Rostock 1807 - Einwohner - Vergnügungen, Volksfeste

Aus: Bemerkungen aus dem Gebiete der Heilkunde und Anthropologie in Rostock. Bd 1. Medizinische und anthropologische Bemerkungen über Rostock und seine Bewohner
Autor: Nolde, Adolf Friedrich Dr. (1764-1813) Professor der Medizin, Erscheinungsjahr: 1807

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Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Hansestadt Rostock, Vergnügungen, Volksfeste, Pfingstmesse, Königsschießen, Handwerksgesellen
In den Sommermonaten sieht man an den Sonntagen nach dem Gottesdienste die Handwerker mit ihren Frauen, auch selbst die Arbeitsleute, Gesellen, Dienstmädchen usw. in die freie Luft gehen. Wenn die Vornehmeren besonders die nahen Gärten besuchen, oder zwischen den Gärten und in dem freien Felde spazieren: so sieht man dagegen die übrigen Klassen mehr den Tanzsälen, Bier- und Wirtshäusern entgegen eilen, wo sie sich denn nach Umständen auf ihre Art zu vergnügen suchen. Die Handwerksgesellen sind aber häufig nicht mit dem Sonntage allein zufrieden, sondern wenden nicht selten noch den folgenden Tag zu ihrem Vergnügen an. Von ihnen kann man daher beinahe ausschließlich sagen, dass sie das Promenieren, welches bei ihnen in Müßiggang und Wohlleben ausartet, übertreiben.

Besondere Gelegenheiten zum Promenieren geben noch die Pfingstmesse und die Tage nach dem sogenannten Königsschießen. Die letzteren fallen in den Herbst, jene in den Frühling. Die Pfingstmesse, welche 14 Tage steht, und eine Menge von Fremden herbeiführt, setzt bei uns alles in Bewegung. Schon mehrere Wochen vorher hat man genug mit dem Reinigen und Ausschmücken der Häuser zu tun; manche Familien halten auch einen förmlichen Umzug, weil sie ihre gewöhnlichen Wohnzimmer den fremden Kaufleuten während der Messe überlassen. Hat diese aber erst ihren Anfang genommen: so glaubt auch keiner mehr in dem Hause bleiben zu können; man läuft den ganzen Tag umher, kauft ein, sieht und lässt sich sehen, zerstreuet sein Gemüt, und bewegt den Körper, welches, wenn die Witterung nur zu der Zeit nicht gar zu ungünstig ist, und die Klagen über einen leeren Geldbeutel nicht alles wieder verderben, den Einwohnern beinahe für den ganzen Sommer wohl tun muss. Während dieser Zeit will auch niemand krank sein, und kleine Beschwerden werden durch die Zerstreuung und Aufheiterung des Gemüts verscheucht, oder doch auf einige Zeit unterdrückt. Nach der Messe pflegen dafür die Beschäftigungen der Ärzte wieder ihren Anfang zu nehmen. Außer dieser Zeit geht man den Sommer über noch in größeren oder kleineren Gesellschaften auf die nahen Dörfer, um Schafmilch zu essen; selten mehr an Sonntagen nach Hädgus Garten, seitdem dieser auch von den Handwerkern besucht wird. Der Königsschüsse haben wir zwei; einen für die Kaufleute, den andern für die Gewerker. Beide sind im August. Jeder von ihnen dauert nur einen Tag. Der Abend und die Nacht werden dann gewöhnlich durchschwärmt, und den folgenden Tag geht alles, wenn es die Witterung nur irgend erlaubt, auf die benachbarten Dörfer, um sich da wieder zu erholen, und in Gesellschaft zu essen und zu trinken. Das sind denn eigentlich unsere Volksfeste, wenn wir
sie so nennen wollen.
Rostock - Giebelhäuser bei der Nicolaikirche

Rostock - Giebelhäuser bei der Nicolaikirche

Hansestadt Rostock - Stadtansicht

Hansestadt Rostock - Stadtansicht

Rostock - Markt, Marienkirche und Blutstraße

Rostock - Markt, Marienkirche und Blutstraße

Rostock, Neuer Markt mit Ladenzeile 1967

Rostock, Neuer Markt mit Ladenzeile 1967

Rostock - Kröpeliner Tor

Rostock - Kröpeliner Tor

Rostock, Lange Straße, Marienkirche in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts

Rostock, Lange Straße, Marienkirche in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts

Hansestadt Rostock, Neuer Markt (zum Zeitpunkt der Aufnahme: Erst-Thälmann-Platz) 1967

Hansestadt Rostock, Neuer Markt (zum Zeitpunkt der Aufnahme: Erst-Thälmann-Platz) 1967

Rostocker Umland mit Bauernhof, 1968

Rostocker Umland mit Bauernhof, 1968