da ankommen aus allen Landen. Und wenn denn der gleichen Schiffe da ankamen, seufzte er und sprach: „ja, wenn mein Schiff auch also ankommen sollte!“ Den Sonnabend aber, wie der Herzog von Pommern (Ernst Ludwig) allda ankommen sollte, ging der Wirt mit mir abermal an die See spazieren, und siehet in der See ein groß Schiff kommen gelaufen, wohl auf ein halb Meil Weges. Spricht zu mir: wenn ich schwören sollte, so ist jenes Schiff mein; auch also mit einem Eifer, dass er gar blass ward. Saget zu mir: „Herr, wo es mein Schiff ist, davor ich es halte, so will ich euch den schönsten Portugaleser, so darauf ist, verehren; bitte, wartet nur allhier am See eine halbe Stunde!“ Welches von mir geschah. Das Schiff kam immer je näher herbei, dass er die Fahne erkennet mit seinem Wappen. Dessen ward er so froh, dass er vor Freuden niedersank und in eine Ohnmacht fiel. Er ward aber mit Kühlen wieder erholet, dass eine große Freude daraus ward, und bekam denselben Tag und Stunde wieder über anderthalb Tonnen Goldes. Er führet auch des andern Tages mich ins Schiff, welches mit lauter Pfeffer und süßen Weinen beladen, und sonst mit vielen seltsamen wälschen Früchten; verehret dem Herzog, seinem Herrn, so über 1.200 Rthlr. würdig gewesen, da er doch zuvor nicht über 1.000 Pfennig vermochte, oder ihm getrauet worden. Und verehret mir also der gute Mann einen schönen Portugaleser und andere Sachen mehr, darum ich ihm Dank sagte. – Darum soll man an Gottes Gnade und Segen nicht verzagen, denn er arm auch wieder reich machen kann, und wer auf ihn baut und traut, der hat wohl gegründet, und wird reich dabei. Darum sagt man recht: Gottes Segen allein reicht, – Man sagt, dass er eines Scheffelshoch Portugaleser hatte bekommen sollen.“ –
Wolgast, Hafen mit Zugbrücke

Wolgast, Hafen mit Zugbrücke

Wolgast, Peene

Wolgast, Peene

Wolgast, Rathaus

Wolgast, Rathaus