Ueber einen an der mecklenburgischen Küste zu errichtenden Leuchtturm.

Autor: Harmsen, A. H. (?) Lotsenkommandeur, Erscheinungsjahr: 1826
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg, Ostsee, Seefahrt, Schifffahrt, Leuchtturm, Leuchtfeuer, Maritimes, Rostock, Warnemünde, Doberan
Aus: Freimütiges Abendblatt, Band 8. Schwerin 4. August 1826. Vom Lotsenkommandeur Harmsen zu Travemünde.

Bei allen, welche das Seeleben einigermaßen kennen, ist wohl nur eine Stimme darüber, dass Küstenfeuer und Leuchttürme der Schifffahrt eine vorzügliche Sicherheit gewahren. Je häufiger sie an zweckmäßigen Platzen angebracht, und je kennbarer sie durch verschiedene Formen ihres Lichtes eingerichtet sind, desto sicherer leiten sie den Seemann bei dunkler Nacht und stürmischem Wetter. Mecklenburgs Küste bietet eine nicht unbedeutende Strecke dar. Man kann sie auf beiläufig 25 Meilen annehmen, und auf dieser ganzen Strecke, von Travemünde bis nach Pommern, ist bis jetzt nicht eine Feuerung. Erst etwa 10 Meilen weiter nach Norden kommt die Feuerung auf Geesterreff, der südlichsten Spitze der Insel Falster, dem Seefahrer zu Gesicht, und dieses auch nur alsdann, wenn er sich ziemlich weit gegen die Nordseite hält, indem sie nur 45 Fuß über die Meeresfläche hervorragt. Von allen Schiffern ist daher längst gewünscht worden, dass auf irgend einer angemessenen Stelle der mecklenburgischen Küste ein solcher Leuchtpunkt sich dem Seefahrer zur Nachtzeit darstellen möchte.

Aber wo soll ein solcher Turm errichtet werden? Welcher Punkt eignet sich dazu am besten? Hierüber haben sich die Meinungen sehr verschieden ausgesprochen. Rostock und Wismar sind die beiden bedeutenden Seehandlungs-Plätze Mecklenburgs. Die natürlichste Antwort ist also die: da, wo er beiden Hafen zugleich am nützlichsten werden kann, aber auch, wenn es erreichbar ist, wo er andern Schiffen, welche diesen Teil der Ostsee befahren, zu einem wohltätigen Wegweiser dienen möchte.
Wenn ich, obgleich kein Mecklenburger, es wage, auch meine Ansicht in diesem vielgelesenen Blatte darzulegen; so möge man mir diese Zeilen nicht als Anmaßung auslegen, da mir meine Erfahrung wohl ein Urteil über diese Angelegenheit erlauben dürfte. Von Jugend auf zum Seedienst erzogen, habe ich mich diesem Fache mit Vorliebe gewidmet, habe eine Reihe von 30 Jahren als Kapitän von Kommerzschiffen mehrere Gewässer in- und außerhalb Europa befahren und die Bedürfnisse des Seemannes in dieser Beziehung kennen gelernt. Seit 10 Jahren als Lotsen-Kommandeur im hiesigen Hafen angestellt, habe ich natürlich ein lebhaftes Interesse für Vervollkommnung aller nautischen Einrichtungen, besonders auch des Teiles der Ostsee, der mit unserm Gewässer in der nächsten Verbindung steht. Und so befürchte ich bei Unparteiischen nicht, als ein der Sache Unkundiger, voreilig absprechend, zu erscheinen, wenn ich meine Meinung unbefangen und freimütig ausspreche.

Rostock, der vornehmste Platz Mecklenburgs zum Seehandel, hat natürlich die ersten Ansprüche, dass die Sicherheit seiner Schifffahrt durch ein wohleingerichtetes Leuchtfeuer erhöht werde. Wer könnte das bezweifeln? Allein dennoch scheint es mir unzweckmäßig, vor Warnemünde einen Leuchtturm zu errichten. Zum gefahrlosen Einlaufen großer Seeschiffe in den Hafen, zur Nachtzeit, soll ja eine solche Feuerung nimmer dienen. Nur bei Häfen an der Nordsee oder am großen Weltmeere kann das unter Umstanden möglich werden. Dort findet Ebbe und Flut statt. Das Wasser steigt zur Zeit der Flut 16 bis 18 Fuß: hat alsdann die Einfahrt des Flusses — in der Schiffersprache Seegatt genannt — keine Krümmungen, und sind wenigstens zwei Feuerungen angebracht, um durch ihre Stellung gegen einander die rechte Richtung nehmen zu können, so ist es tunlich, auch bei finsterer Nacht den Hafen zu gewinnen. Dazu kommt, dass die meisten Einfahrten auf solchen Revieren 5 bis 6 Faden Wasser haben, wo dann eine sehr große Genauigkeit nicht erforderlich ist. Für unsere Häfen in der Ostsee aber, wo wir gewöhnlich sehr beengt sind, und in der Regel nicht über 10 bis 11 Fuß Wasser haben — das Warnemünder Seegatt hat nur 8 Fuß — ist das durchaus untunlich. Sollte das Wasser auch bei Stürmen aus der See 4 bis 5 Fuß über die gewöhnliche Höhe anschwellen, so ist das immer mit einer hohen Seebrandung verbunden; mithin in der Dunkelheit das Einlaufen fast unmöglich. Lotsen kommen bei Nachtzeit gewöhnlich auch nicht heraus, wenn nicht Notschüsse oder andere Notzeichen die größte Gefahr andeuten. Unglücksfälle demnach, die sich bei solchem Einlaufen ereignen würden, fielen dann allein dem Schiffer zur Last.

Wollte man einwenden: der Leuchtturm von Travemünde stehe doch unmittelbar am Hafen, so muss zuvörderst bemerkt werden, dass dennoch bei dunkler Nacht kein einigermaßen großes Schiff in den Hafen einläuft, sondern entweder bis zum Tagesanbruch vor Anker geht oder auf der Reede kreuzet. Nur ganz kleine Schiffe, die bei hohem Wasser und ruhiger See die Plate nicht zu fürchten brauchen, dürfen es wagen, in der Nacht die Einfahrt zu machen. Dann ist aber auch zu erwägen, dass die Erbauung dieses Turms in eine Zeit fällt, wo man von dem auf das Allgemeine sich beziehenden Zweck solcher Leuchttürme noch keinen Begriff hatte, wenigstens sich dazu selten erhob. Allerdings ist einst unser Turm, wenn nicht einzig, doch vorzüglich mit zu der beschränkten Absicht erbauet, dass auch die Travemünder und Schlutupper Fischer zur Nachtzeit den Hafen sicher finden sollten. Deshalb hat man sehr unangemessen, diesen Punkt ganz in der Tiefe gewählt. Hier ist er freilich für Seeschiffe nicht von dem Nutzen, den er wegen seiner wirklichen Höhe und seines hellen Lichtes haben könnte. Der Schein reicht lange nicht weit genug ins Meer, und wird in einiger Entfernung nicht einmal ganz klar gesehen, weil die Ufer der Trave, besonders die Anhöhen bei Ivendorf, das Licht nicht frei am Horizont erblicken lassen.

Aus dieser Darstellung möchte wohl hinlänglich hervorgehen, dass es für die Rostocker Schiffe keines Leuchtturms vor der Mündung der Warnow bedarf. Nimmt man dabei nämlich die höhere Ansicht, dass ein solches Feuer nicht bloß dem einzelnen Hafen, sondern möglichst allen Schiffen, welche eine bestimmte Gegend des Meeres befahren, wohltätig werden soll, so findet gewiss jeder, der die Lage von Warnemünde nach einigermaßen richtigen Seekarten kennt, diese Stelle als unzweckmäßig. Die Küste biegt sich hier ziemlich tief ins Land hinein. Die Ufer nach Westen hin haben eine bedeutende Höhe, und in Nordost zieht sich wenigstens die Küste weit in die See. Nur auf einem kleinen Abschnitte des Horizonts würde dies Feuer erblickt werden können: gegen Osten und Westen, eben der Beschaffenheit des Ufers wegen, fast gar nicht. Für Seeschiffe, die nicht grade nach Rostock bestimmt sind, wäre es beinahe so gut wie gar nicht vorhanden.

Ein Ähnliches gilt von Wismar. Auch dieser Hasen biegt sich tief ins Land. Man hat früher den Gedanken gefasst, auf der Insel Pohl einen Leuchtturm von etwa 45 Fuß Höhe zu erbauen, aber der Bau ist unterblieben; weil man erkannt hat, dass er weder dem Ganzen, noch der Nachbarstadt Rostock, noch Wismar selbst von Nutzen sein würde. Die hohen Ufer des Festlandes würden den Schein auffangen, und das Einlaufen in das Wismarsche Fahrwasser zur Nachtzeit wäre dadurch eben so wenig möglich gemacht.

Nach meiner festen Überzeugung ist die einzige, aber auch in jeder Hinsicht durchaus passliche Stelle die nördliche Spitze von Buckhöft, fast in der Mitte zwischen Rostock und Wismar gelegen. — Ich behaupte, denke ich, nicht zu viel, wenn ich einen Leuchtturm, auf diesem Platze, für einen solchen erkläre, der allen Bedürfnissen in dieser Hinsicht abhelfen und jeder billigen Forderung genügen würde.

Hier sind meine Gründe.

Schiffe, die aus der Ostsee, aus russischen und preußischen Häfen kommen, und nach Rostock, Wismar, Lübeck, Kiel oder den Belten bestimmt sind, befinden sich in später Jahreszeit, bei dann häufig herrschenden Südost- und daran grenzenden Winden und Stürmen oft in großer Verlegenheit über den Punkt, wo sie dermalen eigentlich sind. Wäre ein Leuchtfeuer auf Buckhöft, so hätten sie ein festes Markzeichen, könnten, wenn sie nach den Belten wollten, bei gutem Winde mit Zuversicht ihren Lauf fortsetzen, weil die Feuer jener Gegenden ihnen auch bald zu Gesicht kommen; oder wollten sie nach einem Hafen diesseits der Belte, so könnten sie mit Sicherheit lavieren, weil ihnen diese Feuerung mit der bei Geesterreff zu einem untrüglichen Leitstern diente, selbst wenn sie durch Strömungen, die im Herbste oft plötzlich ihre Richtung verändern, durch Sturm und wallende Seen über ihren Kurs in Ungewissheit kämen. Ein Umstand, der dem erfahrensten und vorsichtigsten Seemanne, bei allem Lochen und Sondieren, in einem solchen Fahrwasser begegnen kann.

Aber Fahrzeuge, die von der Ostsee nach Rostock bestimmt sind, sagt man vielleicht, hätten von dem Feuer auf Buckhöft gar keinen Nutzen! Gewiss einen eben so bedeutenden. Zur Nachtzeit in den Warnemünder Hafen einzulaufen, ist, wie vorhin bemerkt, nicht ausführbar. Die Schiffer müssen, wenn sie gegen Abend auf diese Höhe kommen, doch bis zum Tagesanbruch kreuzen. Wer sieht nicht ein, wie wichtig ihnen der Anblick eines Feuers auf Buckhöft werden muss, das auf 5 Meilen weit in der See sichtbar sein wird, durch dessen Hilfe sie sich dem Hafen nähern und bei günstiger Witterung auf der Reede ankern können.

Dass besonders den Mecklenburger Schiffern, die auf Lübeck und andere Städte in unserer Ostseebucht auch in später Jahrszeit hin und zurück fahren, ein wesentlicher Nutzen durch diesen Leuchtturm erwachsen würde, bedarf keines weiteren Beweises. — Nur der Umstand werde hier noch vorzüglich ausgehoben. Se. K. H. der Großherzog machen bekanntlich mit Ihrem Kutter öftere Seefahrten, freilich der Regel nach nur im Sommer; aber sind nicht auch die Nächte im Sommer zuweilen sehr dunkel, so dass deshalb die Feuer bei gut eingerichteten Leuchttürmen fast im ganzen Jahre zur Nachtzeit angezündet werden? Unstreitig würde grade durch eine Feuerung auf Buckhöft die Abwendung auch nur möglicher Gefahren bewirkt werden. — So dürfte gleichfalls die seit zwei Jahren etablierte Schifffahrt des Dampfschiffes von Kopenhagen nach Doberan und Lübeck wohl einige Beachtung verdienen. Dies Schiff kommt in der Regel zur Nachtzeit in dieses Fahrwasser; welche Sicherheit würde nicht jene Feuerung bei stürmischem dunklem Wetter diesem Fahrzeuge geben!

Dass übrigens der Mangel einer Feuerung an der mecklenburgischen Küste schon manche Unbequemlichkeit und wirkliches Unglück herbeigeführt hat, welches nach aller Wahrscheinlichkeit nicht eingetreten wäre, lehren Erfahrungen der neuesten Zeit, von denen ich nur einige, die notorisch sind, anzuführen mir erlaube. — Vor zwei Jahren musste bekanntlich das kaiserlich russische Kriegsschiff, welches mehrere Personen der kaiserlichen Familie nach Doberan brachte, geraume Zeit unnötig jenseits Warnemünde kreuzen; weil man den Hafenort für Doberan selbst hielt, eine Verwechselung, für einen Unbekannten leicht möglich. Im Anblick eines Leuchtfeuers auf Buckhöft würde der Schiffsführer in dunkler Nacht bis Doberan gegenüber haben segeln und daselbst Anker werfen können.

Von wirklichen Unglücksfallen, durch diesen Mangel entstanden, ist es genug, nur diejenigen in allgemeine Erinnerung zu bringen, die in den letzten Jahrzehnten sich zugetragen haben und den in unserer Gegend Wohnenden hinlänglich bekannt sind; wie nämlich zwei, gewiss vorsichtige und erfahrne Schiffer, innerhalb einer nicht gar langen Zwischenzeit, grade unweit Buckhöft, ihr Schiff verloren haben. Ein Unglück, welches nach menschlicher Beurteilung sicher vermieden wäre, hätte dort eine Feuerung oder ein Leuchtturm existiert.

Doch auch im letzten Herbst noch haben sich bemerkenswerte Fälle ereignet, wobei es augenscheinlich ist, dass die gedachte Feuerung von den aus der Ostsee kommenden Schiffen große Unfälle würde abgewendet haben. Viele Schiffe verschiedener Nationen, zum Teil nach Helsingör und der Nordsee bestimmt, wurden bei dicken Schnee- und Hagelschauern und heftigem Nord- und Nordost-Winde von einem reißenden Strome aus der Nordsee ergriffen, der durch die Meerenge des Sundes mit solcher Schnelligkeit stürzte, dass er binnen einer Zeit von 4 Stunden 7 deutsche Meilen lief. Dadurch verrechneten sich die Schiffer so sehr in ihrem Kurs, dass sie sich schon binnen Darßerort befanden, als sie noch etwa östlich der Insel Mön und Falster zu sein wähnten. So trieben sie in der Gegend von Buckhöft aufs Ungewisse umher, den Tag erwartend, um irgendwo Land zu erblicken und sich zu orientieren. Plötzlich überfiel die unglücklichen Seeleute aufs neue ein heftiger Sturm aus Südost und Osten, begleitet von einem reißenden südlichen Strom, der mit unglaublicher Schnelle in den Belt lief. Ein großer Teil dieser Schiffe gelangte gegen den Belt zwischen Fehmern und Laland, mehrere ankerten und mussten sich dem Toben der Elemente preis geben, andere trieben in den Belt hinein, ohne dass man bestimmt etwas über ihr Schicksal erfahren hat. Eins dieser Schiffe kam unter der holsteinischen Küste bei Grömitz vor Anker, mit Verlust des großen Mastes, der gekappt werden musste. Ein anderes geriet an der Eutinschen Küste auf den Strand. Zwei andere waren so glücklich, die Travemünder Feuerung zu erblicken, sie ankerten nahe am holsteinischen Wall und wurden am folgenden Tage, da der Sturm noch fortwütete, von unseren Lotsen, mit Verlust von Ankern und Tauen, in den Hafen von Neustadt gebracht. Die Aussagen aller Schiffskapitäne, die ich gesprochen habe, sind gleichstimmig dieselben, dass sie nämlich einen Tag und zwei Nächte binnen Darßerort gekreuzt und mitunter Land gesehen, aber nicht haben beurteilen können, welches Land, weil der Strom sie so irregeleitet. Ein Umstand, der einem erfahrnen Seemann nicht auffallend sein kann. Hätte nun, das springt jedem Kundigen ins Auge, hätte eine Feuerung auf Buckhöft gebrannt — aber auch nur da, denn in der Bucht von Warnemünde oder auf der Insel Pohl wäre sie ihnen wohl nicht zu Gesicht gekommen — so würden die Schiffer sich schwerlich haben irren können. Die nach der Nordsee bestimmten Schiffe würden, da der Wind bald darauf nach Süden ging, ihre Reise nach Helsingör fortzusetzen vermocht haben, statt dass sie in den Bell laufen mussten; die andern hätten sich mit Lavieren helfen können, weil sie die Gegend, wo sie wirklich waren, erkannt hätten. Man sage nicht: bei solch' einem dicken, trüben Wetter, bei schweren Schnee- und Hagelwolken würde das Feuer nicht von ihnen erblickt worden sein. Freilich nicht so klar, wie bei heller Luft, aber in einzelnen Minuten hätte doch gewiss einmal ein Blick durchgeschienen, und das wäre hinlänglich gewesen, um bestimmen zu Können, wo sie sich befanden. Überhaupt aber, sollte dieser Einwurf gelten, so würde er gegen jede Feuerung sprechen, keine wäre dann von Wert und Nutzen.

Über die Kosten der Erbauung und Unterhaltung eines Leuchtturms an dieser Stelle noch einige Worte. Etwa 90 bis l00 Fuß müsste das Licht über dem Wasserspiegel erhoben sein, damit der Schein nach Osten, Norden und Westen, also in einem Halbkreise, dessen Radius 5 bis 6 deutsche Meilen beträgt, sich verbreiten könnte. Nicht weit von diesem Platze befindet sich eine Großherzogl. Ziegelbrennerei, sehr wichtig zur wohlfeilen Gewinnung der nötigen Backsteine; ist es ferner mit Wahrscheinlichkeit zu erwarten, dass Se. K. H. der Großherzog, so human bereit zur Beförderung jedes Guten und wahrhaft Nützlichen, zu den Kosten des Aufbaues allergnädigst auch einige Beihilfe bewilligen werde: ist es endlich, wie versichert wird, gegründet, dass ein patriotisch gesinnter, verehrungswürdiger Staatsmann sich erboten hat, einen bedeutenden Teil des erforderlichen Holzes aus seinen Forsten unentgeltlich zu überlassen: so möchte ich die Kosten zu etwa 2.000 Rthlr. anschlagen. Ich bin indessen weit entfernt, diese Meinung für etwas anderes als eine Meinung auszugeben, weil ich in Bausachen mir kein genaues Urteil erlauben möchte. Die Unterhaltung des Gebäudes, die Ausgaben für Öl, Dochte etc. so wie das Gehalt des Leuchtenwärters — wobei einem verdienten Seemann, dem allein ein solches Geschäft wahrhaft am Herzen liegen kann, ein mäßiger Erwerb für sein Alter gesichert würde — dürften zu 400 Rthlr. jährlich zu rechnen sein. Wie diese zusammen zu bringen, ob durch eine kleine Abgabe von Schiffen, die zu Rostock und Wismar ein- und auslaufen, oder auf welche andere Weise, darüber bescheide ich mich natürlich, kein Urteil zu fallen.

Wenn ich nun mit Recht voraussetzen darf, dass such in Mecklenburg jeder, er sei unmittelbar beim Seehandel interessiert, oder er gehöre einem andern Stande an, patriotisch genug gesinnt ist, um zur Sicherheit und Vervollkommnung der Schifffahrt beizutragen; wenn ich jedem die Gesinnung zutrauen darf, bei dieser Mitwirkung nicht einzig sein eigenes besonderes Interesse etwa mit kleinlichem Sinne ins Auge zu fassen, vielmehr bei einer so fürs Ganze berechneten Einrichtung, auch andern Nationen nützlich zu werden: so darf ich hoffen, dass die meisten in meine Ansichten, deren schärfste Prüfung ich wünsche, eingehen werden. — Alle Seehandel treibenden Länder, wozu ja auch Mecklenburg gehört, haben an ihren Küsten, wo es irgend nötig erscheint, zweckmäßige Feuersignale eingerichtet. Wenn der Seefahrer eins aus dem Auge verliert, empfängt ihn gleichsam schon das andere. So weiß er sich, ist er ein Kundiger, auch in den dunkelsten Nächten bestimmt Rechenschaft zu geben, in welcher Gegend des Meeres er sich befindet, und darf, wenn nicht besondere Unfälle ihn überkommen, selbst in der Nacht einen Sturm und böses Wetter nicht zu ängstlich fürchten. Auch in der Ostsee ist ein Ähnliches. Von Kronstadt aus, in dem ganzen finnischen Meerbusen, trifft man auf beiden Seiten Leuchttürme und Feuerbacken und Blickfeuer, oder wie man zum besseren Unterscheiden solche nächtliche Signale verschieden eingerichtet hat, so dass eins dem andern wieder sekundiert und die Schiffe von Petersburg bis zum Sunde mit Sicherheit auch in nächtlicher Finsternis ihre Reise fortsetzen können. An den preußischen Küsten findet man dasselbe. Alle diese Feuerungen namentlich auszuführen, wäre unnötig; auf jeder richtigen Seekarte sind sie angegeben. Noch in diesem Jahre wird auf der nördlichsten Spitze von Rügen bei Arkona — ich darf ohne Ruhm sagen, mit auf eine von mir gemachte Vorstellung — ein Leuchtturm erbauet, weil dort noch gleichsam eine Lücke war; und die ganze mecklenburgische Küste, wo ein solches Signal von so wesentlichem Nutzen wäre, hat bis dahin noch kein einziges. Es wäre Beleidigung gegen die biedern Mecklenburger, wenn ich auch entfernt nur ihren Gemeinsinn bezweifeln, und mich nicht der frohen Hoffnung hingeben wollte, dass auch hier bald auf eine solche Einrichtung wird Bedacht genommen werden, für welche jeder rechtschaffene Seemann nach Jahrhunderten noch die Erbauer segnen wird.

Travemünde, den 7. Juli 1826.

A. H. Harmsen, Lotsen-Kommandeur.
Warnemünde, Strom, Leuchtturm

Warnemünde, Strom, Leuchtturm

Warnemünde, Strom, Hafen und Leuchtturm

Warnemünde, Strom, Hafen und Leuchtturm

Arkona, Leuchtturm

Arkona, Leuchtturm

Der Heilige Damm.

Der Heilige Damm.

Strandvillen.

Strandvillen.