Reibsteine, oder Roll- und Klopfsteine.

Zur Altertumskunde im engeren Sinne - Vorchristliche Zeit - Steinzeit.
Autor: Lisch, Georg Christian Friedrich (1801 Strelitz - 1883 Schwerin) Prähistoriker, mecklenburgischer Altertumsforscher, Archivar, Konservator, Bibliothekar, Redakteur, Heraldiker und Publizist (Freimaurer), Erscheinungsjahr: 1862
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Schleifsteine, Keile, Meißel, Messer, Lanzenspitzen, Pfeilspitzen, Feuersteinsplitter
Es werden sehr häufig runde oder fast rund geriebene Steine aus hartem Gestein, z. B. altem Sandstein, feinkörnigem Granit, Quarz u. dgl. gefunden, welche gewöhnlich 3 bis 5 Zoll im Durchmesser haben und der Steinperiode anzugehören scheinen. In neueren Zeiten sind sie auch in Mecklenburg sehr häufig beobachtet und gefunden, so dass die Schweriner Sammlungen bereits eine große Anzahl besitzen. In dem Jahrb. XXIII., S. 276 flgd., habe ich mich dafür erklärt, dass diese Steine nicht zum Behauen der steinernen Werkzeuge, also nicht als „Klopfsteine", sondern zu häuslichen Zwecken, z. B. zum Zerreiben des Brotkorns und harter Baumfrüchte, also als ,,Reibsteine", gedient haben, — wenn ich auch daneben die Ansicht hingestellt habe, dass sie auch vielleicht als Rollsteine zum Fortbewegen der großen Steinmassen gebraucht sein könnten. In neuern Zeiten sind diese Steine aber auch in unterirdischen Wohnungs- oder Kellerräumen gefunden worden (vgl. Jahrb. XXVI,, S, 128), und dies bestärkt in mir meine Hauptansicht, dass sie nur zu Reibsteinen gedient haben werden. Diese Ansicht wird durch eine sehr merkwürdige Entdeckung lebhaft unterstützt. Bei dem Dorfe Hilversum in Nordholland wurden seit dem Jahre 1852 viele aus Steinen aufgeführte, den Steingräbern ähnliche, höhlenartige Wohn Plätze über der Erde aus der Steinzeit entdeckt und aufgedeckt, welche, wie die Pfahlbauten in der Schweiz, eine lehrreiche Einsicht in die Zustände der Steinzeit gewähren. (Vgl. Hilversumsche Oudheden, door Dr. Janssen, Konservator te Leyden, Arnhem, 1856.) In diesen Wohnungen oder Herden fanden sich nun neben vielen Holzkohlen und Tierknochen sehr zahlreiche Gerüche aller Art aus Stein: Schleifsteine, Keile, Meißel, Messer, Lanzenspitzen, Pfeilspitzen, Feuersteinsplitter, und neben diesen auch oft viele von den beschriebenen Reibsteinen; vgl. Janssen a. a. O., z. B. S. 8, 10, 11, 16 usw. Diese Reibsteine („ballen") waren rund, von Quarz, Quarzit, Granit und ähnlichen harten Gesteinen, von 3 1/2 bis 5, auch 6 und 7 Zoll Durchmesser. In einer Wohnung z. B. fanden sich 9 Reibsteine in einen Kreis gelegt und innerhalb des Kreises 50 steinerne Gerätschaften in Asche, Kohlen und Knochen; in einer andern Wohnung fanden sich 12 Reibsteine und umher steinerne Keile; an einer andern Stelle lagen 7 Reibsteine neben einander. Aus diesem Vorkommen an unzweifelhaften Wohnplätzen in Verbindung mit andern steinernen Geräten der Steinperiode scheint sicher hervorzugehen, dass diese Steinkugeln zu häuslichen Geräten, namentlich zum Zerreiben von Früchten, also allein als Reibsteine, gedient haben.
          G. C. F. Lisch.
Lisch, Georg Christian Friedrich (1801-1883) mecklenburgischer, Archivar, Altertumsforscher, Bibliothekar, Redakteur, Publizist

Lisch, Georg Christian Friedrich (1801-1883) mecklenburgischer, Archivar, Altertumsforscher, Bibliothekar, Redakteur, Publizist