Rostock 1807 - Von der Aufklärung in Rostock, und dem sittlichen Charakter der Einwohner - (08)

Aus: Bemerkungen aus dem Gebiete der Heilkunde und Anthropologie in Rostock. Bd 1. Medizinische und anthropologische Bemerkungen über Rostock und seine Bewohner
Autor: Nolde, Adolf Friedrich Dr. (1764-1813) Professor der Medizin, Erscheinungsjahr: 1807

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Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Hansestadt Rostock, Töchter, Putzmachen, Ausbildung, Schulbildung, Wissen, Lehrer, Schüler, Studien, Gattin und Mutter, Kenntnisse, Fertigkeiten, Aufmerksamkeit, Humanität, Kenntnis, Geistesvollkommenheit
Manche Eltern lassen ihre Töchter in der Musik, im Zeichnen, Sticken, Putzmachen und andern feineren Arbeiten, die man vordem hier nicht kannte, anjetzt unterrichten, und selbst unter den Handwerkern gibt es einige, die hierin den Eltern aus dem ersten Stande nichts nachgeben wollen. Ich lobe es sehr, dass man seinen Kindern, auch diese Fertigkeiten zu erlernen, Gelegenheit gibt, und in diesen Studien immer weiter zu kommen sucht: allein man sollte dabei nur erwägen, dass dies nicht die einzigen Vorzüge eines Frauenzimmers sind, das für gebildet gehalten sein will; sondern dass sie als künftige Gattin und Mutter noch besondere Pflichten auszuüben hat, zu deren Erfüllung sie sich schon als Mädchen vorbereiten kann, wenn sie mit Gegenständen, die sich darauf beziehen, bekannt gemacht wird. Und in dieser Rücksicht kommt es vorzüglich darauf an, dass ihr Verstand gehörig ausgebildet und geleitet wird, dass sie gerade solche Dinge ihrer Aufmerksamkeit wert findet, deren Kenntnis jeden Menschen, und sie besonders in ihrer künftigen Lage, zufrieden und glücklich machen kann.

Der vornehmere Stand schließt keine Mutter von diesen Pflichten und Obliegenheiten aus, sondern legt sie ihr vielmehr noch in einem höheren Grade auf. Zwar haben die Eltern aus diesem Stande eine etwas bessere Gelegenheit, ihren Kindern bei einigen rühmlichst bekannten Lehrerinnen einen zweckmäßigeren Unterricht zu verschaffen, wo sie nicht das Zurückbleiben in den wichtigeren Kenntnissen, oder die Beförderung des Aberglaubens und eine Unterhaltung schädlicher Vorurteile befürchten dürfen: aber im Ganzen ist diese Gelegenheit doch zu eingeschränkt, als dass man eigentlich darauf rechnen könnte; nur wenigen steht sie offen, und diese wenigen können also auch nur den Nutzen davon erwarten, welchen sie leistet. Sollte eben dieses sie nicht auffordern, sich selbst mit dem, oft lästigen, aber dafür desto wohltätigeren Geschäfte des Unterrichts bei ihren kleinen Kindern bekannt zu machen? Die Ärzte haben so viel von der Pflicht der Mütter, ihre Kinder selbst zu stillen, geschrieben; und ich habe schon im Vorhergehenden gerühmt, dass die meisten Mütter bei uns diese Pflicht mit Treue und Sorgfalt erfüllen: aber sollte es nicht eine eben so wichtige Pflicht der Mütter sein, den Grund zu allem Guten und Nützlichen bei ihren Kindern zu legen, sich dadurch ihr Zutrauen zu erwerben, und sie zu ihrer künftigen Bestimmung, nach Verschiedenheit ihrer Verhältnisse, schon in den ersten Lebensjahren vorzubereiten? Zur Ausübung jener Pflicht des Selbsstillens findet die Mutter schon Veranlassung in einem natürlichen Instinkt, und es ist häufig gewiss nur ein sinnliches Vergnügen, was sie bei ihrer Ausübung empfindet: aber die Überzeugung, dass sie auch auf den edelsten Teil ihrer Kinder gewirkt, dass sie selbst einigen Anteil an ihrer Kenntnis und Geistesvollkommenheit hat, das ist doch eigentlich ein Vergnügen, welches jenen mehr sinnlichen Kitzel weit übertrifft, bei dessen Genuss sie zugleich sich zu der höchsten Würde des Menschen erhebt, und nach dem Willen des Schöpfers zur Beförderung der Humanität wirkt. Ist sie selbst wahrhaft gebildet und aufgeklärt, wodurch sie sich billig vor jedem niederen Stande vorzüglich unterscheiden sollte: so wird der Gedanke an diesen Vorzug sie auch gewiss mehr, als jede andere Vorstellung, zur Erfüllung eines solchen Zweckes ermuntern; und ich darf wohl keine anderen Motive aufsuchen, um ihr das zu beweisen, was ich deutlich genug gezeigt zu haben glaube.

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Rostock - Giebelhäuser bei der Nicolaikirche

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Rostock - Markt, Marienkirche und Blutstraße

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Hansestadt Rostock - Stadtansicht

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Rostock - Kröpeliner Tor

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Rostock, Lange Straße, Marienkirche in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts

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Rostock vor dem Steintor

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Hansestadt Rostock, Giebelhäuser und Marienkirche

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