Rostock 1807 - Von den Einwohnern - Ehe, Geburt, Sterblichkeit

Aus: Bemerkungen aus dem Gebiete der Heilkunde und Anthropologie in Rostock. Bd 1. Medizinische und anthropologische Bemerkungen über Rostock und seine Bewohner
Autor: Nolde, Adolf Friedrich Dr. (1764-1813) Professor der Medizin, Erscheinungsjahr: 1807

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Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Hansestadt Rostock, Bewohner,
Beide Geschlechter genießen hier in der Regel eine dauerhafte Gesundheit. Sehr viele von ihnen erreichen auch ein Alter von 60, 70, 80 und 90 Jahren. Einen Beweis dafür gibt die folgende Übersicht der in den letzten 10 Jahren Verstorbenen.

Es starben nämlich im Jahr / überhaupt / in einem Alter über 70 Jahre

1791 / 291 / 42
1792 / 249 / 57
1793 / 241 / 63
1794 / 278 / 64
1795 / 443 / 71
1796 / 306 / 64
1797 / 297 / 65
1798 / 402 / 50
1799 / 299 / 57
1800 / 327 / 73
gesamt/ 3.133 / 606

Auch selbst in den Jahren also, wo die Sterblichkeit am größten war, wie in den Jahren 1795 und 1798, hatte doch etwa der siebente und achte das Siebzigste Jahr erreicht, und unter den andern waren gewiss auch mehrere, deren Alter diesem Ziel sehr nahe kam. Gleichwohl finde ich es sehr bemerkenswert, dass während der zwölf Jahre, die ich hier zugebracht habe, mir kein einziges Beispiel von einem hundertjährigen Alter und darüber vorgekommen ist; auch habe ich nie etwas von einem hundertjährigen Greise vor dieser Zeit gehört.

In Rücksicht der Sterblichkeit überhaupt ergibt sich aus der angeführten Tabelle, dass, wenn wir die Zählung von 1797 zum Grunde legen, welches wohl geschehen muss, da die von 1803 um so viel später eintrat, in dem Jahre 1795 etwa der 28ste bis 29ste, im Jahre 1798 ungefähr der 31ste, und in dem Jahr 1793, wo die Sterblichkeit am geringsten war, nur der 52ste bis 53ste starb. Hiernach würde also die Mittelzahl ein wohl eben nicht sehr nachteiliges Verhältnis geben.

Das Verhältnis der Ehen ergibt sich aus einer Übersicht des letzten Jahrzehends, welches ich hier folgen lasse.

Es wurden kopuliert

Im Jahr 1791 / Paare 83 / darunter waren 18 Witwer / 15 Witwen
Im Jahr 1792 / Paare 105 / darunter waren 19 Witwer / 12 Witwen
Im Jahr 1793 / Paare 104 / darunter waren 14 Witwer / 13 Witwen
Im Jahr 1794 / Paare 101 / darunter waren 20 Witwer / 12 Witwen
Im Jahr 1795 / Paare 96 / darunter waren 21 Witwer / 5 Witwen
Im Jahr 1796 / Paare 124 / darunter waren 18 Witwer / 18 Witwen
Im Jahr 1797 / Paare 130 / darunter waren 23 Witwer / 9 Witwen
Im Jahr 1798 / Paare 127 / darunter waren 13 Witwer / 16 Witwen
Im Jahr 1799 / Paare 117 / darunter waren 17 Witwer / 22 Witwen
Im Jahr 1800 / Paare 110 / darunter waren 21 Witwer / 20 Witwen
In den Jahren / Paare 1097 / darunter waren 184 Witwer / 142 Witwen

Nach dieser Übersicht war die Zahl der Ehen in den Jahren 1796 und 1797 am größten; in den folgenden Jahren hat sie wieder ziemlich abgenommen. Inzwischen ist sie doch immer noch größer, als vor dem Jahre 1796. Sollte vielleicht die in den letzten drei Jahren zugenommene Teuerung einigen Anteil an der geringeren Zahl der Ehen haben? Nur bloß in den Jahren 1793 und 1799 heirateten mehr Witwen als Witwer; in allen den übrigen Jahren war der Fall umgekehrt. Unter den Handwerkern heiraten die Witwen nicht sogar selten, wenn sie schon über gewisse Jahre hinaus sind, ihre weit jüngeren Gesellen, die denn das Handwerk fortsetzen und sogleich festen Fuß haben, sich aber in Rücksicht des Alters ihrer Frauen wohl zu entschädigen wissen. Überhaupt findet man es in diesem Stande oft, dass die Frau älter ist, als der Mann, oder ihm in Jahren sehr nahe kommt; und dasselbe ist auch der Fall bei den Arbeitsleuten, die vorher zum Teil als Knechte bei einer Herrschaft dienten, wo sie denn Bekanntschaft mit den weiblichen Domestiken machten, sich versprachen, und wenn sie etwas vor sich gebracht haben, erst einander heiraten.

Doch findet man unter den Arbeitsleuten die am meisten gesegneten Ehen, welches bei den Handwerkern schon weit weniger der Fall ist. Es folgt aber dieses aus dem angemerkten Verhältnis der Jahre bei dem Neuverehelichten unter ihnen. Indessen ist nicht zu leugnen, dass es auch in diesem Stande manche sehr zahlreiche Familien gibt, wovon selbst die Vornehmen keine Ausnahme machen. Aber, unter den letzteren nimmt mit dem zunehmenden Luxus die Zahl der Ehen immer mehr ab. Wenn dieses zwar nicht aus der mitgeteilten Übersicht zu folgen scheint: so ist die Ursache davon wohl hauptsächlich darin zu suchen, dass die Anzahl der Handwerker und Arbeitsleute während des letzten Krieges, wegen des dadurch beförderten Kornhandels und des davon wieder abhängenden leichteren Verdienstes, sich ansehnlich vergrößert hat. Diese Leute können nämlich ohne ihren größten Schaden nicht lange unverheiratet bleiben; da im Gegenteil der Vornehme seinen Etat viel mehr einschränken kann, wenn er unverheiratet bleibt, auch das häufig nur geringe Einkommen ihn wohl dazu nötigt, besonders wenn seine Neigung nicht etwa auf ein sehr reiches Mädchen fällt, die ihn dafür entschädigen kann. Aber diese sind nur selten, und finden gewöhnlich auch bald ihre Liebhaber. Hingegen bleibt ein großer Teil von Frauenzimmern, deren Äußeres so wie ihr sittlicher Charakter einen Mann wohl glücklich machen könnte, unverheiratet, oder wird erst spät verheiratet, wenn sich noch mit der Zeit ein reicher Liebhaber findet, der eben nicht nötig hat, auf die Einkünfte, seiner Frau Rechnung zu machen. Die reichen Mädchen werden in der Regel aber nicht nur leichter, sondern auch früher verheiratet; doch tritt der größte Teil der hiesigen Schönen vor dem zwanzigsten Jahre nicht in den Ehestand.

Aus den angeführten Ursachen lässt es sich erklären, warum man hier in Rostock so viele unverheiratete Frauenzimmer findet, unter denen manche gewiss einen guten Mann verdienten. Gemeiniglich glaubt man zwar, dass hier eine größere Anzahl von Mädchen geboren wird; und man sollte es auch beinahe glauben, wenn man in so manchen Familien nichts als Töchter, oder wenigstens dem größten Teile nach findet, und unter den Vornehmen insbesondere die Zahl der heiratsfähigen jungen Männer mit der Summe der heranwachsenden Schönen vergleicht: aber doch scheint dies nicht der Fall zu sein, wenn man auf die Geburts- und Sterbelisten des letzten Jahrzehends einen Blick wirft. Ich will sie daher zur Übersicht mitteilen, und zwar so vollständig, als ich sie aus den dem Mecklenburg-Schwerinschen Staats-Kalender beigefügten Listen habe ausziehen können. Es werden sich hieraus noch mehrere wichtige Resultate folgern lassen, die ich hier nicht übergehen kann.
Rostock - Giebelhäuser bei der Nicolaikirche

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Rostock, Lange Straße, Marienkirche in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts

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Rostock - Markt, Marienkirche und Blutstraße

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Hansestadt Rostock, Giebelhäuser und Marienkirche

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Hansestadt Rostock, Neuer Markt (zum Zeitpunkt der Aufnahme: Erst-Thälmann-Platz) 1967

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Rostock vor dem Steintor

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Bauer und Bäuerin aus Biestow bei Rostock

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