Tafel 433 - Reiterschild (Tartsche) 1480

Aus: Trachten, Kunstwerke und Gerätschaften vom frühen Mittelalter bis Ende des Achtzehnten Jahrhunderts – Band 7
Autor: Hefner-Alteneck, Jakob Heinrich Dr. von (1811-1903) Museumsdirektor, Altertumsforscher, Kunst- und Kulturhistoriker, Zeichner und Radierer, Erscheinungsjahr: 1886
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mittelalter, Deutschland, Sittenbilder, Sittengeschichte, Ritter, Turnier, Waffen
Reiterschild (Tartsche) 1480, von ältester Zeit, aufbewahrt in der in Felsen gehauenen Burg Stein, in der Nähe des Chimsees, jetzt im bayrischen Nationalmuseum zu München als Geschenk des Großfürsten Nikolaus von Leuchtenberg, dermaligen Besitzers der genannten Burg.

Diese Art von Reiterschilden, senkrecht herab gerade gestreckt, nach beiden Seiten gewölbt und auf der einem mit einem Ausschnitt zur Einlegung der Lanze bestimmt, sind, wie man annehmen darf, tartarischen Ursprungs: manche wollen davon den Namen Tartsche für alle ähnlichen Reiterschilde ableiten. Dass man ihnen in Deutschland schon im Mittelalter einen ausländischen Ursprung zuschrieb, geht u. A. daraus hervor, dass man öfter in Gemälden jener Periode auswärtige Völkerstämme durch solche Schilde kennzeichnete.

Wenn diese Gattung von Schilden der Form nach gleichwohl von jenen Reiterschilden des XV. Jahrhunderts, welche wir bereits bei Tafel 303 und 314 darstellten, abweichen, so haben sie doch auf der einen Seite den nämlichen Ausschnitt zum Einlegen der Lanze, auch sind sie ganz in derselben Technik hergestellt, d. h. von Holz, auf der Rücken- und Vorderseite mit Leder und Leinwand überzogen, welche in verschiedener Art bemalt sind. Gewöhnlich ist der letzte Überzug von Leinwand (hier von Leder), auf welcher sich die Bemalung befindet. Die Darstellung der gewölbten Vorderseite zeigt eine Jungfrau mit Blumen, langen Haaren und goldenem Kleide; auf dem Goldgrunde eingravierte Liniamente. In der Randverzierung, soweit sie nicht zerstört ist, erkennt man die Schrift. . . . . „Dich Kaspar Aspach“ – der Name des Besitzers, welcher nochmals auf der Rückseite erscheint. Auf letzterer steht mit gelben Buchstaben auf rotem Grunde ein Spruch aus der heil. Schrift, wohl als eine Art von Talisman. In fehlerhaftem Latein und Wiederholungen (wie häufig bei Ähnlichem, wo man nur die fromme Intention im Auge hatte), beginnt sie mit den Worten „Jesus autem transiebat“ etc. etc, und schließt mit der Jahreszahl 1480. Darunter der Name Kaspar Aspach und dessen Wappenschild: roter Pfeil in weißem und weißer Pfeil in rotem Felde.

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Tafel 433 Reiterschild (Tarsche) 1480

Tafel 433 Reiterschild (Tarsche) 1480