Rostock 1807 - Bekleidung, Mode, Kleidertracht, Modetracht

Aus: Bemerkungen aus dem Gebiete der Heilkunde und Anthropologie in Rostock. Bd 1. Medizinische und anthropologische Bemerkungen über Rostock und seine Bewohner
Autor: Nolde, Adolf Friedrich Dr. (1764-1813) Professor der Medizin, Erscheinungsjahr: 1807

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Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Hansestadt Rostock, Bekleidung, Mode, Tracht, Modejournale, Doberan, Modehändler, Paris, London, Kleiderluxus, Klima, Gesundheit, Beinkleider, Geschmack, Sittlichkeit, Anstand, Bequemlichkeit, Schmeichelei, Modegöttin, Brusttuch, Leibbinde, Perücken, Strümpfe,
Ich glaube von den Speisen und Getränken genug gesagt zu haben, um jetzt zu einer anderen nicht weniger interessanten Materie überzugehen. Es ist dieses die Kleidung, auf welche die Mode bekanntlich in unseren Zeiten einen so großen Einfluss zu haben pflegt. Auch bei uns will man in seinem Anzug gern nach der Mode erscheinen, und unsere Stutzer und Schönen bestimmen ihn daher gewöhnlich nach den bekannten Modejournalen, davon mehr als eines seine zahlreichen Leser und Leserinnen findet. Indessen kommen die Moden gewöhnlich nur etwas spät zu uns, auch versehen die Berliner Modehändler, welche unseren Pfingstmarkt besuchen, manche Schöne mit ihren Artikeln auf ein ganzes Jahr. Dann erscheint alles mit einmal in neuen Gewändern und Aufsätzen, die man oft teuer genug bezahlt. Seitdem das Seebad zu Doberan die Aufmerksamkeit der Fremden auf sich gezogen hat, ist es auch zugleich eine neue Quelle der hiesigen Moden geworden, die mancher Dame, welche ihren Putz sonst nicht oft genug verändern konnte, sehr Willkommen zu sein scheint. Doch fing man in einzelnen Fällen schon früher an, auch außer dem Pfingstmarkt seine Kleidung zu verändern, wozu insbesondere die beliebten Modejournale, die im Verhältnis unsere Entfernung von den Sitzen der all beliebten Göttin, noch immer ziemlich schnell hierher spediert werden, die natürlichste Veranlassung gaben.

Dass unsere Schönen daher ihr zartes Haupt nicht mehr mit den turmähnlichen Aufsätzen beschweren, den Schnürleibern entsagt haben, in leichten, halbdurchsichtigen Gewändern die sanften Umrisse ihrer Form nicht mehr so unbestimmt wie sonst erraten lassen, freier und ungezwungener die Reize enthüllen, womit ein voller Busen, ein runder Arm das Herz der Männer bezaubert, in leichten Schuhen leichter einhergehen, und durch die hohen Absätze eine widernatürliche Größe nicht mehr erkünsteln, wird kein Fremder auffallend finden, da man sich jetzt überall so kleidet. Aber desto auffallender muss es dem kalten Beobachter, dem Arzt und Diätetiker sein, dass man so schnell von einem Extrem zum andern übergehen konnte. Noch vor wenig Jahren schnürte man sich allgemein, freilich nicht mehr so steif, als vor zwanzig Jahren, aber doch noch immer genug, um die verborgene Schnürbrust schon in der Entfernung zu verraten, und im Ganzen konnte ich nur wenige vor dieser letzten sehr wichtigen Moderevolution dazu überreden, dass sie dem lästigen Zwang entsagten. Aber kaum wollte es die Mode: so legten auch unsere Schönen die Schnürleiber ab, gegen welche schon die Ärzte so lange vergebens gepredigt hatten, und gegen die sie gewiss durch die überzeugendsten Gründe den so sehr von der Mode abhängigen Verstand unserer Damen nicht würden eingenommen haben. Eben so ging es bekanntlich mit den hohen Absätzen, deren nachteilige Folgen in manchen Büchern von den Ärzten mit den lebhaftesten Farben geschildert wurden. Man sieht hieraus wie wohltätig die Mode für Gesundheit und physisches Wohlsein werden könnte.

Dass bei der neuen Art, sich zu kleiden, ein schöner Körper allerdings gewinnt, leidet wohl keinen Zweifel, ja ich möchte sogar behaupten, dass manches Frauenzimmer kleine Fehler ihres Wuchses eher verbergen kann: nur muss man freilich nicht in die wirklich abgeschmackte Mode der lächerlich kurzen Taillen verfallen, wodurch manche sich dem griechischen oder römischen Muster zu nähern glaubt, von dem sie erst seit einigen Jahren reden hörte. Auch sollte manche Verehrerin der Mode sich daran erinnern, dass sie bei ihren häuslichen Beschäftigungen nicht mit den weißen Armen einer müßigen Schönen prangen kann. Allen aber möchte ich wohl zu bedenken geben, dass ein anständiges Verhüllen der körperlichen Reize, indem es mehr erraten lässt, als gibt, weniger Gleichgültigkeit gegen sie erzeugt, und die Erwartung immer gespannter erhält, als wenn sie zu freigebig alles den Blicken der Männer verraten, was diesen immer neu bleiben sollte. Oft kann ein Frauenzimmer sogar ihrer eigenen Sittlichkeit dadurch schaden und ungerechte Urteile über dieselbe veranlassen. Sollte dieses allein nicht schon Bewegungsgrund genug sein, einer Mode zu entsagen, die ihr den Verlust des größten Kleinods herbeizuführen droht?

Doch ich fürchte, schon zu viel moralisiert zu haben, und breche daher ab, um die neue Mode auch von der physischen Seite zu prüfen. Bei den Ärzten ist es eine ausgemachte Wahrheit, die schon Vater Hippokrates kannte, dass jeder schnelle und unbehutsame Übergang von einem Extrem zum andern der Gesundheit und oft sogar dem Leben gefährlich werden kann. Nun vergleiche man aber nur die Kleidung unsers Frauenzimmers, wie sie vor der großen Revolution war, mit den Veränderungen, welche diese hervorbrachte; die Schnürbrüste, gleichviel wie sie gemacht waren, die aber doch den Körper gewiss mehr schützten, als es bei der neuen Kleidung der Fall ist, die vielen und warmen Röcke mit dem dünnen Gewande, das den Körper leicht umflattert und nicht einmal an einem kühlen Sommerabende hinreichend bedeckt; die bloßen Arme mit den langen Ärmeln u. s. w. und man wird mir gewiss einräumen, dass die Veränderung groß ist, welche die Frauenzimmer mit ihrer Kleidung vorgenommen haben; und doch entschloss man sich sogleich dazu, als man nur einige fremde Damen in dem neuen Anzüge unter uns auftreten sah, ohne Rücksicht auf Klima und Jahreszeit zu nehmen. Ich weiß es bestimmt, dass manche im Spätherbst zum erstenmal eine Kleidung anlegten, die für den kalten Norden nicht erfunden zu sein scheint, ja selbst in einem solchen flatternden Gewande bei strenger Kälte Schlittenfahrten beiwohnten. Wenn nun aber, öffentlichen Nachrichten zufolge, die Ärzte in Paris manche Krankheiten und Todesfälle dieser modischen Kleidertracht zuschrieben: so müssen ähnliche Folgen bei unserm rauen und veränderlichen Klima ja noch wohl eher zu befürchten sein. Oder haben unsere Frauenzimmer eine so robuste Konstitution, dass ihnen alles dieses nicht schaden kann? Ich will ihnen ihre dauerhafte Gesundheit nicht absprechen, die ich schon im Vorhergehenden gerühmt habe; will auch sogar zugestehen, dass keine von ihnen bisher an dieser neuen Mode ihr Leben eingebüßt hat: aber sollte daraus folgen, dass sie vor aller Gefahr völlig sicher wären? Wenn ich nicht irre, so habe ich seit der Einführung dieser Mode weit mehr Kopf- und Zahnschmerzen, weit mehr Hautausschläge, besonders im Gesicht, beobachtet; selbst manche bedeutendere Krankheiten, besonders der Brust, die einzelne von ihnen trafen, habe ich Ursache genug, aus dieser Quelle abzuleiten; und wer weiß, welche langwierige Übel noch am Ende eine Folge davon sein können? Mir scheint dieser Gegenstand von so großer Wichtigkeit, dass ich bei der Rauheit unsers Himmels für unsere Frauenzimmer alles davon fürchte, und deswegen glaube ich auch mich nicht zu lange dabei aufgehalten zu haben.

Manche von den hiesigen Frauenzimmern haben seit der Einführung jener leichten Kleidung sich schon dem ungewohnten Zwange der Beinkleider unterworfen. Weit entfernt dieses zu tadeln, lobe ich es vielmehr und wünsche, dass mehrere sich dazu entschließen mögen, weil sie auch noch in anderer Hinsicht, wie ich in einem der folgenden Kapitel zeigen werde, ganz für unser Klima zu passen scheinen. Sollte daher die jetzt allgemein gewordene kühle Kleidung noch länger fortdauern: so wären die Beinkleider nach meiner Überzeugung noch wohl ein Mittel, sie weniger schädlich zu machen. Den Schnürbrüsten wünsche ich aus medizinischen Gründen eine ewige Verbannung; die Entblößung des Busens und der Arme muss aber nicht zu weit getrieben werden, wenn nicht die Eingeweide der Brusthöhle, und selbst die Verdauung darunter leiden sollen. Die Verstümmelung des Haupthaars scheint mir auch so gleichgültig nicht zu sein: denn ob wir gleich den Nutzen der Haare noch nicht bestimmt anzugeben im Stande sind; so leidet es doch wohl keinen Zweifel, dass sie einigen Nutzen haben. Anstatt der natürlichen Haare aber den Kopf mit falschen zu bedecken, finde ich vollends abgeschmackt und bedenklich. Was endlich die modischen Schuhe betrifft, so sind diese zwar nicht sehr geschickt, die scheinbare Verkürzung des Fußes zu bewirken, und manche Dame hat sie vielleicht schon lange im Stillen verwünscht *); aber dafür sind sie wegen der fehlenden Absätze gewiss der Gesundheit im Ganzen eben so zuträglich, als sie das Gehen erleichtern. Nur müssen sie nicht mit langen Schnäbeln versehen sein; weil diese so leicht Veranlassung zum Stolpern und Fallen geben, und aus dieser Ursache warne ich insbesondere Schwangere und kränkliche Personen vor ihnen. Übrigens haben wir durch die niedrigen Schuhe nun einmal wieder die Frauenzimmer in ihrer natürlichen Größe erblickt, die sie uns so lange durch die hohen Absätze verbargen.

*) Als ich dieses schrieb, trug man noch die Schuhe mit langen Spitzen allgemein, welche jetzt aber in eine natürlichere Form verändert sind.

Was ich bisher von der gegenwärtigen Kleidung des schönen Geschlechts gesagt habe, gilt eigentlich nur von der vornehmeren Klasse, die überhaupt in dem letzten Jahrzehnt weit moderner und luxuriöser in diesem Punkt geworden ist, als sie es ehedem war. Sie dient aber den übrigen Ständen gleichsam zum Muster, dem jeder andere sich nach seinen Kräften mehr oder weniger zu nähern bemüht. Ich erinnere mich noch sehr wohl der goldenen und silbernen Mützen, und der steilen Kopfzeuge, womit unsere Bürgerfrauen sonst überall erschienen. Dabei waren sie immer recht steif geschnürt, wenn es etwas gelten sollte; wussten sich durch die Zahl ihrer Röcke ein gewisses Ansehen zu geben; und trugen ihre Schuhe mit Schnallen und Absätzen. Allmählich verwandelte sich ihr simpler Mantel oder ihr altfränkischer Pelz in einen moderneren und in eine Saloppe; anstatt der Mützen fing man an, Hauben zu tragen, die zuletzt wieder den modischen Aufsätzen und Hüten weichen mussten; man entschloss sich sogar die Schnürleiber abzulegen, die Zahl der Röcke zu vermindern, bequemte sich zu den Schuhen mit niedrigen Absätzen; und alles hat sich an ihnen in weniger als zehn Jahren so verändert, dass man nicht selten zweifelhaft wird, ob man eine Schuster- oder Schneiderfrau für das halten soll, was sie ist, oder für die Frau eines Kaufmanns, oder eines Mannes aus dem ersten Stande. Am wenigsten kann man manche Schifferfrau von den Kaufmannsfrauen, an welche sie sich so gern anschließt, unterscheiden. Kurz, es hat sich in diesem Punkt gar sehr in Rostock geändert, und der beträchtliche Handelsverkehr hat während des letzten Krieges einen Luxus erzeugt, der wahrscheinlich der Moralität eben so wenig günstig sein wird, als der physischen Integrität einer sonst sehr unverdorbenen Menschenklasse. Übrigens sieht man, dass unter den angeführten Umständen von der Kleidung der Schiffer-, Künstler- und Handwerksfrauen eben das gilt, was ich schon darüber in Beziehung auf die höheren Stände angemerkt habe.

Selbst sogar die Dienstmädchen, die sonst doch an den meisten Orten gewöhnlich ihre eigene Tracht haben, machen hiervon in Rostock eine Ausnahme. Mehr oder weniger haben auch sie die neuen Kleidermoden nachgeahmt. Mützen tragen nur die erst kürzlich vom Lande hereingezogenen Dienstmädchen, die übrigen gehen in sogenannten Kornetten, an Son- und Festtagen aber sind sie auch damit noch nicht zufrieden. Ihre Kamisöler sind hinten und vorn eben so ausgeschnitten, wie die Kleider der vornehmen Damen, wovon ich insbesondere die seit einigen Jahren unter ihnen sehr häufigen Magenkrämpfe ableite; statt der vielen und schweren Röcke tragen sie jetzt wenige und leichte, und die Form ihrer Schuhe gleicht der der Vornehmen. Nur allein die Frauen des Tagelöhners und des ärmeren Handwerkers sind der alten Sitte getreu geblieben, schwerlich aber aus einem andern Grunde, als weil ihre Vermögens-Umstände ihnen engere Grenzen setzen.

180 Eben so sehen wir auch die Männer der dritten Klasse, ja selbst einen großen Teil der Handwerker wenig oder gar nicht von den vor 10 vielleicht schon 30 Jahren üblichen Trachten und Moden abweichen. Mancher lies sich vielleicht um diese Zeit sein Ehrenkleid machen, und hat es so geschont, dass er an Son- und Festtagen, oder bei andern Gelegenheiten noch immer darin paradieren kann. Alltäglich trägt der Arbeitsmann Stiefel und wollene Strümpfe, lederne Beinkleider, eine kurze Jacke von dickem Wollenzeuge und mehrenteils grobem Tuche, unter welcher er aber noch, außer dem Hemde ein Kamisol, ein Brusttuch, bisweilen auch wohl eine Leibbinde hat. Außer der Arbeit und im Winter erscheinen die Arbeitsleute häufig noch in einem schwarzen Rocke von einem leichten wollenen Zeuge mit weißen Knöpfen, der manchmal aber schon seine schwarze Farbe verloren, und eine graue dafür angenommen hat. Über die häusliche Kleidung der Handwerksleute und Künstler darf ich nichts sagen. Nach Verhältnis ihrer Beschäftigungen kleiden sie sich eben so, wie überhaupt in dem nördlichen Deutschlande. An Feiertagen werfen sie sich aber in die schon angeführten Ehrenkleider, die von verschiedener Farbe und Güte, mehr oder weniger altfränkisch und nach einem Schnitt gemacht sind, den man in den Modejournalen nicht mehr findet. Dabei tragen sehr viele ihre kurzen runden Perücken, Stiefel oder Schuhe, die sie mit kleinen oder größeren Schnallen befestigen. Es ist nicht zu leugnen, dass mancher Bürger in dieser Kleidung ein sehr altväterisches Ansehen erhält, und von den modischen jungen Bürgern oftmals wohl ein wenig ausgelacht wird; aber dagegen hat er auch nicht nötig, sich alle Jahre oder noch öfter einen neuen Rock machen zu lassen, darf sich nicht um die Mode bekümmern, und kann getrost das Geld, was Andere für Putz und Staat ausgeben, zu dringenderen Bedürfnissen verwenden, und bei seiner im Ganzen warmen Kleidung kann er sich mit weniger Gefahr der hiesigen Witterung exponieren. Während die feineren Herren unter den Handwerkern in leichten modischen Schuhen, dünnen Strümpfen, kurzen Westchen, und weggeschnittenen Röckchen sich zwar nichts geringes zu sein dünken, aber auch oft die physischen Strafen ihrer Modesucht erfahren, wenn die, besonders bei rauer und übler Witterung, einmal des Sonntags in die Kirche oder in Gesellschaften gehen, nachdem sie oft die ganze Woche in ihrer Werkstatt gesessen hatten. Dies letztere fangen sie zwar allmählich an mehr einzuschränken, vielleicht um sich zugleich mehr an die Veränderlichkeit des Wetters zu gewöhnen; aber ich befürchte, dass darunter oft ihre übrigen Bedürfnisse sehr leiden. Ihre Gesellen kleiden sich zum Teil noch mehr nach der Mode, und wenden großenteils mehr auf ein vermeintliches Bedürfnis, das, als ein solches betrachtet, ihnen gewiss erlauben würde, manchen Notpfennig zu ersparen, den sie nun nicht erübrigen können. Wie dabei manche von ihnen, die aus einem besseren Klima hierher kommen, für ihre Gesundheit sorgen, lässt sich leicht erraten, und ich darf wohl kaum hinzusetzen, dass sie nicht selten früher oder später die Folgen ihrer Modetorheiten zu büßen haben.

Unter dem männlichen Geschlecht aus den ersten Standen herrscht im Allgemeinen kein solcher Kleiderluxus, als unter dem Frauenzimmer, wofür diese zwar die leichtere Benutzung eines Kleides unter mancherlei Gestalt zu ihrer Entschuldigung anführen können, aber dabei doch sehr häufig die vielen kleinen Ausgaben, welche zu jeder Veränderung nötig sind, zu summieren vergessen, und überhaupt sich an die nachteiligen Folgen solcher Veränderungen für ihre Gesundheit nur selten zu erinnern pflegen. Der gesetzte Mann erscheint bei uns im Ganzen in einer anständigen, und sich ziemlich gleichbleibenden Kleidung. Viele von ihnen haben die sonst hier sehr allgemeinen Perücken abgelegt, so dass die Perücken-Macher schon darüber zu klagen anfangen. Dagegen sieht man sie gemeiniglich nicht anders als in Stiefeln, mit denen sie sowohl, als die jüngeren, fast alle Gesellschaften besuchen. Sie behalten oft auch den Sommer hindurch ihre wollenen Strümpfe bei, versehen sich mit Brusttüchern, Kamisölern und Leibbinden, und tragen sich also sehr dem Klima gemäß, in welchem sie leben. Die Jüngeren folgen, wie überall, mehr der jedesmaligen Mode, und zeigen sich daher in einer sehr veränderlichen, oft aber ihrer Gesundheit nicht sehr angemessenen Kleidung.

Bei dieser Gelegenheit muss ich noch einige allgemeine Bemerkungen über die hiesige Kleidung, besonders die männliche, machen, die mir hier allerdings einen Platz zu verdienen scheinen. Als ich nach Rostock kam, und mit der hiesigen Witterung noch nicht bekannt war, wunderte ich mich Anfangs gar sehr über die vielen und warmen Kleidungsstücke, die man auch selbst während des Sommers zum Teil nicht gänzlich ablegte. Die meisten Mannspersonen trugen ein sogenanntes Brusttuch, und legten bei ihrer Verheiratung noch gewöhnlich eine Leibbinde zu. Viele trugen Beinkleider von Tuch, oder einem anderen warmen Zeuge, und keine anderen, als wollene Strümpfe. Auch wunderte ich mich nicht wenig darüber, dass man so allgemein hier in Stiefeln ging, wovon ich indessen den zureichenden Grund bald in den oft schmutzigen Straßen, und in der hiesigen Lufttemperatur fand. Auf eine ähnliche Art kleidete sich im Ganzen das Frauenzimmer, und selbst die Kinder hielt man sehr warm. Nachdem ich aber die Eigenheiten der hiesigen rauen Seeluft hatte kennen gelernt: war ich weit entfernt, dies alles zu tadeln, und fand es vielmehr den Umständen ganz angemessen, so dass ich selbst auch in der Folge nicht selten zu den flanellen Hemden, den zwar immer noch ziemlich allgemeinen, nur von dem jungen Frauenzimmer oftmals verschmähten, wollenen Strümpfen, und zu anderen, die Ausdünstung unterhaltenden Kleidungsstücken geraten habe, als man allmählich die alte Gewohnheit zu verlassen, und sich mehr nach den in Frankreich erfundenen Moden zu kleiden anfing, woraus ich in der Tat häufig genug Krankheiten entstehen sah. In den gegenwärtigen Zeiten ist das schöne Geschlecht am meisten von dieser löblichen Gewohnheit abgewichen: denn nur einige, schon zu sehr an diesen Gebrauch gewöhnte Frauen, und die meisten aus dem dritten Stande kleiden sich noch so, wie sie es immer taten; und mir sind mehrere bekannt, die dabei ein Alter von 70 bis 80 Jahren schon glücklich erreicht haben. Mehr und allgemeiner ist aber noch das männliche Geschlecht im Ganzen dieser Sitte getreu geblieben; und sie befinden sich zum Teil dabei weit besser, sind viel gesunder und lebhafter, als einige Jüngere, die in neueren Zeiten dem Szepter der Modegöttin gehuldigt haben, obgleich doch auch mancher hiervon eine Ausnahme macht.

Überhaupt ist auch die männliche Modetracht nicht so verschieden von der sonstigen Art, sich zu kleiden, als die des anderen Geschlechts. Vielmehr ist sie wärmer, als manche der vorhergegangenen Formen. Denn ob man gleich die kurzen Röcke jetzt besonders liebt: so schützen sie doch den Leib mehr als sonst, weil man sie zuknöpft. Der Nachteil der kurzen Westen wird durch die höheren Beinkleider verbessert. Dabei kann man die Stiefeln, wie denn auch häufig geschieht, immer forttragen, oder wenn man Schuhe anzieht, darf man doch wenigstens nicht die wollenen Strümpfe weglassen, womit das schöne Geschlecht, dem es vorzüglich um kleine Füße zu tun ist, sich überwiegend gern verschont sieht. Man geht jetzt auch nicht mehr mit offener Brust, wie sonst, und kleidet sich also gewissermaßen noch wärmer; nur scheint es mir, dass man es mit den dicken Halstüchern beinahe übertreibt. Man kann also im Allgemeinen wohl sagen, dass die neumodische Kleidung des männlichen Geschlechts bei der großen Bequemlichkeit auch noch den Vorteil gewährt, der Gesundheit wenig oder gar nicht zu schaden, wenn man sie nicht übertreibt. Die größten Verehrer der neuen Mode findet man übrigens, wie gewöhnlich, unter den jungen Kaufleuten, und manchen anderen wenig beschäftigten jungen Herren; hingegen kann man es den hier studierenden Jünglingen ohne Schmeichelei nachrühmen, dass sie größtenteils die Mode nicht übertreiben, und in den Schranken der Sittlichkeit und des Anstandes bleiben.

Wenn ich bei dieser allgemeinen Würdigung der hiesigen Kleidertracht hin und wieder etwas gesagt haben sollte, was die Kleidung überhaupt, und die moderne insbesondere betrifft: so glaube ich gleichwohl deshalb keinen Vorwurf einer zu großen Weitläufigkeit zu verdienen; weil sich diese allgemeinen Bemerkungen nicht füglich von einer Untersuchung trennen ließen, die, so bestimmt sie sich auch auf die speziellen Verhältnisse der hiesigen Stadt beziehen sollten, immer mit der allgemeinen Mode zusammentrafen. Ein Vergleich des Allgemeinen und Besonderen schien mir daher eben so wenig unpassend zu sein, als außer den Grenzen meiner Schrift zu liegen; da, wie ich gezeigt habe, der allgemeine Geschmack einen so unleugbaren Einfluss auf die gegenwärtige Generation der hiesigen Einwohner gehabt hat. Dabei schmeichle ich mir aber zugleich, die beiden wichtigsten Punkte überall bemerkbar gemacht zu haben, wie nämlich der Luxus in Kleidern, der sich aber nicht bloß auf die Mannigfaltigkeit der Formen, sondern, wie ich hier noch hinzusetzen muss, auch auf die Güte und Feinheit der dazu erforderlichen Stoffe bezieht, in dem letzten Jahrzehnt zugenommen hat, und in wie fern teils die jetzige Art, sich zu kleiden, dem hiesigen Klima angemessen ist, teils es nach den Eigentümlichkeiten desselben sein müsste, wenn wir dabei auf die Erhaltung unserer Gesundheit, und auf die Verlängerung unserer physischen Existenz möglichst Rücksicht nehmen wollen. Übrigens können wir bei aller Zunahme des hiesigen Kleiderluxus unter dem schönen Geschlecht uns doch noch in ökonomischer Hinsicht sehr gratulieren, dass es darin den benachbarten Städten, Güstrow und Schwerin, lange nicht gleich kommt.

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Rostock - Giebelhäuser bei der Nicolaikirche

Rostock - Giebelhäuser bei der Nicolaikirche

Rostock - Markt, Marienkirche und Blutstraße

Rostock - Markt, Marienkirche und Blutstraße

Hansestadt Rostock - Stadtansicht

Hansestadt Rostock - Stadtansicht

Der Kamp mit dem Herzoglichen Palais.

Der Kamp mit dem Herzoglichen Palais.

Der Heilige Damm und die Ostsee.

Der Heilige Damm und die Ostsee.

Der Neue Markt in Doberan.

Der Neue Markt in Doberan.

Der Kamp nach Osten.

Der Kamp nach Osten.

Das Stahlbad zu Doberan.

Das Stahlbad zu Doberan.

Unbekanntes Mädchen um 1820

Unbekanntes Mädchen um 1820

Unbekannte Schönheit mit Hündchen

Unbekannte Schönheit mit Hündchen

Unbekannte Schönheit des 19. Jahrhunderts

Unbekannte Schönheit des 19. Jahrhunderts

Unbekanntes junges Mädchen mit Katze

Unbekanntes junges Mädchen mit Katze

Unbekannte Schönheit mit Kätzchen

Unbekannte Schönheit mit Kätzchen

Unbekannte Schönheit vom Lande mit Hahn

Unbekannte Schönheit vom Lande mit Hahn

Unbekannte reife Frau des 19. Jahrhunderts

Unbekannte reife Frau des 19. Jahrhunderts

Unbekanntes junges Mädchen

Unbekanntes junges Mädchen

165. Magasin des Modes 1785

165. Magasin des Modes 1785

169. Gallerie des Modes

169. Gallerie des Modes

188. Chodowiecki, 1780

188. Chodowiecki, 1780

189. Chodowiecki, 1780

189. Chodowiecki, 1780

Damenmode Paris 1790

Damenmode Paris 1790

Damenmode Paris 1791

Damenmode Paris 1791

Damenmode Paris 1793

Damenmode Paris 1793

Damenmode Paris 1794

Damenmode Paris 1794

Damenmode Paris 1801

Damenmode Paris 1801

Damenmode Paris 1802

Damenmode Paris 1802

Damenmode Paris 1803

Damenmode Paris 1803

Damenmode Paris 1804

Damenmode Paris 1804

Damenmode Paris 1805

Damenmode Paris 1805

Damenmode Paris 1806

Damenmode Paris 1806

Damenmode Paris 1807

Damenmode Paris 1807

Damenmode Paris 1808

Damenmode Paris 1808