Vom Heringsfang

Autor: Herausgeber: H. B. Wagnitz und Fr. Hesekiel, Erscheinungsjahr: 1829
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Heringsfang, Fischer, Fischerei, Salzhering
Aus: Hallisches patriotisches Wochenblatt auf das Jahr 1829. Zur Beförderung nützlicher Kenntnisse und wohltätiger Zwecke herausgegeben von H. B. Wagnitz und Fr. Hesekiel.
29. Jahrgang, Band 1. 1829
Die Monate Julius und August und die in den vorigen Wochenblattsstücken angekündigten neuen Heringe haben bei manchen die Frage veranlasst: Wie werden die Heringe gefangen und wie werden sie eingesalzen? — Nur einiges zur Beantwortung dieser Frage.

Das Heringsnetz wiegt an Hanfgarn 100 bis 120 Pfund, ist 100 Faden lang, und geht etwa elf Faden tief. Um die Oberkante über Wasser zu halten, werden in der Mitte große Korkstücken fest gebunden. Auf den beiden Armen befestigt man drei kleine ledige Tonnen, und am Unterteile kleine Steine, um es zu versenken und straff zu halten. An jedem Ende des Netzes sind die Taue 400 bis 450 Faden lang, womit das Netz von 16 Personen ans Land gezogen wird. Bei jedem Netze befindet sich ein kleines Boot, worin das Netz geführt wird, und sieben bis acht große, jedes von 80 bis 150 Tonnen Größe, die ganz flach gebaut sind, um den Hering einzuladen.

Wird das Netz ans Land gezogen, so legen sich die Boote um dasselbe herum; und heben den Hering mit einer Art von großer Kelle, welche etwa eine Tonne fasst, heraus. Ist der Fang glücklich, so können öfters 1.500 bis 3.000 Tonnen auf einmal in einem Netze gefangen werden.

Unter den Fischern ist die Ordnung, dass die Netze so nach einander geworfen werden, wie die Fischer an die Stellen kommen. Das sonderbarste dabei ist. Das von mehreren Netzen, die nach einander auf derselben Stelle geworfen werden, einige gar nichts, andere hingegen solche, ganz voll bekommen. Öfter reißt ein Netz, und bei, solchem Zufall hat man ein anderes in Vorrat, welches um das zerrissene geschlagen wird. Ist das Netz aber im Boden zwischen Steinen und Netzen fest geraten, so geschieht es, dass ganze Scharen von Heringen darin sterben und zu Grunde gehen.

Da ein Jeder Freiheit hat, von den Fischern zu kaufen, so findet sich hier eine große Menge Arbeitsleute und Soldaten ein, die den Hering auf- und gleich wieder an die Salzereien und Tranbrennereien verkaufen. Dies ist den Fischern sehr gelegen, weil sie alsdann ihr Netz des Tages zweimal auswerfen können. Selten wird das Netz des Nachts ausgeworfen, es musste denn recht stilles Wetter und heller Mondschein sein. Der Sonntag ist Ruhetag.

Den Hering bringen entweder die Fischer oder die Aufkäufer nach den Salzereien, wo er nach Tonnenmaß verkauft wird. Das erste, was geschieht, ist das Ausbringen aus den Booten in die Buden, wo er in bretterne Behältnisse geworfen wird, und wo ihm eine Menge Weibsleute und Kinder mit kleinen Messern die Kehle und Gedärme wegnehmen.

Hierauf werden die ausgeweideten Heringe in große Kufen geworfen, die zur Hälfte mit starker Salzlake gefüllt sind, worin sie vom Blute abgewaschen, völlig gereinigt, und dann, so geschwind als möglich in buchene Tonnen schichtweise mit Salz eingepackt werden.

So eingesalzen stehen sie drei bis vier Tage, bis das Salz etwas geschmolzen ist. Dann werden sie nachgefüllt und die Tonnen zugeschlagen. Nach Verlauf von acht bis zehn Tagen werden sie wieder geöffnet, die Lake abgeschlagen, mit Heringen aufgefüllt, und aufs stärkste gepackt, mit der abgezogenen Lake wieder aufgefüllt, zugespundet und in die Schiffe verladen.

Ladungen, die nach Westindien oder sonst weit gehen, werden stärker gepackt, die Tonnen bei der letzten Packung, vermittelst eines zwei Zoll dicken eingelegten Bodens, aufs festeste eingetreten. Allein er verliert durch das starke Eindrücken sein Ansehen, und leidet auch dadurch in der Sonnenhitze. Diejenigen, welche nach Deutschland gehen, erfordern nicht nur das stärkste, sondern auch mehr Salz. Für die inländische Konsumtion wird der Hering nicht so stark gesalzen und gepackt, daher er auch sein Fett behält und schmackhafter bleibt; nur hält er sich nicht so lange. Die weit zu versendenden werden mehrenteils mit mittelländischem Salze, und besonders mit dem, was von der Küste von Alikante kommt und für das stärkste gehalten wird, eingesalzen. Mit einer Tonne solchen Salzes können füglich drei und ein Dritteil Tonnen Heringe gesalzen werden. Das portugiesische Salz ist weit gelinder. Je schwächer das Salz ist, desto leichter schmilzt es im Laken. Diejenigen, welche den Winter durch stehen, werden im Frühjahr wieder aufgepackt, und dann versendet.

.

.

.

Hart ist das Leben für die Fischer an der Ostsee.

Hart ist das Leben für die Fischer an der Ostsee.

Fischeralltag

Fischeralltag

In der Saison wird jede Hand gebraucht

In der Saison wird jede Hand gebraucht