Stralsund, Mittwoch den 24. Januar 1844. Tages - Begebenheiten

Aus: Sundine: Unterhaltungsblatt für Neu-Vorpommern und Rügen, 18. Band 1844
Autor: Redakteur: F. v. Suckow, Erscheinungsjahr: 1844
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Nachrichten, Einbruch, Störche, Diebstahl, Trickdiebstahl, Sittenbild, Sozialgeschichte, Waffen, Unfall
Unlängst ist die Kasse des Darmstädter Pfandhauses am besten Tage durch Einbruch von der Straße aus entwendet worden. Drei Individuen, dem Anscheine nach Handwerksgesellen, kamen um die Mittagsstunde, wo niemand mehr im Büro anwesend war, schlugen eine Leiter an und fingen an zu Hämmern und zu meißeln, als hätten sie hier eine bestellte Arbeit zu machen. Einer stieg in das Kassenzimmer, während die beiden Anderen mit der harmlosesten Miene außerhalb fortarbeiteten. Die Kriegslist gelang vollständig; weder die Schildwache an dem neben an liegenden Correktionshause, noch die Bewohner des Bürgerhospitals, worin die Pfandanstalt sich befindet, noch die Vorübergehenden hatten bei diesem Manöver, was doch immer einige Zeit erforderte, Verdacht geschöpft. Als die Beamten Nachmittags sich in ihrem Büro wieder einfanden, war die Kasse geleert und sonst keine Spur von den Tätern mehr zu entdecken, da sie ihre bei dem Einbruch gebrauchten Werkzeuge, selbst die Leiter nicht ausgenommen, bedächtig wieder mitgenommen hatten.

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Zu Herscheid in der Grafschaft Mark hat sich wieder ein trauriges Beispiel unvorsichtiger Behandlung von Schießgewehren ereignet. Ein nach langer Abwesenheit zurückgekehrter Mann wollte nämlich (nach seiner Angabe) ein Doppelgewehr reinigen und die Hagelschüsse aus den Läufen ziehen. Unterdessen sieht er eine Elster im Hofe sitzen und eilt hinaus, sie zu schießen. Ins Haus zurückgekehrt, will er den ausgeschossenen Lauf mit einem sogenannten umwickelten Putzstock ausputzen, dieser aber klemmt sich fest. Um ihn herauszubringen, ruft er den Hausherrn, einen rüstigen Mann von 47 Jahren zu Hilfe, und während dieser Beistand leistet, geht der Schuss des anderen Laufs los, zerschmettert der anwesenden Frau sämtliche Finger der linken Hand und fährt dem Hausherrn dergestalt in den Unterleib und teilweise in den rechten Arm, dass er in Folge dieses Schusses den Geist aufgab. Der Verstorbene hinterlässt eine Witwe mit vier unmündigen Kindern.

Aus Berlin berichtet man: Unsere oft besprochene Manie, der großen Ladenspiegelscheiben hat vorkurzem hier unter den Linden einen tragikomischen Stoß erlitten. Ein Bedienter geht in ein Kleidermagazin, dessen Eingangstür auch durch eine solche große Spiegelscheibe gebildet wird, und lässt seinen Hund, einen mächtigen Packer, draußen. Dieser erblickt seinen Begleiter drinnen, empfindet vielleicht lange Weile, kurzum resolviert sich kurz und setzt mitten durch die Scheibe in den Laden hinein. Nach den hiesigen sehr gesunden Polizeigesetzen darf der Ladenbesitzer keine andere Entschädigung als für eine gewöhnliche Scheibe beanspruchen, sein Verlust mag aber einige fünfzig Thaler betragen, die also auf Handlungsunkosten geschlagen, d. h. dem kaufenden Publikum allmählich schlecht geschrieben werden müssen.

Eine schon mehr vorgekommene Niederträchtigkeit ist vorkurzem auch in Meiningen begangen worden. Ein Mensch, der sich im Gasthof für einen Bäcker aus Neustadt a. d. Saale ausgab, und der für seinen Bruder eine Haushälterin suchte, hatte ein Mädchen aus Sonneberg als solche gedungen und war mit demselben, welches viele Kleidungsstücke und Wäsche bei sich hatte, nach Ostheim gereist, wo er aber am folgenden Morgen mit der sämtlicher Habe des armen Mädchens verschwunden war. An demselben Tage Abends traf er wieder in Meiningen ein, verkaufte daselbst einen Teil der Kleidungstücke unter dem Vorgeben, dass sie von seiner kürzlich verstorbenen Frau wären, an eine Trödlerin und machte sich dann wieder auf und davon.

Aus Königsberg berichtet man: Für das hiesige Militär werden die Stiefel und Schuhe mit Ausnahme des Oberleders nicht mehr mit Pechdraht, sondern dadurch gefertigt, dass die Sohlen lediglich mit hölzernen Nägeln an das Oberleder befestigt werden. Die Sohlen sind haltbarer, die Anfertigung erfordert weniger Zeit und die Kosten sind geringer. (Die Maschinenbauanstalt von Neukrantz in Berlin ist seit mehreren Monaten mit der Anfertigung von Maschinen für diese Art des Besohlens beschäftig.)

Ein sonderbares Naturereignis (sagen französische Blätter) hat die Gemeinte St. Pierre im Oisedepartement in Bestürzung gesetzt. Zwei Kinder sind durch eine Wasserhose den Augen ihrer Eltern entführt worden; man hat sie zwei Meilen in der Runde gesucht, ohne bis jetzt ihre Spur gefunden zu haben. Man fürchtet, dass sie in die Oise geworfen worden seien.

Zwischen der Insel Sylt und dem Festland, von Schleswig hat sich ein Walfisch in einer sogenannten Rinne gefangen und kann nicht wieder heraus. Den in dieser Gegend noch nie gesehenen Gast weiß man aber nicht, wie ihn töten, da man dort nicht darauf eingerichtet ist. Man hat es mit Kugeln versucht, die ihn aber nicht zu inkommodieren scheinen.

Aus Berlin berichtet man: Vorkurzem wurden Schiffer, welche mit ihren Fahrzeugen unfern Stralau liegen, um dort zu überwintern, gewahr, dass in der Kajüte eines Kahns ein Schiffer und ein Frauenzimmer in einem sehr kläglichen Zustande lagen und ihr baldiges Ableben wohl zu befürchten stände. Man begab sich sofort nach dem bezeichneten Orte, eröffnete gewaltsam die von Innen verriegelte Kajüte und atmete in derselben eine wahrhaft mephitische Luft ein, so dass die zuerst Eingetretenen sogleich vomieren mussten. In dem Ofen fand man noch glühende Kohlen. Nachdem man eilig das Fenster geöffnet und Licht herbeigebracht, sah man die beiden erwähnten Menschen fast schon mit dem Tode ringend. Der Beamte und der ebenfalls herbeigeeilte Arzt ordneten nun, da man in dem engen Raum, der immer noch mutmaßlich mit Kohlendampf angefüllt war, nicht beginnen konnte, den Transport der beiden Verunglückten zunächst nach der Stralauer Torwache an, wo nun von zwei Ärzten und anderen Personen mit größter Anstrengung und Menschenfreundlichkeit die Rettungsversuche bis in die Nacht hinein unausgesetzt betrieben wurden. Diese blieben auch nicht unbelohnt; das Mädchen erhielt ihre Besinnung zuerst wieder, später zeigten sich auch Spuren der Besserung bei dem Manne; beide befinden sich jetzt in einer Heilanstalt, wo man Hoffnung hegt, sie gänzlich wiederherzustellen.

Zu Anfange dieses Monats waren die Bewohner des unweit Elbing gelegenen Dorfes Groß Sevkop nicht wenig erstaunt, als sie auf ihrer Feldmark eine Menge - Augenzeugen versichern, etwa zwanzig, andere 300 — Störche gewahr wurden, welche dort Nahrung suchten. Auch in unserer Niederung sind in der letzten Woche an verschiedenen Orten Störche gesehen worden.

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