Rostock - Die St. Marien-Kirche - Inschriften von 1398 und 1399

Aus: Die Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin. I. Band
Autor: Schlie, Friedrich Dr. (1839-1902) Professor, Archäologe, Kunsthistoriker, Museumsdirektor und Hofrat, Erscheinungsjahr: 1898

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Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin, Amtsgerichtsbezirk Rostock, Hansestadt, Denkmäler, Bauten, Architektur, Kirchen, Kirchenmobiliar, Renaissance, Barock, Rokoko, Klassizismus, Denkmalsschutz, Geschichte, Geschichtsdenkmäler, Regionalgeschichte, Landesgeschichte, Stadtgeschichte, Kirchengeschichte, Marienkirche, Inschriften
Von den nachfolgenden vier Minuskel Inschriften auf steinernen Platten befinden sich zwei auf der südlichen Außenwand der Kirche, zwei im Innern derselben. Sie beziehen sich auf den großen Umbau der alten Hallenkirche von St. Marien in eine Kreuzkirche sowie auf den siebenjährigen Ablass, den Papst Bonifaz IX. zu Gunsten dieses Neubaus 1399 im elften Jahr seiner Regierung erließ. Bonifaz IX. regierte von 1389 bis 1404.

Die erste, draußen auf der Südseite der Kirche, unmittelbar rechts (östlich) von dem Portal im Querschiff, lautet:



Vergl. K. E. H. Krause, die Jahreszahlverse am Südportal der Marienkirche in Koppmanns Beitr. z. Gesch. d. Stadt Rostock II (1892), S. 75 ff. Dort eine gute Erklärung und Übersetzung dieser sonderbaren Inschrift, deren erste sieben Verse leoninische Hexameter sind. Nach unserer Meinung reicht übrigens die Erzählung bis zu relegit, und von „quem paris“ an folgt dann eine Anrede und Bitte. Die Übersetzung müsste darnach, mit geringer Abänderung der von Krause gegebenen, folgendermaßen lauten: Acht Schlangen halten, wie üblich, ihre Schwänze — sie verbinden mit dreifachem Tau (in) drei Hufeisen unter Beigabe eines Kreuzes mit dem Neumond also 1398), im Zeitlauf das Licht heraufzubringen für das Gregoriusfest, — sie bezeichnen, wie in der Fastenzeit Gregorius (12. März 1398) die Kirche niederbrach und Georg (23. April 1398) sie neu errichtete.

Deinem Sohne bist Du, Maria, Du Vorbild unseres Lebens eine Kirche. Sorge Du, dass in unsere Gebete erhört werden. Erinnere daran, dass durch Deinen Rat, durch Deiner Überredung Mühe, durch Dein Verdienst, o Rose, wir die seinen sind. Indem er das Seine nimmt gebe er himmlischen Lohn.

Betet für den Dichter. Es erscheint übrigens fraglich, ob der geschmacklose Dichter — gewiss Henning Wacholt, der damalige Rektor von St. Marien, der den päpstlichen Ablass bewirkte.

Die zweite, ebendaselbst, aber links (westlich) von dem Portal im Querschiff, lautet:



Die Inschrift, am Pfeiler der Kanzel:



Die vierte Inschrift befindet sich an dem Pfeiler, der nach Osten folgt:



Die beiden letzten Inschriften sind dem vom Südportal her Eintretenden sofort sichtbar. Ein Vergleich der Steinmetzarbeiten zeigt, dass alle vier Inschriften von derselben Hand gearbeitet sind. Sie sind im vorigen Jahrhundert öfter abgedruckt und Kommentiert worden, z. B. im Rost. „Etwas“ 1739) S. 519 ff., 679 ff. — Schröder, Pap. Mecklenb. 1741, S. 1644, 1678. — Wöchentl. Rost. Nachr. u. Anz. 1754, S. 186 — 189. — Franck, alt. u. neues Mecklenb. VII, 1754, S. 84. — Niehenck, in den Gemeinnütz. Aufs, aus d. Wiss. f. alle Stände z. d. Rost. Nachr. 1777, S. 83 ff., 95 ff., 113 ff. 152 ff. Indessen ist die dritte größere Inschrift in der Mitte und am Schluss immer nur lückenhaft gelesen worden.

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Schlie, Friedrich Dr. (1839-1902) Professor, Archäologe und Kunsthistoriker, Direktor der Großherzoglich-Schwerinschen Kunstsammlungen

Schlie, Friedrich Dr. (1839-1902) Professor, Archäologe und Kunsthistoriker, Direktor der Großherzoglich-Schwerinschen Kunstsammlungen

Rostock - Markt, Marienkirche und Blutstraße

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Hansestadt Rostock - Stadtansicht

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Rostock. 013 Marienkirche, Giebel des südlichen Querschiffs

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Rostock. 018 Marien-Kirche, Inschriften

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Rostock. 019 Marien-Kirche, Inschriften (3)

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Rostock. 019 Marien-Kirche, Inschriften

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Rostock. 020 Marien-Kirche , Inschriften (4)

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