Prillwitz. Hohenzieritz. Neu-Strelitz.

Aus: Das deutsche Vaterland in Reisebildern und Skizzen für das Jünglingsalter und die Gebildeteren aller Stände
Autor: Heinzelmann, Friedrich (?-?) Herausgeber und Reiseschriftsteller, Erscheinungsjahr: 1858
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Prillwitz. Hohenzieritz. Neu-Strelitz. Wenden, Rhetra, Radegast, Königin Louise von Preußen,
Im Süden des Tollensees liegt an einem kleineren See Prillwitz mit einer inkrustierenden Quelle Eliasbäk und einem großen englischen Garten, wo wahrscheinlich richtiger, als in Pommern, die alte Wendenstadt Rhetra mit dem Haupttempel des Radegast stand. Nicht weit davon starb auf dem großherzoglichen Lustschloss Hohenzieritz am 19. Juli 1810 die vielgeliebte Königin Louise von Preußen; ihr Andenken wird dort geehrt durch eine schöne Büste von weißem Marmor. Nächst vielen prunkenden Herrenhäusern der höchst zahlreichen Rittergüter schimmern dem Reisenden hier überall Seen entgegen; denn Mecklenburg zählt deren im Ganzen allein 46 größere; die kleineren sind vielleicht noch nie zusammengezählt worden. Die Waldungen zeigen Buchen, Eichen und Kiefern. Die Wege sind vielfach mit Weiden bepflanzt.

Neu-Strelitz (7.000 E.) liegt sehr freundlich auf einigen Hügeln zwischen dem Zierber und Glambecker See. Der Markt bildet ein Achteck, von welchem sternförmig acht Straßen (es gibt deren aber zwölf) ausstrahlen. Die Stadt trägt die frischen hellen Züge der Jugend an sich; denn sie wurde erst 1726 vom Herzog Adolph Friedrich III. begründet und zwar an der Stelle der 930 vom Sachsenherzog Bernhard zerstörten Wendenfestung Lunkin oder Lienke. Aus dem großen Schulgebäude mit dem Gymnasium, der Real- und Bürgerschule geht die Kultur des Geistes, aus dem Gebäude der Landeskollegien die ordnungsmäßige Kultur des Landes hervor. Der Glanzpunkt ist indes das großherzogliche Residenzschloss, dreistöckig im dorischen und römischen Stil, mit zwei vorspringenden Flügeln, die auf jeder Seite in einem Pavillon enden. In dem Kunst-Kabinett zeigt man unter Anderem kleine metallene obotritische Götzenbilder, die nebst Opfermessern und Opferschalen gegen Ende des 17. Jahrhunderts zu Prillwitz am Tollensee als Inhalt eines großen Kessels ausgegraben wurden. Alles hat durch Feuer gelitten. Die Statuen sind meistens nur sechs Zoll hoch, die Größe des Hauptgötzen Radegast aber beträgt einen Fuß. Auf seinem von Löwenhaar umwallten Haupte sitzt ein Vogel, und der Name Rhetra weist hin auf den Haupttempel. Der dem Publikum geöffnete Schlossgarten entfaltet mit seinen englischen Partien, Pavillons, Einsiedeleien, Laubgängen, hohen Rüstern und ungewöhnlich schönen Weiden am Wasser des Sees die mannigfaltigsten Reize.

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Neustrelitz, Schloss

Neustrelitz, Schloss

Neustrelitz, Markt

Neustrelitz, Markt

Neustrelitz, Markt mit Kirche

Neustrelitz, Markt mit Kirche

Neustrelitz, Marktplatz

Neustrelitz, Marktplatz

Neustrelitz, Marktplatz und Rathaus

Neustrelitz, Marktplatz und Rathaus

Neustrelitz, Orangerie

Neustrelitz, Orangerie

Neustrelitz, Schloss mit Schlosskirche

Neustrelitz, Schloss mit Schlosskirche

Neustrelitz, Schloss 2

Neustrelitz, Schloss 2

Neustrelitz, Schlossgarten

Neustrelitz, Schlossgarten