Rostock - Die St. Jacobi-Kirche - Altar

Aus: Die Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin
Autor: Schlie, Friedrich Dr. (1839-1902) Professor, Archäologe, Kunsthistoriker, Museumsdirektor und Hofrat, Erscheinungsjahr: 1858

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Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin, Amtsgerichtsbezirk Rostock, Hansestadt, Denkmäler, Bauten, Architektur, Kirchen, Kirchenmobiliar, Renaissance, Barock, Rokoko, Klassizismus, Denkmalsschutz, Geschichte, Geschichtsdenkmäler, Regionalgeschichte, Landesgeschichte, Stadtgeschichte, Kirchengeschichte, Marienkirche
Großer hölzerner Barock-Altar von schönen und edlen, durch den klassizierenden Zopfstil der Zeit beeinflussten Verhältnissen, fast die ganze Ostwand des Chors füllend und vortrefflich in den Raum gefügt. Auf jeder Seite unten drei große korinthische Säulen, die vordere vorspringend, sodass Basis und Gesims mit Fries entsprechende Verkröpfungen erleiden. Über dem durch diese Säulen gebildeten Hauptstockwerk ein zweites, von den Seiten her etwas zurücktretendes Stockwerk. Nach einer auf der Nordseite angebrachten Inschrift ist der Altar vom Professor Schadelock während der Zeit von 1781 bis 1783 erbaut worden. Drei große Gemälde von Bernhard Rode füllen die Stockwerke, unten in der Basis das Abendmahl, darüber als Hauptbild die Szene vor Pilatus „Sehet welch' ein Mensch“, im Oberstock endlich die Himmelfahrt, letztere in ungewöhnlicher Auffassung: Christus nämlich nicht schwebend, sondern sitzend dargestellt, getragen von einer Art Wolkenthron, welcher von Engeln emporgehoben wird. Auf dem unteren Bilde, dem Abendmahl, finden wir links an der Schale die Jahreszahl 1782. Zwischen Mittel- und Oberbild ein Spruchmedaillon: HERR, DU BIST WÜRDIG ZU NEHMEN PREIS UND EHRE, DENN DU HAST UNS ERKAUFFT MIT DEINEM BLUT. Plastischer Schmuck umrahmt beide Stockwerke, verdeckt aber nicht die Architektur, sondern fügt sich gut zu derselben. Über dem oberen Bilde das Auge Gottes in einem Dreieck mit Strahlen- und Engelglorie, links eine weibliche Gestalt mit Palme, rechts eine andere mit Buch und Ähren. Seitwärts vom Mittelbilde, zwischen den Säulen, vier weitere allegorische Gestalten, links Caritas und Fides, rechts Spes und Patientia. — Jederseits rechts und links vom Altar, ganz ebenso wie in der Marienkirche (s. o.), eine in einen Beichtstuhl führende Tür; der Raum links dient jetzt als Sakristei, der andere rechts als Geräteschrank.


Der Altar ist ein Werk langer Vorbereitung. Schon seit 1749 gab es Legate zu seiner Herstellung. Hierüber wie über die späteren Kontrakte verdanken wir die Nachrichten Herrn Rechtsanwalt G. Crull, der das Kirchen-Archiv von St. Jacobi zu diesem Zweck durchgesehen hat. 1749 stiftete der Protonotar Grube 150 Thlr. Gold, 1750 der Bürgermeister Krauel 100 Thlr., 1764 Senator Hill 100 Thlr. N 2/3, und 1768 Joh. B. Mann 100 Thlr. N 2/3. Vom 30. August 1781 stammen dann die Kontrakte mit dem Tischlermeister Andreas Serrius, dem Maler Johannes Hoffgaard und der Bildhauer- und Vergolder-Witwe Louise Klinckmann, welche die Arbeiten durch ihren Gesellen Christian Woltersdorff ausführen ließ. Mit Serrius wurden die Arbeiten um 1090 Thlr. N 2/3 ausbedungen, mit Hoffgaard 400 Thlr. N 2/3, mit der Klinckmann um 2150 Thlr. N 2/3. Historienmaler Bernhard Rode, welcher damals Direktor der königl. Akademie der Künste zu Berlin war und mit dem am 15. Januar und 23. Februar 1782 die Kontrakte abgeschlossen wurden, erhielt für seine Gemälde die Summe von 500 Thlr. in Louisd'or.

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Schlie, Friedrich Dr. (1839-1902) Professor, Archäologe und Kunsthistoriker, Direktor der Großherzoglich-Schwerinschen Kunstsammlungen

Schlie, Friedrich Dr. (1839-1902) Professor, Archäologe und Kunsthistoriker, Direktor der Großherzoglich-Schwerinschen Kunstsammlungen

Rostock. 076 St. Jacobi-Kirche Inneres

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