Rostock 1853 - Politische Ereignisse

Aus: Der Österreichische Zuschauer. Politisch-literarisches Wochenblatt
Autor: Ebersberg, Josef Sigmund (1799-1854) Redakteur, Schriftsteller, Herausgeber, Erscheinungsjahr: 1853
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Hansestadt Rostock, Hausdurchsuchungen, Moriz Wiggers, Kaufmann Brockelmann, 1848, Demokraten
Großherzogtum Mecklenburg. Rostock, Mittwoch, den 20. April. Rostock war unzweifelhaft zum Hauptlager und Waffendepot für Nord-Deutschland von denselben Elenden ausersehen, deren Mitschuld an den blutigen Freveltaten in Mailand und Wien immer mehr und mehr sich klar herausstellt. Die Berliner Polizei sandte nach den Entdeckungen des 26. März einige ihrer Beamten nach Schwerin, welche dort mit den ausgedehntesten Vollmachten versehen wurden, von da hier eintrafen, und am Morgen des 29. März in aller Früh die Haussuchungen mit Hilfe der Rostocker Polizei und besonders einiger Mannschaften des hiesigen großherzogl. Infanterie-Bataillons begannen. Von welcher Art im Allgemeinen das Ergebnis dieser Untersuchungen war, ist bekannt. Dass die gefundenen Waffen großenteils königl. preußische Stempel an sich tragen, und zum Teil noch, wie man sagt, als bei dem berüchtigten "Berliner Zeughaussturme" des Jahres 1848 gestohlene erkannt worden sind — dieser Umstand wirft von Neuem ein grelles Licht auf die demokratische Auffassung der Begriffe Eigentum und Diebstahl. Ob die Befürchtung gegründet ist, dass man hier von Berlin aus schon am Nachmittag des Ostermontags noch zu rechter Zeit von „befreundeter Seite" gewarnt und dadurch veranlasst worden sei, einen Teil der wichtigsten Papiere schleunig in Sicherheit zu bringen, womit auch vielfach die plötzliche Anwesenheit Moriz Wiggers, des „Lieblings des Volks" in Verbindung gebracht wird — das wird die gerichtliche Untersuchung herausstellen müssen. Heute erwartet man hier dem Vernehmen nach die Rückkehr der königl. preußischen Polizeibeamten und zugleich neue Instruktionen von Schwerin, wie denn überhaupt die ganze Maßregel nur im vollsten Einverständnisse mit dem großherzogl. mecklenburgischen Gouvernement ausgeführt wurde. Die Verbindung mit London und den dortigen Flüchtlings Komitees soll dem Vernehmen nach vorzugsweise durch Schiffe demokratischer Eigentümer und gleichgesinnte Kapitäne eifrig betrieben und zu heimlichen Waffensendungen benutzt worden sein. Bezeichnend ist die Tatsache genug, dass einer der vorzüglich kompromittierten Verhafteten, der Kaufmann Schwarz (Schwiegersohn des Fabriksbesitzers und Kaufmanns Brockelmann), der Adjutant der Rostocker Bürgergarde ist!
Rostock, Giebelhäuser bei der Nikolaikirche

Rostock, Giebelhäuser bei der Nikolaikirche

Mecklenburger Gensdarmen

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