Rostock - Die St. Marien-Kirche - Astronomische Uhr

Aus: Die Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin. I. Band
Autor: Schlie, Friedrich Dr. (1839-1902) Professor, Archäologe, Kunsthistoriker, Museumsdirektor und Hofrat, Erscheinungsjahr: 1898

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Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin, Amtsgerichtsbezirk Rostock, Hansestadt, Denkmäler, Bauten, Architektur, Kirchen, Kirchenmobiliar, Renaissance, Barock, Rokoko, Klassizismus, Denkmalsschutz, Geschichte, Geschichtsdenkmäler, Regionalgeschichte, Landesgeschichte, Stadtgeschichte, Kirchengeschichte, Marienkirche
Angelehnt an die Rückseite des Hochaltars und somit in Vorderansicht nach Osten gewendet und der Mittelkapelle des Chorumganges gegenüber gestellt, tritt dem Beschauer ein kompliziertes großartiges astronomisches Uhrwerk entgegen, mit reicher Holzschnitzerei im Stile der Spätrenaissance. Es ist in zwei Stockwerken aufgebaut.

Eine gedruckte Beschreibung vom Geh. Kommerzienrat Mann ist 1885 herausgegeben. Nach zwei Tafeln, von denen die eine rechts, die andere links vom Gehäuse sich befindet, ist die Uhr 1643 von dem Rostocker Uhrmacher Laurentius Burchard verfertigt, während das Gehäuse von drei Meistern, dem Tischler Michel Grote, dem Bildschnitzer Andreas Brandenburg und dem Maler Karl Wilbrandt hergestellt wurde. Im übrigen ist zu beachten, dass auf der Scheibe ein Bildnis des Ratsherrn Zacharias Sebes († 1650) vorhanden ist. Dieser war ehemals Offizier in Wallenstein’schen Diensten und als Mathematiker und Astrologe bekannt. Seit 1638 war er Ratsherr in Rostock. Es ist deshalb anzunehmen, dass er der eigentliche Urheber des Werkes war, und Burchard es nach seinen Angaben herstellte. 1710 fand eine Erneuerung statt, wozu Hinrich Hoppe die Mittel gab. 1745 wurde der zu Ende gegangene Kalender von dem Professor der Mathematik Johann Hermann Becker berechnet und darnach durch den Uhrmacher A. Schönfeld auf 140 Jahre prolongiert. Als Mitwirker werden genannt die Malermeister Haack und Wagener. 1885 ward das Uhrwerk nach 50jährigem Stillstande und, nachdem es vielfach beschädigt worden war, von dem jetzigen Hof-Orgelbauer C. Börger wiederhergestellt. Die neue Bemalung stammt von dem Malermeister H. Jenssen.

— Am 26. Ostober 1472 bewilligte Bischof Werner von Schwerin und Bischof Michael von Simbalium allen, die den Bau der Marien-Kirche, besonders die Vollendung der kupfernen Bedachung und der neuen Uhr durch Spenden fördern, vierzigtägigen Ablass. Vgl. Schröder, pap. Mecklenburg, S. 2.238. Hofmeister, M. Jahrb. LVI, B. 2, S. 3. Dass mit diesem horologium novum das komplizierte Uhrwerk hinter dem Altar gemeint ist, leuchtet ein, wenn man seine äußeren Bestandteile schärfer prüft. Die vier Evangelisten-Symbole der oberen Tafel, desgleichen ihr Zahlenring und die beiden Bilderringe, ebenso die Eckfiguren und der Bilderring der unteren Tafel, sind offenbar (man sehe den Kunststil in allen Einzelheiten und besonders die Haltung der Körper, den Ausdruck der Gesichter und die Gewandung) Bestandteile des älteren Horologiums aus dem XV. Jahrhundert. Übrigens führt auch die eine der Inschriften an den Pfeilern seitwärts vom Uhrwerk darauf hin, dass der meister der Spätrenaissance, Lorenz Burchardt, nicht der erste Erfinder ist. Sie lautet: Anno 1643 ist solches Uhrwerk verfertigt und ersetzt . . . . Über den Anteil Jacob Varmeyers (der bekanntlich zum Mörder des Kaiserl. Obersten Hatzfeldt wurde) an der astronomischen Uhr siehe Ungnaden Amoenitates, S. 1240. Rost. Etw. 1738, S. 741, 1743, S. 81 ff., 175 ff.
Schlie, Friedrich Dr. (1839-1902) Professor, Archäologe und Kunsthistoriker, Direktor der Großherzoglich-Schwerinschen Kunstsammlungen

Schlie, Friedrich Dr. (1839-1902) Professor, Archäologe und Kunsthistoriker, Direktor der Großherzoglich-Schwerinschen Kunstsammlungen

Rostock. 030 Marienkirche, Astronomische Uhr, obere Hälfte

Rostock. 030 Marienkirche, Astronomische Uhr, obere Hälfte

Rostock. 030 Marienkirche, Astronomische Uhr, untere Hälfte

Rostock. 030 Marienkirche, Astronomische Uhr, untere Hälfte