Rostock 1807 - Von den Einwohnern - ihre Zahl

Aus: Bemerkungen aus dem Gebiete der Heilkunde und Anthropologie in Rostock. Bd 1. Medizinische und anthropologische Bemerkungen über Rostock und seine Bewohner
Autor: Nolde, Adolf Friedrich Dr. (1764-1813) Professor der Medizin, Erscheinungsjahr: 1807

Exemplar in der Bibliothek ansehen/leihen
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Hansestadt Rostock, Bevölkerung, Volkszählung, Einwohner, Bewohner,
Rostock ist nach Verhältnis seiner Größe nur schwach bevölkert. Die größten Häuser werden daher nur von einzelnen Familien und wenigen Personen bewohnt, nicht selten stehen manche von ihnen sogar unbewohnt. Man lebt hier überhaupt nicht gern mit Andern in einem Hause, und daher finden sich gemeinschaftliche Wohnungen in einem Hause nur bei der geringem Klasse. Überdem haben die Kaufleute noch eine Menge Packhäuser und Speicher, welche gar nicht bewohnt werden *).

*) Ganz anders war es in frühem Zeiten. Quam populosa fuerit circa annum 1617, sagt Detharding a. a. O. S. 40. ex numero domuum facile est colligere, quarum quae fastigiis fuere splendida, ad millenarium numerum acceasere et perquam multno, quibus latum frontispiclum fuit, ex quibus 250 coctioni cerevisiae inservierunt.

Im Jahre 1792 zählte man in Rostock überhaupt nur 10.829 Einwohner.
Davon waren männlichen Geschlechts 3.098, weiblichen Geschlechts 3.820, Kinder 3.911

Dagegen betrug die Anzahl der hiesigen Einwohner im Jahr 1797 die Totalsumme von 12.585 Menschen.
Hiervon waren:
Mannspersonen über 14 Jahren: 4.187, unter 14 Jahren: 1.729
Frauenspersonen über 14 Jahren: 4.940, unter 14 Jahren: 1.729

Es fand sich folglich bei der ersten Zählung ein Überschuss von 722 des anderen Geschlechts. Hingegen lieferte die zweite eine gleiche Anzahl von Individuen männlichen und weiblichen Geschlechts unter 14 Jahren. Nach diesem Termin betrug die Summe des weiblichen Geschlechts 753 mehr, als die der Mannspersonen über 14 Jahre.

Die letzte Zählung der hiesigen Einwohner ward im Jahr 1903 veranstaltet. Es fanden sich bei derselben mit Einschluss aller Stände

Mannspersonen über 14 Jahren: 4.641, unter 14 Jahren: 2.007
Frauenspersonen über 14 Jahren: 5.181, unter 14 Jahren: 1.927

zusammen also 13.755 Seelen, und wenn die Zählung von gleichem Umfange war; und nach einem gleichen Maßstab unternommen ward, blieb, ein Überschuss von 1.171 Seelen gegen das Jahr 1797.
Unter 14 Jahren übertraf die Anzahl der männlichen Individuen jene des andern Geschlechts um 80, nach dieser Periode fanden sich aber von dem weiblichen Geschlecht 540 mehr.

Es würde sich also, dieser Berechnung zufolge und unter übrigens gleichen Verhältnissen, die Zahl der Einwohner in fünf Jahren um 1.756, und in 11 Jahren um 2.927 vermehrt haben, welches wohl ohne beträchtliche Einwanderungen nicht möglich wäre. Nun hat es freilich an einem Zuwachs von außen nicht gefehlt; indem während des gedachten Zeitraums nicht nur verschiedene Landbegüterte, nachdem sie ihre Landgüter verkauft hatten, und so auch einige andere Standespersonen, mit ihren Familien und Domestiken in die Stadt gezogen sind, insbesondere aber, aus der erwerbenden Klasse von Einwohnern mehrere in Rostock, bei dem während des letzten Krieges hier sehr beträchtlichen Kornhandel, bessern Verdienst zu haben glaubten, und aus dieser Ursache vom Lande, oder aus den kleinen Städten herein zogen, außerdem aber auch noch viele Domestiken, sowohl männlichen als weiblichen Geschlechts, ihr Unterkommen fanden, weil man, besonders in den letzten Jahren, die fremden Dienstboten den eingebornen vorzuziehen anfing: allein alles dieses würde denn doch nicht hinreichend gewesen sein, einen so großen Unterschied in der Totalsumme hervorzubringen.

Es lässt sich aber die Ursache dieser Differenz, doch sehr leicht finden, wenn man die näheren Umstände, die sich auf die jedesmalige Zählung selbst beziehen, kennt. Im Jahr 1793 war diese eigentlich nur Nebensache, und wurde bei Gelegenheit der sogenannten Feuerschau zugleich mitgenommen. Es blieben auch, wie ich aus dem vorliegenden Protokolle ersehe, die hiesigen Studierenden und das Militär nicht nur ungezählt: sondern vermutlich wurden selbst die Vorstädte übergangen; wenigstens finde ich die Äußerung gleichfalls dem Protokolle beigefügt. Eine Vergleichung der beiden vorletzten Zählungen gibt also auch keine sicheren Resultate, und das noch um so weniger, da man dieses Geschäft jedesmal nach einer etwas verschiedenen Norm ausführte. Indessen ist die auf Befehl der herzoglichen Regierung im Jahr 1797 vorgenommene Zählung, wodurch man die wirkliche Summe der hiesigen Einwohner erfahren wollte, unstreitig ganz zuverlässig. Wollte man hiervon auch die unbedeutende Anzahl der Studierenden, die keine große Differenz geben kann, abziehen: so werden denn doch die übrigen zur Akademie gehörenden Einwohner mit ihren Familien eben so wenig, als das hier in Garnison stehende Militär ausgeschlossen werden dürfen, weil sie insgesamt einen Teil der hiesigen Bevölkerung ausmachen. Da aber im Jahr 1803 die Zählung nach denselben Grundsätzen, wie im Jahr 1797 unternommen ward, und unter der gefundenen Summe alle Stände begriffen sind: so wird diese, als die neueste, mit Recht den Vorzug verdienen, und die Anzahl sämtlicher Einwohner sich bestimmt auf 13.756 Seelen angeben lassen.

Dass nach einer Vergleichung der beiden letzten Zählungen sich im Jahr 1803 die Zahl der Einwohner um 1.171 in einem Zeiträume von ungefähr 6 Jahren vermehrt hat, ist allerdings sehr auffallend, und kann aus der eigenen Produktion der Einwohner, ohne anderweitige Zuflüsse, unmöglich erklärt werden. Nimmt man aber die vorhin angeführten Umstände und Veranlassungen hinzu, welche hierauf unstreitig den größten Einfluss hatten: so ist die Sache selbst nicht nur sehr begreiflich, sondern es beweist die zugenommene Bevölkerung unseres kleinen Staates auch wohl einigermaßen eine Vermehrung aller Quellen des Erwerbes und Wohlstandes, unter welchen der Getreidehandel während des französischen Krieges, die dadurch beförderte Schifffahrt und die durch Handel und Schifffahrt veranlasste größere Tätigkeit gewiss die vorzüglichsten sind.

.

.

.

Rostock - Giebelhäuser bei der Nicolaikirche

Rostock - Giebelhäuser bei der Nicolaikirche

Rostock, Neuer Markt mit Ladenzeile 1967

Rostock, Neuer Markt mit Ladenzeile 1967

Rostock - Markt, Marienkirche und Blutstraße

Rostock - Markt, Marienkirche und Blutstraße

Hansestadt Rostock - Stadtansicht

Hansestadt Rostock - Stadtansicht

Rostock - Kröpeliner Tor

Rostock - Kröpeliner Tor

Rostock, Lange Straße, Marienkirche in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts

Rostock, Lange Straße, Marienkirche in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts

Hansestadt Rostock, Neuer Markt (zum Zeitpunkt der Aufnahme: Erst-Thälmann-Platz) 1967

Hansestadt Rostock, Neuer Markt (zum Zeitpunkt der Aufnahme: Erst-Thälmann-Platz) 1967

Rostocker Umland mit Bauernhof, 1968

Rostocker Umland mit Bauernhof, 1968