Plau, den 9. Februar 1826 - Erwiderung in Betreff der Plauer Stadtschule

Aus: Freimütiges Abendblatt, Band 8 (1826)
Autor: Krause, Kriegk, Federow, Erscheinungsjahr: 1826
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg, Plau, Stadtschule, Schulwesen, Landesgeschichte, Stadtgeschichte, Bildung, Schulgeschichte, Bürgerschule
Die in der aus Plau im freim. Abendbl. No. 366 mitgeteilten Nachricht enthaltene Äußerung, dass die hiesige Schule einer sehr großen Reform bedürfe und nicht viel von ihr zu rühmen sei, konnte uns bei dem Bewusstsein treu erfüllter Pflicht und bei wahrem Ehrgefühl nicht gleichgültig sein. Wir wandten uns also an das hiesige Schulinspektorat mit der Bitte, diese ungegründete und beleidigende, und zwar nicht uns allein, sondern auch andere verehrliche Männer beleidigende Äußerung auf eine angemessene Weise zu widerlegen.

*****************************************
Allein wir sind auf unsere, bereits unterm 16ten v. M. eingereichte Vorstellung eben so wenig einer Antwort gewürdigt worden, als auf alle, seit 3 Jahren bei dem Inspektorate gemachten Anträge, und sind also in die Notwendigkeit gesetzt, das Geschäft der Ehrenrettung unserer Schule und unserer Amtsführung selbst zu übernehmen. Zu diesem Zwecke vergönnen wir uns auf die gedachte, aus der Luft gegriffene Beschuldigung folgende gegründete Gegenbemerkungen:

1) Die hiesige Schule, die schon seit geraumer Zeit eine allerhöchst bestätigte Schulordnung hatte, während die meisten Bürgerschulen in unserem Vaterlande solche entbehrten, hat im Jahre 1805 eine neue, zeit- und ortsgemäße, und dem Begriffe einer Bürgerschule entsprechende Organisation erhalten: und es ist darüber von dem wailand wohlverdienten Hrn. Konsistorialrat Piper, als allerhöchst verordneten Kommissarius, mit Zuziehung der hiesigen Geistlichkeit, des Magistrats und der repräsentierenden Bürgerschaft, ein sehr ausführliches Schulreglement entworfen, allerhöchst bestätigt, und zu Michaelis 1805 auf gesetzliche Weise publiziert und in Ausführung gebracht worden.

2) Von dieser verbesserten Einrichtung unsers Schulwesens hat der vormalige Hr. Rektor Hempel, jetzt Prediger in Vietellübbe, in einer im Jahre 1807 erschienenen Schulschrift Nachricht gegeben, die das Wesentlichste hinsichtlich der äußern und inneren Einrichtung unserer Schule enthält, und die in den Annalen der Rostocker Akademie, im Jahrgänge 1808, eine vorteilhafte Beurteilung gefunden hat.

3) Endlich ist unsre Schule von einem kompetenten Richter, dem im gelehrten Publikum als Philologen und Pädagogen rühmlichst bekannten und zur Untersuchung der Stadtschulen unseres Vaterlandes allerhöchst bevollmächtigten Herrn Oberschulrate Görenz, für eine der besten unserer vaterländischen Bürgerschulen erklärt worden. Dieser verdienstvolle Gelehrte äußerte nämlich gegen mich, den Rektor, im Sommer des Jahrs 1820 bei seiner Anwesenheit hierselbst, da derselbe die Schulen in mehreren Städten schon besucht hatte und noch in einigen solche zu besuchen im Begriff war, dass er die zweckmäßige Verfassung unsers Schulwesens aus dem Reglement, welches in seinen Händen war, mit Wohlgefallen habe kennen gelernt, es daher nicht für nötig achte, unsere Schule zu inspizieren, und mich nur ermuntern und durch mich meine Kollegen ermuntern lassen wolle, den auf uns sich beziehenden Bestimmungen der Schulordnung treulich nachzukommen, welcher verehrten so ernsten als liebevollen Ermunterung wir jederzeit gewissenhaft Folge geleistet zu haben uns bewusst sind, und alle Wohldenkende und Unterrichtete uns bezeugen müssen.

Aus diesen faktisch begründeten Bemerkungen springt in die Augen, dass der in dem gedachten Aufsatze hingeworfene Ausspruch: unser Schulwesen bedürfe einer sehr großen Reform etc. grundfalsch ist, und nur aus Unbekanntschaft des anonymen Verfassers mit unsrer Schule und dem Schulwesen überhaupt, oder aus Animosität geflossen sein kann.

Wir halten es aber doch noch für ratsam, die erwähnte amtliche und öffentliche Nachricht von der verbesserten Einrichtung unsers Schulwesens im Auszug durch eine Beilage dieses beliebte Blatt mitzuteilen, um so mehr, da dies zugleich als Maßstab zur Beurteilung der Glaubwürdigkeit der von dem anonymen Plauer Korrespondenten gegebenen Nachrichten dienen kann.
Plau, den 9. Februar 1826.
W. A. Krause, Rektor
Pastor C. F. Kriegk, Korektor
U. W. Federow, Kantor.
Plau, Stadtsiegel

Plau, Stadtsiegel