Swante Wustrow und der Darß an der Ostsee.

Aus: Globus. Illustrierte Zeitschrift für Länder- und Völkerkunde. Chronik der Reisen und Geographische Zeitung.
Autor: Herausgegeben von Karl Andree, Erscheinungsjahr: 1864
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Darß, Wustrow, Fischland, Land und Leute
Ein eigentümliches, Wenigen bekanntes Fleckchen deutscher Erde ist die kleine Halbinsel, welche sich am nordöstlichen Ende des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin in die Ostsee hinaus erstreckt. Der südliche Teil derselben, unter dem Namen Swante Wustrow oder das Fischland bekannt, gehört zu Mecklenburg; der nördliche Teil dagegen, von welchem die Insel Zingst nur durch einen schmalen Meeresarm getrennt ist, zu Pommern. Das ist der Darß, und er ist wegen seiner Wälder grundverschieden von dem mehr sandigen Fischlande.

Will man die ans beiden Ländern gebildete Halbinsel besuchen, so wendet man sich von dem an der Poststraße zwischen Stralsund und Rostock gelegenen mecklenburgische-Städtchen Ribnitz nach Norden. Ribnitz (ein slawischer Name, welcher Teich bedeutet) liegt am Ribnitzer Binnenwasser, das sich weiterhin zum Saaler Bodden erweitert. Westlich von diesem liegt nun die schmale Landzunge, das Fischland. Der ältere Name Swante Wustrow stammt noch aus der Obotritenzeit her und bedeutet Swaty ostrov — heilige Insel; wahrscheinlich ist das Ländchen früher ganz von Wasser umgeben gewesen, Anfangs war das Land arm und trieb dann Heringsfang. Bereits zu Anfang des 18. Jahrhunderts begann die fischländische, noch immer sehr geringe Bevölkerung, sich der Schifffahrt zuzuwenden, Fischerei und Ackerbau wurden untergeordnete Beschäftigungen und durch die Seefahrt wurden die Einwohner reich. Indem Flecken Wustrow und vier Dörfern leben etwa 2.000 Menschen; fast alle Männer sind Kapitäne, Steuerleute oder Matrosen. Zu Anfang des Jahres 1862 betrug die Zahl der Schiffe 132. In der häuslichen Einrichtung der Fischländer offenbart sich ein ungewöhnlicher Wohlstand; man findet dort Luxusgegenstände, die man in Dörfern nicht vermutet.

Ärmer als das Fischland ist der Darß. Wer durch das waldlose, selbst baumarme Fischland über die Landenge nordwärts wandert, sieht sich plötzlich von Forsten umgeben, die bis an das Meer reichen. Der Darß war in alter Zeit ein Wildgehege der pommerschen Herzoge; so viel auch in diesen Forsten schon geschlagen, nach dem Binnenlande und seewärts nach Dänemark verführt worden ist, so blieb der Darß doch bis heute ein Waldland und selbst auf der Insel Zingst fehlt es nicht an Wald. Der Hauptort des Darßes ist Prerow. (Vergleiche C. I. F. Peters: Swante Wustrow oder das Fischland. Wustrow 1863.)
Zeit für eine Bootspartie

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Hart ist das Leben für die Fischer an der Ostsee.

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Fischeralltag

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In der Saison wird jede Hand gebraucht

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Strandspaziergang

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