Rügensch-Pommersch Geschichten aus sieben Jahrhunderten (Rezension)

III. Die Zeit der Deutsch-Dänischen Kämpfe im 14. Jahrhundert bis zum Frieden von Stralsund 1370
Autor: Fock, Otto Heinrich Friedrich (1819-1872) deutscher Theologe und Historiker, Erscheinungsjahr: 1865
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Pommern, Mittelalter, Hansa, Hansabund, Hansastädte, Lübeck, Wismar, Rostock, Stralsund, Greifswald
Die beiden ersten Teile dieses vortrefflichen Werkes sind schon früher, nämlich in den Jahren 1861 und 1862 erschienen. Der erste Teil behandelt Rügen, der zweite Greifswald und Stralsund im Jahrhundert der Gründung. Dieser 3. Teil gewährt dadurch ein großes Interesse, dass er 1) das Scheitern der dänischen Versuche darstellt, durch welche die Herrschaft dieses Volkes im Südwesten der Ostsee befestigt werden sollte und 2) das erste Eingreifen Brandenburgs und sein Auftreten gegen Dänemark zeichnet.

*************************************
Am Anfange des 14. Jahrhunderts regierte in Dänemark der tüchtige König Erich Menved und benutzte die Streitigkeiten der wendischen Fürsten mit den deutschen Städten, um die beiden feindlichen Parteien unter seine Oberhoheit zu beugen. Fünf Städte hatten sich vereinigt, um sich gegenseitig zu schützen, nämlich Lübeck, Wismar, Rostock, Greifswald und Stralsund. Lübeck wurde zuerst lahm gelegt, dann Wismar und Rostock besiegt, Greifswald verhielt sich neutral und nur Stralsund vertrat kräftig die städtischen Interessen. Wenn auch im Innern Anfangs Zwistigkeiten zwischen dem Rache und den Zünften statt fanden, so wurden dieselben doch auf friedlichem Wege ausgeglichen. So lange dieselben herrschten, war Stralsund schwach; nach der Versöhnung beider Parteien trat jedoch die Stadt mit Entschiedenheit gegen ihren Lehnsherrn, den Fürsten Wizlaw III von Rügen auf. Dieser fand Hilfe bei König Erich und bei einer Anzahl von norddeutschen Fürsten, die ein gemeinschaftliches Interesse daran hatten, die Städte zu demütigen.

Die deutschen Kaiser haben sich um diese Gegenden wenig gekümmert, ja sogar die Interessen des Reiches oft selbst den Dänen geopfert.

Da, in dieser gefährlichen Lage der Dinge, nahm sich Markgraf Waldemar von Brandenburg des deutschen Interesses an und verbündete sich mit Stralsund. Nach manchen Schwankungen der Politik begann der Krieg im Jahre 1316. Stralsund leuchtet in ihm durch Tapferkeit hervor; zweimal wurde es 1316 belagert und beide Male siegte es. Der Markgraf Waldemar dagegen kämpfte unglücklich gegen Mecklenburg. Alle Teile schlossen deshalb im Jahre 1317 Frieden. Dadurch gewann am meisten Stralsund, indem Wizlaw von Rügen den Bürgern die wichtigsten Privilegien bestätigen und in seiner Finanznot neue verkaufen musste. — Im Jahre 1319 starb König Erich und Markgraf Waldemar. Der Tod der beiden Fürsten gab das Signal zum Ausbruch lang dauernder Streitigkeiten in beiden Ländern und befreite die Stralsunder von der Angst vor diesen Mächten. Bald nach ihnen sank im Jahre 1325 Wizlaw von Rügen ins Grab. Mit ihm starb die alte Rügen’sche Fürstenfamilie aus und die Mecklenburger versuchten nun die eröffneten Lande für sich zu erwerben. Aber die Rügensch-Pommerschen Städte widersetzten sich diesen Versuchen, schlugen die Mecklenburger mehrmals, so dass im Jahre 1328 durch den Frieden von Brodersdorf das Land der Dynastie von Pommern Wolgast gesichert blieb.

Mit diesem Friedensschluss trat nun eine Zeit der Ruhe ein, in welcher die Hansestädte zu hoher Blüte gelangten. Der Verfasser betrachtet zunächst die Entwicklung der Stadt Stralsund und weist nach, wie in dieser Friedenszeit die demokratische Fortbildung der Verfassung nicht nur aufhörte, sondern dieselbe sogar eine aristokratische Umgestaltung sich gefallen lassen musste.

Die Macht konzentrierte sich immer mehr in den Händen des Rates und des Bürgermeisters. Dabei blühte namentlich der Heringshandel und förderte den Wohlstand der Bürger. Was hier der Verfasser uns in kurzen Zügen zeichnet, das gibt das bekannte Werk von Theodor Hirsch: der Handel Danzigs unter dem Orden in ausführlicheren Bildern. Dieser zweite kulturgeschichtliche Teil des Bandes schließt mit der Angabe, dass die wendischen Städte damals die Seele des Hansebundes waren. Den Beweis für diese Behauptung bringt dann die dritte Abteilung des vorliegenden Buches. —

Durch den Grafen Gerhard von Holstein war Dänemark bedrängt und der deutsche Einfluss dort weit und breit zum Siege gebracht worden; dies Alles änderte sich, als im J. 1340 Waldemar IV Attertag, der letzte Spross aus dem Hause des Svend Estritsons, auf den dänischen Thron gelangte.

Zunächst ordnete er sein zerrüttetes Reich, indem er den deutschen Einfluss zurückdrängte, Schonen eroberte und Jütland demütigte. So lange er diese Pläne noch nicht durchgefühlt hatte, wusste der gute, aber treulose König sich mit den Hansestädten gut zu stellen; so wie er aber nach 20 Jahren sich Macht erworben, da achtete er die Privilegien nicht mehr, welche er selbst den Städten bestätigt hatte. Er brach im Jahre 1361 los und eroberte das reiche, schöne Wisby. Seitdem ist diese Stadt nie wieder zu ihrer früheren Blüte gelangt und zeigt uns heute noch in ihren öden Straßen die Reste längst vergangener Pracht. Dieser Schlag rüttelte die Städte auf; sie schlossen noch im Herbste desselben Jahres eine Konvention zu Greifswald, verbündeten sich mit dem Könige von Schweden und Norwegen und begannen im Jahre 1362 den Krieg mit einer großen maritimen Expedition. Am schlechtesten benahmen sich dabei die Preußischen Städte. Die Expedition scheiterte; Waldemar blieb Sieger und gönnte erst 1365 den bittenden Bürgern die Wohltat des Friedens zu Nyköping, Aber der Dänenkönig benutzte sein Übergewicht im Übermaß, so dass im Herbste 1367 zu Cöln die Hansestädte sich gegen ihn verbündeten und auch Schweden, Holstein und Mecklenburg für sich gewannen.
Waldemar lebte in unbegreiflicher Verblendung; er rüstete nicht und als nun im Jahre 1368 der Krieg begann, floh er nach Norddeutschland und überließ sein Reich sich selbst. Die Hansa eroberte Kopenhagen, Helsingborg und verwüstete Norwegen. Die dänische Geistlichkeit und der Adel schlossen Frieden ohne ihren König im J. 1370 und wiewohl die Bedingungen desselben die Macht der Hansa sicherten, musste Waldemar 1371 beistimmen und gewissermaßen sein Todesurteil bestätigen. Er starb zerbrochen und machtlos im Jahre 1375. — Die Hansa aber stand auf der Höhe ihrer Macht. Damit schließt diese interessante Arbeit, welche im Anhange noch eine Reihe merkwürdiger Urkunden gibt.
Greifswald

Greifswald

Stralsund vor der Alten Fähre

Stralsund vor der Alten Fähre

Greifswald Stadtansicht

Greifswald Stadtansicht

Lübeck Das Holstentor

Lübeck Das Holstentor

Rostock Stadtansicht

Rostock Stadtansicht

Stralsund Stadtansicht

Stralsund Stadtansicht

Wismar, Stadtansicht

Wismar, Stadtansicht

Die Plünderung Wisbys

Die Plünderung Wisbys

Hanse Kogge

Hanse Kogge

Hansewappen

Hansewappen

Wirtshausszene in der Hansezeit

Wirtshausszene in der Hansezeit