Putbus und sein Park

Aus: Meine Reise durch Schlesien, Galicien, Podolien nach Odessa, der Krim, Konstantinopel und zurück über Moskau, Petersburg, durch Finnland und die Insel Rügen im Sommer 1832. Zweiter Teil. Leipzig, 1834.
Autor: Behr, August von (?-?), Erscheinungsjahr: 1834
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Insel Rügen, Reisebeschreibung, Aale, Neuendorf, Pommern, Arkona, Jasmund, Wiek, Greifswald, Putbus, Stubbenkammer
Der Wind blies kräftig aus Osten und brachte uns schon früh an die Küste von Putbus nach Neuendorf, unfern des neuen Seebades, wo wir landeten und das Schiff verließen.
In den Häusern am Strande nahmen wir einen Träger mit für unsere Sachen, und schritten rüstig nach dem, drei Viertelstunde vom Strande gelegenen Putbus, das durch die Sorgfalt des da selbst residierenden reichen Fürsten seit kurzer Zeit, ungefähr seit 25 Jahren, zu einem der angenehmsten Badeorte mit ansehnlichen, in einer langen Straße liegenden neuen hübschen Gebäuden, einem großen herrschaftlichen Bade- und Gasthaus, Theater etc. umgeschaffen ist.

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Der sehr schöne Park trägt am meisten zu der freundlichen Lage dieses Badeorts bei, er zieht sich auf allen Seiten daran und drum herum und mitten in ihm steht das große Schloss, aus altertümlichen Formen mit Kunst neu hergestellt, und zu einem Palais im neuen Styl geschmackvoll geschaffen.
Die Marställe und die vielen andern herrschaftlichen Gebäude, die Orangerie auf einem grünen Hügel, der große Speisesaal mit Spielzimmern und Restauration zu Gunsten der Badegäste erbaut, ein Tiergarten, in welchem viele zahme Rot- und Dammhirsche, Rehe, und in einer besonderen Abteilung seltene Vögel, Gold- und Silberfasanen sich befinden; dann wieder ein umzäunter, aber Jedem zugänglicher großer Blumen- und Fruchtgarten, der eigentliche pleasure-ground mit auserlesenen Blumen und Gewächsen, sind Teile dieses großen und schönen Parks, der sich über dem durch herrliche Alleen und Schattenpartien, Bowling-greens, fließende Wasser, Seen, und durch prächtige uralte Eichen, Buchen und Linden auszeichnet, und in welchem man sich Stundenlang mit steter Abwechslung ergehen kann.
Die Spaziergänge führen auch ins Freie, auf benachbarte Hügel mit Aussichten aufs Meer, auf die benachbarte Insel Vilm (welche als Jagdterrain vom Fürsten oft besucht wird) und auf die fernen Küsten der Halbinsel Mönchgut; eine schöne Linden Allee begrenzt den Tiergarten auf der einen, und die lange Hauptstraße auf der andern Seite. Genug! für die Promenaden der Badegäste ist trefflich gesorgt.
Da wir beschlossen hatten, über Putbus zurückzukehren, so besahen wir für jetzt nur im Fluge die Schönheiten des Parks, mieteten einen der leichten, für Inselfahrten hier üblichen langen Stuhlwagen mit zwei raschen Pferden, bespannt, und fuhren nach eingenommenen Dejeuner dinatoire, und nachdem wir uns mit Karte, Wegweisern und einigen Beschreibungen von Rügen wohlversehen, und darin zu studieren und uns zu orientieren nicht versäumt hatten, ab, um noch bei Zeiten nach der vier Meilen entfernten Stubbenbenkammer zu gelangen, wo nach eingezogener, Erkundigung, jetzt ein Wirtshaus existierte, in welchem man recht füglich die Nacht zubringen könne.

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