Putbus, Schloss, Theater auf Rügen

Aus: Meine Reise durch Schlesien, Galicien, Podolien nach Odessa, der Krim, Konstantinopel und zurück über Moskau, Petersburg, durch Finnland und die Insel Rügen im Sommer 1832. Zweiter Teil. Leipzig, 1834.
Autor: Behr, August von (?-?), Erscheinungsjahr: 1834
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Insel Rügen, Reisebeschreibung, Aale, Neuendorf, Pommern, Arkona, Jasmund, Wiek, Greifswald, Putbus, Stubbenkammer
Der Weg nach Putbus glich dem bisherigen, zwischen fruchtbaren Ackerfeldern, endete aber zuletzt in einem schönen Eichenwalde, aus welchem ums Putbus freundlich, entgegen glänzte.

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Nach eingenommenem splendiden Diner in dem großen Fürstenhofe, dem für fremde Badegäste eigentlich bestimmten – soviel ich glaube - unter fürstlicher Administration stehenden Logierhause für wenigstens 50 – 60 Individuen berechnet, durchstrichen wir mit unserem gefälligen Wirt den schon beschriebenen Park, und sahen con amore alle einzelnen Schönheiten desselben, wandelten durch alle Straßen des Städtchens, oder wohl eigentlich des Fleckens Putbus und bemerkten mit Vergnügen, dass auch die entfernteren Neben- und Querstraßen mit kleinen Häusern sich durch besondere Reinlichkeit und Nettigkeit auszeichneten und größtenteils neu erbaut schienen. Wir kamen zurück über einen viereckigen, mit Pappeln gezierten und in Mitten mit großem Rasenplatz versehenen Marktplatz, von welchem unser Gasthof die eine, das Theater die andere Ecke bildet, ließen uns - da die während der Badesaison spielende Gesellschaft schon wieder abgereist war – das Haus aufschließen, das uns durch seine Schönheit und geschmackvolle Einrichtung überraschte, und dessen Eleganz und Reinlichkeit den Theatern vieler großen Städte zum Muster dienen könnte; (das Frontispiz des Eingangs zieren die Musen en bas relief) und erhielten die Vergünstigung, da der Fürst auf der Jagd war, auch das Innere des Schlosses zu sehen, das sehr elegant eingerichtet ist. Einige schöne Statuen von Thorwaldsen, hetrurische Gefäße, Ausgrabungen von Herculanum und Pompeji sind hier bemerkenswert, letztere bei Anwesenheit des Fürsten dort von ihm selbst veranstaltet; sie verdienen die Aufmerksamkeit jedes Kenners, und sprachen auch uns sehr an. – Ich hatte mit dem Fürsten in Göttingen studiert, mochte mich ihm aber nicht vor stellen, um nicht durch seine Gastfreiheit, die er gegen jeden Fremden übt und welcher ich wohl in nicht geringerem Grade wäre gewürdigt worden, im Plan meiner Reise aufgehalten zu werden; denn die Sehnsucht nach der Heimat, nach Gattin, Kindern und Freunden wuchs immer mehr, und ich hatte nirgends Ruhe.

Der Fürst hat übrigens den Ruf, welcher durch den Augenschein ersichtlich bestätigt wird, dass er sein großes Vermögen, von mehr als 80.000 Thlr. Revenüen, bei einem Grundbesitz von 70-80 Gütern, auf das Trefflichste zum Wohl seiner Untertanen, und zur Verschönerung seiner Schöpfungen auf Putbus verwendet. Gern hätte ich ihn, wiedergesehen, seine treffliche Gattin und seine schöne Tochter Asta kennengelernt, die eine große Jägerin und Büchsenschützin sein soll, und uns längst auf dem Königsschießen den Preis gewann.

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