Rostock - Die St. Petri-Kirche zu Rostock. - Kleinkunstwerke von Metall - Kelche

Aus: Die Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin. I. Band
Autor: Lisch, Georg Christian Friedrich (1801 Strelitz - 1883 Schwerin) Prähistoriker, mecklenburgischer Altertumsforscher, Archivar, Konservator, Bibliothekar, Redakteur, Heraldiker und Publizist (Freimaurer), Erscheinungsjahr: 1898

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Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin, Amtsgerichtsbezirk Rostock, Hansestadt, Denkmäler, Bauten, Architektur, Kirchen, Kirchenmobiliar, Renaissance, Barock, Rokoko, Klassizismus, Denkmalsschutz, Geschichte, Geschichtsdenkmäler, Regionalgeschichte, Landesgeschichte, Stadtgeschichte, Kirchengeschichte, Marienkirche
1. Der kleinste Kelch hat einen runden Fuß. Sein Signaculum ist eine Christus -Gestalt ohne das Kreuz. Die Basis ist von einem Kranz erhaben gearbeiteter Vierpässe umzogen. Auf der Unterseite des Fußes ist das Zeichen der Kirche, ein Schlüssel, eingeritzt, außen auf der Oberfläche des Fußes steht „St. Petri 1831“. Die an den Rotuli des Knaufes angebrachten Majuskeln sind bei einer späteren Restaurierung versetzt. Die Cupa läuft nach unten eiförmig aus. Ohne Gewerkzeichen.

Alt-Hauptbuch der Petri-Kirche fol. 199 B: „Help Got unt Maria. An. Dni. MCCCCXCVI. in deme Pynxten. Gade to Lave vnd Marien to Denste, so hebbe ik Märten Horler, vnd Metteke min Hußfrouwe geven den forgulden Kallyck, de woch XXIX. Lot, de schal denen des Sünnafendes to unser leven Frouwen Myssen, vnd fort to GadesDenste in der Kerken to Sünte Peter. Und wor des Behof ys to eewygen tyden hyr by to blyven, alzo forscreven steyt, dyt hebbe wy Forstender gelovet Marten Horler und syner Hußfrouwen for unß vnd unse Nakamelynge dyt aldus to holdende, alzo wor screven steyt, Got vnd de Mader Gades vnd de lewen Apostel Gades sunte Peter vnd Pawel, de gheve an hyr for de eewyghen Salycheit, Amen“. Vgl. Rost. Etw. 1747, S. 45. — Diese Kirchenbuch-Nachricht wird sich auf den vorstehenden Kelch beziehen. Es sind ihr weitere Mitteilungen über andere kostbare Kleinodien angeschlossen, die es heute nicht mehr gibt. Die Petri-Kirche besaß damals u. a. nicht weniger als neun vergoldete Kelche. (R.-A. Crull).

2. Desgleichen, etwas größer. Derselbe hat einen sechseckigen Fuss, dessen Basis von Rundpässen in durchbrochener Arbeit umzogen ist. Auf der Oberfläche des Fusses ringsum ein Inschriftstreifen, der an den Ecken durch herzförmige kleine Schilder unterbrochen ist. Sie lautet:

Die sechs ziemlich steil aufsteigenden Seiten des Fußes sind mit leicht über den schraffierten Grund vortretendem Laubwerk in spätgotischer Bildung verziert. Die sechs Seiten der beiden Annuli des Schaftes sind wie zweiteilige Fenster gestaltet. Der gedrückte Knauf zeigt dieselben Motive. Die Rotuli des Knaufes enthalten die Minuskeln i h e s v s. Auf der Unterseite des Fußes ist der Schlüssel Petri eingeritzt.


3. Desgleichen, aber bedeutend größer als die vorhergehenden. Der Fuß ist als Sechspass geformt und mit eingravierten Figuren geschmückt: Christus am Kreuz, rechts davon Johannes, durch ein großes lateinisches I noch näher bezeichnet; ihm folgt Petrus mit P und E, darauf Bartholomäus mit Buch und Hellebarde, ohne Buchstaben , dann Andreas mit Buch, Kreuz und A; zuletzt, links vom Gekreuzigten, Maria mit einem M. Der Knauf, dessen Zapfen abwechselnd rund und viereckig sind, ist mit Halbedelsteinen geschmückt. Der obere Ring hat auf jeder seiner sechs Seiten zwei Schlitze. Die hohe, oben fast gradwandige Schale ist unten halbkugelförmig. Unterhalb des am Fuße eingravierten Kruzifixus ist am äußersten Ende des Randes das Stadtzeichen r und das Meisterzeichen H H eingeschlagen (Hans Hornemann). Auf der Unterseite des Fußes läuft um den Rand eine Inschrift: DIESER • KELCH • IST • VERVERTIGET • ANNO •1619 • VND SEIND • PREDIGER • ZV • S • PETER • GEWESEN • M • ANDREAS • DVNCKER • H • H • CHRISTIANVS MICHAELL • VORSTEHER • JOCHIM • WITTINCK • ALBERECHT • STECHOW • BAWHR CLAWES • TIDEMANN • Außerdem ist das Gewicht mit „64 Lodt“ angegeben.


4. Desgleichen, ungefähr ebenso hoch wie der vorige. Den Fuß bildet ein Sechspass. Die sechs Seiten des Schaftes sind glatt und ohne Zierrate ober- und unterhalb des Nodus. Dieser ist mit eingravierten Blättern und in Rotuli mit hervortretenden vierblättrigen Blumen verziert. Die Cupa nähert sich fast der Halbkugel. Am Rande des Fußes das Stadtzeichen r und das Meisterzeichen H. S. B. (Hinrich Steffen Bornemann). Auf der Unterseite des Fußes die folgende Inschrift: ANNA • SOPHIA • HÖPPEN GEBOHRNE KNESEBEKE HAT DIESEN KELCH AUS • LIEBE • ZU GOTT DER KIRCHEN • ZU • ST • PETRI • GESCHENCKT ANNO 1713.

5. Desgleichen, so hoch wie die unter 3 und 4. Der Fuß ist achtseitig. Der Knauf ist rund und von einem mehrfach gegliederten Ringe Mitte umzogen. Die Cupa ist halbkugelförmig. Am Rande unten das Rostocker Stadtzeichen in Form eines großen lateinischen R und das Meisterzeichen D H (Daniel Halbeck). Auf der Unterseite des Fußes ist die Angabe einpunktiert: WIEGET MIT DER ABLAT TELLER 69 1/2 L. AN 1757.

6 — 10. Die kleine Patene zum ersten Kelch zeigt auf der unteren Seite das Stadtzeichen in Form eines gotischen r und das Meisterzeichen I M (Jürgen Müller). Die Patenen zu Nr. 2 und 3 sind ohne Meisterzeichen. Die Patenen zum vierten und fünften Kelch haben dieselben Gewerkzeichen, womit ihre Kelche gestempelt sind.
Schlie, Friedrich Dr. (1839-1902) Professor, Archäologe und Kunsthistoriker, Direktor der Großherzoglich-Schwerinschen Kunstsammlungen

Schlie, Friedrich Dr. (1839-1902) Professor, Archäologe und Kunsthistoriker, Direktor der Großherzoglich-Schwerinschen Kunstsammlungen

Rostock. 120 St. Petri-Kirche Kelch (2)l

Rostock. 120 St. Petri-Kirche Kelch (2)l

Rostock. 121 St. Petri-Kirche Kelch (3)l

Rostock. 121 St. Petri-Kirche Kelch (3)l

Rostock. 121 St. Petri-Kirche Kelch (4)l

Rostock. 121 St. Petri-Kirche Kelch (4)l