Ueber Ostseebäder

Aus: Meine Reise durch Schlesien, Galicien, Podolien nach Odessa, der Krim, Konstantinopel und zurück über Moskau, Petersburg, durch Finnland und die Insel Rügen im Sommer 1832. Zweiter Teil. Leipzig, 1834.
Autor: Behr, August von (?-?), Erscheinungsjahr: 1834
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Insel Rügen, Reisebeschreibung, Aale, Neuendorf, Pommern, Arkona, Jasmund, Wiek, Greifswald, Putbus, Stubbenkammer
Gegen Abend traten wir denn die Wanderung nach dem Seebade an. Für Fußgänger, die täglich baden wollen, ist es fast schon zu weit, denn die Entfernung bis an die Badekarren beträgt eine Stunde Wegs, und die Wagen, deren sich, wie in Doberan die meisten Badegäste bedienen, fahren stets eine halbe Stunde. Schon von fern, glänzten uns das prächtige Badehaus mit seiner weißen Kolonnade, in Form einer italienischen Villa erbaut, entgegen; es enthält die Anstalten, für warme See-, Regen-, Dusch- und Dampfbäder und einen großen Salon mit Restauration; auch im Innern ist es recht zweckmäßig eingerichtet.

**************************************
Von hier an, wandert man noch eine Viertelstunde, zwischen anmutigem Gebüsch und Hochwald am Ufer der See bis zu den Badekarren, welche natürlich, wie überall, in zwei Abteilungen für Herren und Damen weit genug von einander getrennt, an zwei verschiedenen Vorsprüngen liegen und zu denen lange schmale Stege weit in die See hinausführen. Die See bildet hier eine Bucht zwischen der davor liegenden Insel Vilm und das Bad ist hier so gut, wie jedes Ostseebad, d. h. schlecht; wer einmal je in der Nordsee, in den herrlichen Brandungen von Norderney, Helgoland, Scheveningen, Boulogne gebadet, dort den Wellenschlag, den echten Champagner Schaum genossen hat, (wenn auch nicht mit Mund und Gaumen), dem werden die Ostseebäder von Travemünde, Doberan, Putbus, Swinemünde, bis Kranz an der Kurischen Nehrung fade und kalt erschein. Mir kommt immer die Ostsee vor wie eine große grüne Bouteille, in die man sich stürzt.

In der Nordsee friert man nie; je kälter, das Klima draußen, je mehr Wind und Wellen sausen und brausen - je wärmer, ja je himmlischer ist es drinnen; die warmen Wellen werden mitten aus der See von Flut und Sturm ans Land gepeitscht, und schlagen lustig über den Köpfen der Badenden zusammen. Da ist ein fröhliches Leben, wenn man von den Sanddünen herunter die Champagner Wellen heranbrausen sieht und die Zeit kaum erwarten kann, bis man sich in ihnen begräbt; das kitzelnde wärmende Gefühl, das sie über Haut und Nerven verbreiten, ist gerade das, was der Gesundheit so äußerst zuträglich ist. In der kalten ruhigen Ostsee braucht man an 17 Grad Wärme, um nicht zu frieren; Kranke können unter 15 - 16 Grad nicht füglich baden, überall muss ein Thermometer zur Hand sein, den man an der Nordsee nicht braucht, und tagelang oft ist es manchen Leidenden nicht erlaubt, kalt zu baden und sie müssen sich dann mit dem schlechten Notbehelf warmer Seebäder begnügen.

Wir wollten nun einmal kalt baden, obschon die Jahreszeit lange vorbei und es ein recht kühler September Abend war; es mochten kaum 6- 7 Grad Kälte im Wasser sein, und wir froren trotz unserer heftigen Bewegungen im Wasser an Händen und Füßen. Freilich war uns nachher desto wohler zu Mute, und wir vollendeten den Rückweg nach Putbus in vollem Trabe.

.

.

.