Schwerin, den 16. Februar 1825 – Diplomaten aus Frankreich, Schweden und Russland am Hof - Theater-Kritik

Aus: Freimütiges Abendblatt, Band 8 (1826)
Autor: Redaktion - Freimütiges Abendblatt, Erscheinungsjahr: 1826
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg, Schwerin, Diplomaten, Theater
m 8ten traf der neue Königl. Französische außerordentliche Gesandte und bevollmächtigte Minister am hiesigen Hofe, Hr. Chevalier Rour de Rochelle, hier ein, überreichte am 9ten unserem Allerdurchlauchtigsten Großherzoge sein Beglaubigungsschreiben und reiste am 11ten nach Neustrelitz ab.

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An demselben Tage traf der bisherige Königl. Schwedische Ministster-Resident, jetziger außerordentlicher Gesandte und bevollmächtigter Minister, Hr. Chevalier von Signeul hier ein; überreichte am 12ten sein Beglaubigungsschreiben, und reiste vorgestern ebenfalls nach Neustrelitz ab.
Der Kaiserl. Russische Staatsrat und Kammerherr d’Obréscoff, der schon früher in Ludwigslust unserm Allerdurchl. Großherzog das Notifikationsschreiben von der Thronbesteigung Sr. Maj. des Kaisers Nikolaus überreicht hatte, traf am 6ten auf der Rückkehr von Oldenburg über Hamburg hier ein, verweilte bis zum 11ten und ging dann nach Ludwigslust ab.
Das Theater gab uns am 7ten: „Verlegenheit und List“ und „Bär und Bassa“; am 8ten: „Joseph in Ägypten“. Ref. war beiden Vorstellungen beizuwohnen behindert. Hr. Schmidt soll als Marokko besser gewesen sein, wie im vorigen Jahre, dagegen soll er als Knirps wieder etwas stark aufgetragen haben.
Am 10ten „Toni“ und „Sieben Mädchen in Uniform“. Das erste Stück ward nur durch das Spiel der Dem. Riese einigermaßen gehalten, Mad. Brede war als Babeckan sehr heiser, und Hr. Engelken als Gustav etwas steif; mehrere kleine Versehen auf dem Theater trugen dazu bei, das Publikum zum Lachen zu erregen, und so kam es denn wohl, dass das Stück, welches sonst wahrhaft ergreifende Stellen hat, kalt ließ. Die uniformierten Sieben exerzierten und manövrierten ganz allerliebst; besonders zeigte Dem. Riese als Korporal eine echt militärische Haltung. Das Stück selbst ist eine heitere Fastnachtsposse, die auf dem französischen Theater, mit französischer Leichtigkeit dargestellt, gewiss viel Glück gemacht hat, da sie ganz den französischen Charakter an sich trägt; in der deutschen Bearbeitung erscheint der Witz mitunter etwas weit hergeholt, indessen ist die äußere Ausstattung von der Art, dass das Stück wohl immer noch eine Zeitlang sein Publikum finden wird. Passender möchte es erscheinen, wenn die verkleideten Sieben ihre Tornister mit in die Festung brächten, wie dies auf andern Theatern auch geschieht. Hier sollten sie zwar auf dem Packwagen nachkommen, man sieht aber nicht recht ein, wie dieser, bei der Wachsamkeit des Kommandanten, in die Festung gelangt, und wie also die Damen nachher zu ihrer weiblichen Kleidung kommen. Ref. Hörte von mehreren Seiten, dass Hr. Krampe, als Briquel, so sehr viele Verstöße gegen die deutsche Sprache gemacht habe; nur für diejenigen, die diese Äußerung machten, stehe hier die sonst überflüssige Bemerkung, dass dies zur Rolle gehört um am Ende den Witz: „wolle Ihr mich kurz treten“ anbringen zu können. Die sieben Mädchen wurden gerufen.

Am 12ten: „Nein“, eine Kleinigkeit, die den Vorzug hat nur kurz zu sein. Hierauf: „Nummer 777“. Hr. Peters nahm den Pfeffer zwar in einer etwas niederen Sphäre als früher Hr. Seidel, indessen erregte seine Darstellung allgemeines Lachen und fand verdienten Beifall; auch Hr. Schmidt war als Vorteil recht brav. Zum Schluss wurden die sieben Mädchen in Uniform wiederholt.
Am 13ten: „Die Rosen des Hrn. v. Malesherbes“ und „Pommersche Intriguen“, von C. Lebrün. Von dem letzten Stücke schien man sich nicht viel versprochen zu haben, denn das Haus war leer; allein wenn das Ganze auch den Anforderungen einer strengen Kritik nichl ensprechen möchte, so sind doch einzelne Charaktere, namentlich die Schwärmerin Isidore (Dem. Riese), das Berliner Kammermädchcn (Mad. Bachmann), der pommersche Bediente Hans (Hr. Peters), wenn gleich in einem etwas grellen Lichte, doch so treffend gezeichnet, dass sie so dargestellt, wie wir sie von den eben Genannten sahen, häufig eine wohltätige Erschütterung des Zwergfelles hervorbringen müssen. Auch Hr. Romberg B. und Hr. Bachmann verdienten als Sennfeldr, Vaier und Sohn, alles Lob. Dem. Helm hatte die Rolle der Mad. Brede übernommen, weil letztere erkrankt war; wir erkennen dies mit Dank an, und wollen uns daher keine Bemerkung über ihr Spiel erlauben. Hr. und Mad. Rehfeld aus Schleswig traten als Graf und Gräfin Silberschlag auf. Die Rollen sind zu unbedeutend, um nach dieser Vorstellung ein Urteil über dies Ehepaar fällen zu können, doch scheint Mad. Rehfeld allerdings Anstand zu besitzen.
Am 14ten: „Fanchon“ würde gewiss mehr gefallen haben, wenn Hr. Krampe den Abbé übernommen hätte, Hr. Peters möchte dann wohl der Rolle des Tapeziers gewachsen sein. Sonst ging die Vorstellung recht gut; Dem. Pühler und Hr. Adam (Fanchon und Eduard) wurden gerufen.
Über das Personale der Gesellschaft, so weit es zur Oper gehört, werden wir nächstens Gelegenheit haben, mehr zu sagen.
Schwerin, Theater

Schwerin, Theater

Schwerin - Altstadt 1842.

Schwerin - Altstadt 1842.

Schwerin - Amtsstraße 1839.

Schwerin - Amtsstraße 1839.

Schwerin - Dom.

Schwerin - Dom.

Schwerin - Neustadt.

Schwerin - Neustadt.

Schwerin - Paulstadt.

Schwerin - Paulstadt.

Schwerin - Schloßgarten.

Schwerin - Schloßgarten.

Schwerin.

Schwerin.