Rostock 1807 - Von der Aufklärung in Rostock, und dem sittlichen Charakter der Einwohner - (10)

Aus: Bemerkungen aus dem Gebiete der Heilkunde und Anthropologie in Rostock. Bd 1. Medizinische und anthropologische Bemerkungen über Rostock und seine Bewohner
Autor: Nolde, Adolf Friedrich Dr. (1764-1813) Professor der Medizin, Erscheinungsjahr: 1807

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Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Hansestadt Rostock, Universität, Gelehrte, Sehnsucht, Eindrücke, Elternhaus, Eltern, Lehrer, Bildung, Wissen, Studium, Unterricht, Denkart, Verbannung, Verbesserung, Verstand, Ausland, Sitten, Kultur, Indolenz, Trägheit, Aufklärung, Gewohnheit, Meinung,
Zwar pflegten schon lange die angehenden Gelehrten auswärtige Universitäten, namentlich Göttingen und Jena, zu besuchen; aber dies geschah denn gewöhnlich in einem Alter, wo sie durch den fortgesetzten Umgang mit ihren Eltern und Verwandten schon eine zu große Vorliebe für ihre Vaterstadt gewonnen hatten, und überwiegend eine zu kurze Zeit, unter beständiger Sehnsucht nach Hause, abwesend blieben, als dass man von diesen temporären Auswanderungen große Veränderungen hätte erwarten können. Dieselbe Bewandtnis hat es mit den reisenden Söhnen der Handwerker: denn auch diese kehren häufig sehr bald zurück; weil sie es anderwärts nicht gerade so finden, wie bei ihren Eltern, oder der neue Eindruck trägt bei ihnen den Sieg davon, und sie kehren, welches indessen so sehr häufig eben der Fall nicht ist, nie wieder nach Hause zurück. Bei den Knaben, die in einem früheren Alter das väterliche Haus verlassen müssen, wenn sie sich noch nicht so sehr an gewisse Eindrücke gewöhnt haben, und empfänglicher für jeden ihnen angemessenen Unterricht sind, wobei sie sich nicht, wie auf Universitäten, selbst überlassen bleiben, unter guten Lehrern und Aufsehern eine ganz andere Richtung erhalten, und gleichsam völlig umgeformt werden, ist der Fall ganz verschieden. Diese verlieren zwar einigermaßen ihre Anhänglichkeit an die väterlichen Sitten und Gebräuche, sind aber auch, wenn sie mit reiferem Verstande zurückkehren, desto eher im Stande, sie unparteiischer zu prüfen, und können in dieser Hinsicht, besonders wenn sie einmal öffentlich angestellt werden, und mehrere von ihnen eine übereinstimmende Denkart angenommen haben, in der Folge mit vereinten Kräften gewiss sehr viel zu einer höheren Aufklärung, zur Abstellung mancher bisher unbekannten Mängel, zur Verbannung einer erschlaffenden Einseitigkeit und schädlicher Vorurteile, und so überhaupt zur Einführung mancher Verbesserungen beitragen. Kehren sie zugleich mit unverdorbenen Herzen und reinen Sitten in ihre väterlichen Wohnungen zurück: so können wir uns mit Recht zu ihrer Wiederkehr freuen, und den Verlust des im Ausland verzehrten Geldes verschmerzen.

Zu wünschen, wäre es, dass auf diesem Wege manche tief eingewurzelte Vorurteile ausgerottet und eine liberalere Denkungsart eingeführt würde. Denn dass der Eingeborne oder derjenige, der sich mit den hiesigen Gebräuchen schon gleichsam amalgamiert hat, alles, was ihn umgibt, so trefflich und vorzüglich findet, wobei ein unparteiischer Beurteiler tausend Erinnerungen zu machen hat, ist doch wohl nur einer gewissen Unbekanntschaft mit den Vorzügen einer regelmäßigeren Ordnung, einer höheren Kultur und Aufklärung, einer zur Indolenz und Trägheit gar zu leicht einladenden Gewohnheit und allen aus dieser Quelle entspringenden Folgen beizumessen. Könnten wir uns über eine gewisse einschläfernde Parteilichkeit erheben: so würde uns manches gewiss in einem ganz anderen Lichte erscheinen, als es nun der Fall ist; wir würden das für vorgefasste Meinung und Vorurteil ohne Hehl erklären, was uns jetzt so gut und unverbesserlich zu sein scheint, dass wir gar nicht einmal auf die Vermutung einer zu wünschenden Verbesserung kommen. Die Beweise dafür liegen schon zum Teil in dem Vorhergehenden. Jetzt will ich nur noch etwas über die medizinische Aufklärung in Rostock sagen, was jene Äußerung bestätigen kann.
Rostock - Giebelhäuser bei der Nicolaikirche

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Rostock - Markt, Marienkirche und Blutstraße

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Hansestadt Rostock - Stadtansicht

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Rostock - Kröpeliner Tor

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Rostock, Lange Straße, Marienkirche in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts

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Rostock vor dem Steintor

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Rostocker Wallanlagen und Kröpeliner Tor, 1968

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