Rügensch-Pommersche Geschichten aus sieben Jahrhunderten. – I. Rügen 1168.

Aus der Landesgeschichte Mecklenburg-Vorpommerns
Autor: Fock, Otto Dr. (1819 Schwarbe auf Rügen-1872 Stralsund) Theologe und Historiker, Redakteur und Publizist, Erscheinungsjahr: 1861
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Pommern, Sitten und Gebräuche,
Dem Andenken des Herrn Prof. Dr. H. G. L. Kosegarten
und seiner Verdienste um heimische Sprache, Literatur und Geschichte in dankbarer Erinnerung gewidmet.
Die Entstehungsgeschichte der vorliegenden Schrift ist bald erzählt.

Während einer Periode jahrelangen Siechtums, wo in den freieren Zeiten das Lesen die einzige mir mögliche Tätigkeit bildete, fand ich die Muße für eine eingehendere Beschäftigung mit der Geschichte meiner speziellen Heimat, der Insel Rügen, wofür es mir früher während meiner akademischen und politischen Wirksamkeit in Schleswig-Holstein weniger an Neigung als an Zeit gefehlt hatte. Dabei drängte sich mir die Bemerkung auf, dass die genauere Kenntnis unserer Heimatlichen Geschichte ungleich weniger verbreitet ist, als sie es bei dem Interesse und der Wichtigkeit des Gegenstandes sein könnte und sein müsste.

Zum Teil wenigstens glaubte ich den Grund dieser Erscheinung in dem Mangel an Darstellungen finden zu müssen, die einen wirklich wissenschaftlichen Gehalt mit einer leicht ansprechenden Form vereinigten. Die urkundlichen Werke von Fabricius und Kosegarten — um von den älteren zu schweigen — so unschätzbar sie auch als grundlegende für den wissenschaftlichen Forscher sind, können doch ihrer Natur nach nicht geeignet sein, in größere Kreise zu dringen. Eigentliche Geschichtswerke aber, wie Bartholds zu sehr missachtete Geschichte von Rügen und Pommern oder Giesebrechts verdienstvolle Wendische Geschichten, behandeln die Geschichte Rügens nur als Teil eines größeren Ganzen, daher sich das speziell auf Rügen Bezügliche unter der Masse anderen Stoffes zersplittert. Zudem ist es nicht Jedermanns Sache, Werke von drei oder vier Bänden durchzulesen, in denen die geschlossene über einen längeren Zeitraum und über größere Ländermassen sich verbreitende Darstellung es notwendig mit sich bringt, dass neben den interessanteren Partien auch viel trockener historischer Stoff gebracht werden muss.

Unter diesen Erwägungen entstand in mir die Idee einer Darstellung, welche der Geschichte Rügens ein allgemeineres Interesse gewinnen könnte, als es bisher geschehen ist. Ich beschloss, aus dem geschichtlichen Gesamtverlauf der Ereignisse einzelne besonders interessante und hervorragende Partien heraus zu heben und sie im Zusammenhange der ganzen Zeit, der sie angehören, in einer für einen größeren Leserkreis zugänglichen Form zur Darstellung zu bringen. Jedes Jahrhundert seit dem Beginn unserer heimatlichen Geschichte sollte durch eine oder zwei solcher Darstellungen repräsentiert werden, deren jede übrigens ein in sich abgeschlossenes Ganzes zu bilden hätte. Tiefer eingehende Detailuntersuchungen sollten, wo sie notwendig erschienen, in die Form von Anhängen gebracht werden, um die Kontinuität der Erzählung nicht zu unterbrechen.

Sobald mein Befinden ein größeres Maß von Anstrengung gestattete, ging ich an die Ausführung jener Idee, und der erste Versuch dieser Ausführung ist es, den ich hiermit einem größeren Publikum vorlege. Von der Teilnahme, die er findet, sowie von dem ferneren Stande meiner Gesundheit wird es abhängen, ob und wann weitere Darstellungen dieser Art folgen werden.

Den allgemeinen Titel Rügensch-Pommersche Geschichten habe ich gewählt, weil es meine Absicht ist, in die Reihe meiner Darstellungen außer er Insel Rügen auch die angrenzenden Teile von Pommern hineinzugehen, deren Geschicke von jeher zu eng mit denen Rügens verknüpft gewesen sind, um sie von einander trennen zu können.
Schließlich habe ich noch die angenehme Pflicht zu erfüllen, Allen, die mich durch die Mitteilung von Büchern oder auf sonstige Weise unterstützt haben, namentlich dem Hrn. Prof. Dr. Zober, dem Hrn. Pastor Dr. Tamms, Dr. Kromayer und Prof. Dr. v. Gruber in Stralsund, sowie meinem Freunde dem Herrn Prof. Dr. Müllenhoff in Berlin meinen verbindlichsten Dank auszusprechen.

Zu ganz besonderem Dank endlich bin ich dem königl. Bauführer Herrn Knoche verpflichtet, der mit der zuvorkommendsten Bereitwilligkeit während seiner Anwesenheit auf dem Leuchtturm von Arkona die von mir gewünschten Messungen vornahm und den dieser Schrift beigegebenen Grundriss des alten Burgwalles anfertigte.

Die kleine Karte des alten Rügen habe ich zur Orientierung derjenigen Leser beigegeben, denen die Hagenow'schen Karten, oder die, welche Fabrcius seinem Urkundenwerk angehängt hat, nicht zur Hand sein sollten. Nur die in der Darstellung vorkommenden alten Namen sind aufgenommen; die eingeklammerten Namen sind neueren Datums.
      Schwarbe bei Altenkirchen auf Rügen, im April 1861.
            D. V.



                                          Inhalt

Einleitung
01. Die Wenden an der Ostsee
02. Berührungen mit Deutschland seit Karl d. Großen
03. Mit Dänemark und Polen
04. Allgemeiner Charakter des Kampfs
05. Das Wendentum um die Mitte des XII. Jahrhunderts. Christentum im Osten in Pommern, im Westen im Holsteinschen und Ratzeburgschen
06. Mecklenburg und Neu-Vor-Pommern und der Kreuzzug von 1147
07. Die Insel Rügen als Centrum Wendischer Macht
08. Die Bewohner, ihre Nationalität und Volkscharakter
09. Kulturzustände; Ackerbau, Viehzucht, Jagd, Fischfang
10. Strandrecht, Seeraub und Kriegszüge
11. Sitten und Gewohnheiten
12. Bevölkerungsanzahl, Ortschaften und Burgen
13. Volk, Adel und Königtum
14. Religion. Perun und andere Götter der Wenden
15. Der Swantewit auf Arkona und sein Kultus
16. Der Hohepriester des Swantewit, der Rival der Könige
17. Die Götter von Karenz: Rugiewit, Borwit, Porenutz
18. Feindseligkeit der Rügianer gegen das Christentum
19. Der Zug Erich Emuns gegen Arkona 1136
20. Letzte Zeiten Rügen'schen Glanzes
21. Änderung der politischen Konstellation. Kaiser Friedrich Barbarossa und Heinrich der Löwe. König Waldemar und Absalon von Rothschild
22. Waldemars vereitelter Wendenzug 1158
23. Zwei glücklichere Dänische Züge 1159. Die Rügianer geschlagen
24. Dombor, der Rügen'sche Diplomat, vergeblich in Dänemark
25. OffensivBündnis zwischen Waldemar und Heinrich dem Löwen
26. Koalitions-Feldzug von 1160 gegen Mecklenburg und Rügen
27. Friede von Schaprode
28. Kaiser Friedrich und König Waldemar zu St. Jean de Launes
29. Rügen'sches Hilfskorps mit Waldemar gegen Wolgast 1162
30. Die Rügianer zwischen zwei Feuern
31. Erschütterung und Erneuerung der Entente cordiale zwischen Waldemar und Heinrich. Koalitions-Feldzug von 1164 gegen Mecklenburg und Pommern
32. Die Rügen’sche Flotte stößt zu der Dänischen in Folge der Verhandlungen Absolons mit den Rügianern
33. Friedensschluss und geringfügige Resultate
34. Frühjahrs- und Herbst-Razzia der Dänen auf Rügen 1165
35. Frieden von Strela
36. Absalons Fastenzug gegen Triebsees
37. Zerwürfnis Waldemars und Heinrichs des Löwen: Aussöhnung auf Kosten der Wenden
38. Heinrich der Löwe restituiert Pribiszlaw in Mecklenburg. Mecklenburg christlich Rügen allein noch unabhängig und heidnisch
39. Koalition gegen Rügen. Vergeblicher Versuch der Rügianen, den Sturm zu beschwören
40. Landung der Verbündeten auf Rügen. Pfingsten 1168
41. Belagerung von Arkona begonnen
42. Die Örtlichkeit, wie sie ist und wie sie war.
43. Cernierung von Arkona
44. Wallbrand, Kampf und Kapitulation am 14. Juni
45. Übergabe der Festung, Vernichtung des Swantewit und Bekehrung Wittows zum Christentum 15. Juni
46. Expedition gegen Karenz, Kapitulation und Unterwerfungsvertrag der Fürsten von Rügen. Zerstörung des Götzendienstes und Begründung des Christentums
47. Zerwürfnis der Dänen mit Pommern und Mecklenburgern
48. Auslieferung der Tempelschätze an König Waldemar und Heimkehr der Dänischen Expedition
49. Schluss. Die Folgen der Katastrophe für Rügen. Christianisierung und Germanisierung unter politische-kirchlicher Abhängigkeit von Dänemark
50. Anhang
      01. Sankt Veit von Kornvei und die Insel Rügen
      02. Wenden oder Deutsch-Wenden?
      03. Die Zahl der Bevölkerung Rügens im 12. Jahrhundert
      04. Über die Zuverlässigkeit der Knytlinga-Saga
              in Rügensch-Pommerschen Dingen
      05. Ein Zug nach „Analöng“. Der Hafen Por. Parez und       Gard
      06. Das Jahr der Eroberung
Kosegarten, Ludwig Gotthard Dr. (1758 Grevesmühlen-1818 Greifswald) Theologe, Historiker, Professor an der Universität Greifswald, Dichter und Publizist

Kosegarten, Ludwig Gotthard Dr. (1758 Grevesmühlen-1818 Greifswald) Theologe, Historiker, Professor an der Universität Greifswald, Dichter und Publizist

Strandpredigt auf der Insel Rügen (1864 von W. Riefstahl) - Ludwig Kosegartens Uferpredigten

Strandpredigt auf der Insel Rügen (1864 von W. Riefstahl) - Ludwig Kosegartens Uferpredigten

Uferpredigt bei Vitt (Theodor Schwarz)

Uferpredigt bei Vitt (Theodor Schwarz)

Stralsund, Semlowertor

Stralsund, Semlowertor

Arkona, Leuchtturm

Arkona, Leuchtturm

Stralsund, Jakobiturmstraße und Jakobikirche

Stralsund, Jakobiturmstraße und Jakobikirche

Stralsund, Kniepertor

Stralsund, Kniepertor

Stralsund, Rathaus

Stralsund, Rathaus

Arcona

Arcona

Greifswald

Greifswald

Kleine Stubbenkammer auf Rügen

Kleine Stubbenkammer auf Rügen

Ruinen des KLosters Eldena

Ruinen des KLosters Eldena

Schloss Puttbus auf Rügen

Schloss Puttbus auf Rügen

Stralsund vor der Alten Fähre

Stralsund vor der Alten Fähre

Vitte bei Arcona

Vitte bei Arcona

Ostseebad Binz auf Rügen

Ostseebad Binz auf Rügen

Ostseefischer

Ostseefischer

Kreidefelsen auf der Insel Rügen

Kreidefelsen auf der Insel Rügen

Insel Rügen - Königsstuhl

Insel Rügen - Königsstuhl

Stralsund, Jacobi-Kirche

Stralsund, Jacobi-Kirche

Stralsunder Hafen

Stralsunder Hafen

Ausfahrt der Ostseefischer

Ausfahrt der Ostseefischer