Rostock 1807 - Von den Einwohnern - Geborene und Gestorbene

Aus: Bemerkungen aus dem Gebiete der Heilkunde und Anthropologie in Rostock. Bd 1. Medizinische und anthropologische Bemerkungen über Rostock und seine Bewohner
Autor: Nolde, Adolf Friedrich Dr. (1764-1813) Professor der Medizin, Erscheinungsjahr: 1807

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Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Hansestadt Rostock, Bevölkerung, Sterberate, Geburten, Geborene, Gestorbene, Todesfälle, Zuwachs, Zuzug
Das Verhältnis der Gestorbenen zu den Geborenen sehr wichtig. Es ergibt sich nämlich aus einem Vergleich derselben unter einander die erfreuliche Folge, dass in dem letzten Jahrzehend [1790-1800] bei weitem, mehr geboren, als gestorben und. Der hieraus erwachsene Gewinn beträgt 763. Aber die Stadt macht auch keine Ansprüche, unter die großen und bevölkerten Städte gezählt zu werden. Überdem hat sie unstreitig eine sehr gesunde Lage, ist den epidemischen Krankheiten, die auch hier im Ganzen nicht so gefährlich sind, wie anderwärts, weniger unterworfen, als viele andere Städte; ist mit einer hinreichenden Anzahl geschickter Ärzte versehen; und gehört keineswegs zu den luxuriösen Städten, sondern steht in dieser Hinsicht vielmehr den Städten Schwerin und Güstrow sehr nach. Übrigens sieht man bald, dass die nach den beiden Zählungen von 1792 und 1797 sich ergebende Zunahme der Bevölkerung ihren Grund nicht in der eigentlichen Produktion der Einwohner, sondern vielmehr in einem Zuwachs von außen hat.

Nur mit Ausnahme der beiden Jahre 1792 und 1800 starben in jedem der übrigen weit mehr Menschen weiblichen, als männlichen Geschlechts, und selbst in den zum Vorteil des ersteren sich auszeichnenden Jahren betrug das ganze Plus nicht mehr, als fünf. Daher kommt es denn auch, dass das weibliche Geschlecht in diesem Zeitraum einen überwiegenden Verlust von 231 Individuen erlitten hat. Vergleichen wir damit die Geschlechts-Verhältnisse nach den oben mitgeteilten Geburtslisten: so ergibt sich hieraus für das schöne Geschlecht der nachteilige Schluss, dass von demselben nicht nur weniger geboren, sondern auch mehr gestorben sind, als vom männlichen Geschlecht. Dieses Minus beträgt zusammen 71 Köpfe. Um so mehr ist es zu bewundern, dass bei uns an Frauenzimmern, besonders unverheirateten, eher ein Überfluss, als Mangel zu sein scheint; aber vielleicht möchte hieraus noch mehr, als aus den Geburtslisten allein sich ergeben, dass das männliche Geschlecht das Übergewicht behält. Der große Überschuss des andern Geschlechts ist gleichwohl nicht ganz scheinbar; weil man im Ganzen doch wohl eine größere Auswanderung für das männliche, als für das schöne Geschlecht annehmen kann.

Die Summe der in den letzten zehn Jahren an Epidemien gestorbenen Menschen beträgt überhaupt 517. und folglich etwa den sechsten Teil aller Gestorbenen; die Kinder hingegen, welche ein Opfer der Blattern geworden sind, machen ungefähr nach einer runden Zahl den dreizehnten Teil der Totalsumme aus. Um so mehr haben wir uns der Kuhpocken-Impfung zu gratulieren, die hier auch schon ziemliche Fortschritte zu machen angefangen hat. Die Zahl der Kinder, welche während des gedachten Zeitraums gestorben sind, gibt noch etwas weniger, als den dritten Teil des ganzen Totenregisters. Wie sich der Verlust derselben nach den Jahren der Kindheit verhält, ist in den Listen nicht angegeben. Es würde sich aber wohl der Mühe verlohnen, auch dieses zu kennen. Ich bitte daher bei dieser Gelegenheit den verdienstvollen Herausgeber des Schwerinschen Staats-Kalenders, sich auch hierüber jährlich die Listen einschicken zu lassen, welches ihm der hohe Posten, den derselbe mit Ruhm und Würde bekleidet, allerdings zu tun gestattet.

95 Dass die Anzahl der im Kindbett gestorbenen Personen zu der Summe der Geburten, nach einer Reduktion der Zwillingsgeburten, sich wie eins zu 78 1/7 und zu der ganzen Summe aller Gestorbenen etwa wie 1 zu 64 verhält, ist in der Tat ein sehr niederschlagendes Resultat, wovon der Grund nirgends anders, als in einer vernachlässigten oder verkehrten Behandlung der Kreißenden und Wöchnerinnen zu suchen ist. Übrigens gehören schwere und widernatürliche Geburtsfälle hier nur zu den Seltenheiten, Missfälle sind indessen so gar selten nicht.

Leidlicher ist das Verhältnis der durch Unglücksfälle Umgekommenen, denn es ist etwa von 63 einer auf diese Art gestorben. In einer Handel treibenden Stadt, der noch überdies größtenteils zur See geführt wird, und bei dem vielen offenen und größtenteils unbefriedigten Wasser in der Nähe der Stadt, darf man sich über diese Zahl eben nicht wundern; aber sie ist denn doch gewiss bedeutend genug, um die Obrigkeit hierauf aufmerksam zu machen, damit sie aller Gelegenheit zu dergleichen Unglücksfällen noch mehr, als es bisher der Fall gewesen ist, zuvorzukommen suche.
Rostock - Giebelhäuser bei der Nicolaikirche

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Rostock, Lange Straße, Marienkirche in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts

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Rostock - Markt, Marienkirche und Blutstraße

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Hansestadt Rostock - Stadtansicht

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Hansestadt Rostock, Giebelhäuser und Marienkirche

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Rostock, Neuer Markt mit Blick auf Marienkirche

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Rostock vor dem Steintor

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