Pilze der Heimat

Eine Auswahl der verbreitetsten essbaren, ungenießbaren und giftigen Pilze unserer Wälder und Fluren in Bild und Wort
Autor: Gramberg, Eugen (1865-1945) Lehrer und Pilzkundler / Doerstling, Emil (1859-1940) Kunstmaler, Erscheinungsjahr: 1913

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Themenbereiche
Enthaltene Themen: Pilzkunde, Pilze, Natur, Wald und Wiese, Pilzart, Pilzkenner, Pilznamen, Verwendung, Pfifferlinge, Knoblauchpilz, Butterpilz, Birkenpilz, Steinpilz, Suppenpilz, Giftpilz, Speisepilz, Pilzgericht
Unsere populäre Pilzliteratur ist reich an kleinen, illustrierten Hilfsbüchern, die der ersten Einführung dienen wollen; doch gibt es nur sehr wenige größere Werke, die in künstlerischer, wissenschaftlicher und praktischer Hinsicht weitergehenden Ansprüchen genügen. Daher nahm ich seinerzeit die Aufforderung, für die vorliegende Sammlung naturwissenschaftlicher Atlanten die höheren Pilze unserer Heimat zu bearbeiten, gern an. nach jahrelanger Arbeit ist nun das vorliegende Werk entstanden, das ich hiermit in der Hoffnung, eine brauchbare Einführung in das interessante gebiet geschaffen zu haben, der Öffentlichkeit übergeben.



007 Samtfuß-Krempling, Paxillus atrotomentosus. Genießbar

Die größte Sorgfalt wurde – wie dies schon im Wesen der Atlanten liegt – der Herstellung der Abbildungen zugewendet, einer Arbeit, an der der Schöpfer der Tafeln, Herr Kunstmaler E. Doerstling, Königsberg i. Preußen, das größte Verdienst hat. Mit welcher Hingabe und Gewissenhaftigkeit diese Abbildungen geschaffen sind, die in der ganzen Literatur einzig dastehen dürften, wird jeder leicht erkennen, der sich eingehend mit dem schwierigen Gebiet zu beschäftigen versucht.

Jede Pilzgruppe ist in ihrer natürlichen Umgebung dargestellt, d. h. so, wie sie zwischen Moosen, Flechten, Farnen und anderen Begleitpflanzen aus Nadeln, altem Laub u. dgl. hervorsprießt, auf Baumstümpfen, an Stämmen wächst und von Schnecken oder Käfern besucht wird. Jede Tafel spiegelt somit ein Stück heimischen Naturlebens wieder. Es ist anzunehmen, dass Bilder dieser Art, von denen nicht wenige als wirkliche Kunstwerke gelten können, den Beschauer mehr befriedigen als die in den meisten bisher erschienenen Werken gebotenen Abbildungen, in denen die Pilzgruppen entweder nur mit schematisch gehaltenem Moos oder Gras umgeben oder ohne jeden Zusammenhang mit ihrem Nährboden gemalt sind.

Ferner wurde jede Pilzart in natürlicher Größe dargestellt (nur bei wenigen, besonders großen Arten war dies nicht durchführbar), wodurch das Wiedererkennen in der Natur sehr erleichtert wird. Auch die sonst am besten ausgestatteten populären Werke geben die Pilze fast durchgängig verkleinert wieder, eine Maßnahme, die Anfängern das so schwierige Bestimmen der Pilze oft sehr erschwert, und durch die nicht selten völlig irrige Vorstellungen hervorgerufen werden.

Da nur wirklich zuverlässige Abbilder eine schnelle, sichere Bestimmung ermöglichen und auf nur einen Blick das erkennen lassen, was sich in der Beschreibung viel unvollkommener oder nur weitschweifig ausdrücken lässt, wurden weiter Form und Farbe jeder Pilzart aufs genaueste wiedergegeben. Bei solchen Arten, die in ihrer Färbung stark wechseln, sind stets verschieden gefärbte Exemplare ausgewählt. Der Übelstand, dass hierdurch, sowie durch die Darstellung der verschiedenen Wachstumsstadien manche Pilze dichter gruppiert werden mussten, als sie in der Natur wachsen, war freilich unvermeidlich; er erschien uns jedoch kleiner als der Verzicht auf die Fülle der Erscheinungsformen, deren Wiedergabe für das Kennenlernen der Pilze unerlässlich ist.

Die meisten Gruppen enthalten Längsschnitte oder Anschnitte, weil erst mit deren Hilfe schwierigste Arten sicher bestimmt werden können. Bei den Blätterpilzen sind stets die so wichtigen Lamellenansätze durchgezeichnet.

Die zu den Tafeln gehörigen Beschreibungen sind sehr ausführlich gehalten und frei von schwierigen Fachausdrücken. Es hielt keineswegs leicht, die vielfachen Irrtürmer, die sich in den Beschreibungen zahlreicher Pilzwerke vorfinden, zu vermeiden; durch unausgesetzte Beobachtungen am lebendenden Material ließ sich vieles berichtigen. Beschreibungen jedoch, die auf jedes aufgefundene Exemplar der betreffenden Pilzart zutreffen, lassen sich schon deshalb nicht geben, weil die meisten Pilze ungemein stark variieren. Eine wesentliche Hilfe beim Bestimmen dürften die genauen Maßangaben sein, die durchweg lebenden Pilzen entnommen wurden und oft stark von den Angaben anderer Verfasser abweichen. So sorgsam der Text abgefasst wurde, so glaube ich doch nicht, nun auch in jedem Falle das Richtige getroffen zu haben; jede Ergänzung und Berichtigung aus dem Leserkreis wird mir daher sehr willkommen sein.

Von den 130 behandelten und abgebildeten Pilzarten sind 96 Speisepilze, 28 ungenießbare und 6 giftige Arten. Dass unter den berücksichtigten Arten den essbaren ein so breiter Raum gewährt wurde, bedarf keiner Rechtfertigung. Es konnten unter diesen allerdings auch wieder nur die wichtigsten Beachtung finden, namentliche solche, die auffällig und leicht bestimmbar sind*). Unter die Speisepilzen reihte ich übrigens, den neueren, auch eigenen Erfahrungen folgend, eine beträchtliche Anzahl von Arten ein, die früher für giftverdächtig gehalten wurden. Von ungenießbaren Pilzen wählte ich die häufigsten aus, sowie solche, die als Vertreter der größeren Gattungen zu gelten haben, um so einen Aufbau des Systems zu ermöglichen und denen, die vielleicht zu gründlicheren Studien übergehen wollen, eine brachbare Grundlage zu bieten**).

*) Mit Bedauern musste ich manchen schönen, charakteristischen Pilz weglassen. Da sonst der Preis des Buches, der trotz der außerordentlich hohen Herstellungskosten so niedrig wie möglich bemessen werden sollte, ein viel höherer geworden wäre.

**) Da es in Deutschland weit über 1.000 höhere Pilze gibt, ist es für alle, die sich eingehender mit der Pilzkunde beschäftigen wollen, unumgänglich nötig, neben unserem Buche ein solches zu benutzen, das nur Beschreibungen gibt und mehrere hundert Arten enthält, wie z. B. Otto Wünsche, Die verbreitetsten Pilze Deutschlands. Leipzig, 1896. Teubner. 124 S. (Geb. 1,40 Mark, enthält an 500 Arten) oder das vortreffliche Werk von G. Lindau, Die höheren Pilze, Mit 607 kleinen Pilzzeichnungen. Berlin 1911. J. Springer. 250 S. (Geb. 7Mark, enthält an 1.300 Arten)


Da das vorliegende Buch zugleich praktischen Zwecken dienen möchte, erschien es durchaus geboten, die wirtschaftliche Verwendung der Pilze ausführlich zu behandeln. Auch dürfte es besonders Anfängern, die bei ihren ersten Bestimmungsversuchen oft unglaubliche Verwechslungen begehen, willkommen sein, dass bei den schwierigeren Arten ähnlich aussehende Pilze kurz gekennzeichnet sind.

Bei der Benennung der Pilze wurden diejenigen deutschen Namen bevorzugt, die die am meisten charakteristische Eigenschaft der Pilzart möglichst kurz*) und treffend bezeichnen; denn nur einfache, leicht behältliche Namen haben Aussicht, wirklich volkstümlich zu werden. Dabei musste oft von Übersetzungen der lateinischen Namen abgesehen werden, während gute, bereits im Volke gebrauchte Bezeichnungen gern verwendet wurden. Bezüglich der lateinischen Namen schloss ich mich bis auf wenige Ausnahmen an das rühmlich bekannte Werk von J. Schröter, Die Pilze Schlesiens, an.

*) Die in den meisten Pilzwerken gebräuchlichen schwülstigen „Buchnamen“ erfüllen den Laien, der Pilze kennen lernen will, oft geradezu mit Widerwillen. Hier ist die größte Einfachheit notwendig. Daher sagte ich statt Stock-Schüppling – Stockpilz, statt Grünspan-Träuschling – Grünspanpilz, statt Habicht-Stoppelpilz – Habichtspilz, statt Nelken-Schwindling – Suppenpilz, statt Pflaumen-Räßling – Mehlpilz, statt Scheiden-Runzling – usf.

Die neuere wissenschaftliche Pilzliteratur ist, wie Kenner bald herausfinden werden, gewissenhaft benutzt.

Das Werk musste, um es nicht unhandlich werden zu lassen, in zwei Bänden herausgegeben werden. Hierbei erschien es selbstverständlich, die Blätterpilze ungeteilt in Band I zu bringen, so dass die Löcherpilze und die kleineren Familien, sowie der allgemeine Teil für Band II verblieben.

Eine angenehme Pflicht ist es mir, allen Herren verbindlichst zu danken die mich durch wertvolle Ratschläge freundlichst unterstützt haben. Es sind dies die Herren Prof. Dr. F. v. Höhnel-Wien, Abbat G. Bresadola-Trient, Pfarrer A. Ricken-Lahrbach (Rhön), Prof. Dr. K. Giesenhagen-München, Lehrer O. Jaap-Hamburg, Schriftsteller Dr. F. Skowronnek und vor allem Prof. Dr. O. Schmeil-Heidelberg, der mein Werk andauernd mit Rat und Tat förderte. Seine für mich überaus wertvolle und selbstlose Mitarbeit und seine reifen Erfahrungen haben sehr viel zur Ausgestaltung der Abbildungen und des Textes beigetragen.

Möge nun das Buch recht viele hinausziehen zu den Pilzen, diesen eigenartigen und schönen Kindern der heimischen Natur! Möchte e aber auch in vielen das nachhaltige Interesse wachrufen, das zu ernsterer Beschäftigung auf diesem viel zu wenig bekannten gebiete führt.

      Königsberg i. P., im Frühjahr 1913
                              Der Verfasser

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Die Pilze unserer Heimat

Die Pilze unserer Heimat

001 Pfifferling, Cantharellus cibarius. Essbar

001 Pfifferling, Cantharellus cibarius. Essbar

002 Falscher Pfifferling, Cantharellus aurantiacus. Genießbar

002 Falscher Pfifferling, Cantharellus aurantiacus. Genießbar

003 Suppenpilz, Marasmius caryophylleus. Essbar

003 Suppenpilz, Marasmius caryophylleus. Essbar

004 Filziger Schwindpilz, Marasmius peronatus. Ungenießbar

004 Filziger Schwindpilz, Marasmius peronatus. Ungenießbar

005 Knoblauchpilz, Marasmius alliatus. Essbar

005 Knoblauchpilz, Marasmius alliatus. Essbar

006 Kahler Krempling, Paxillus involutus. Essbar

006 Kahler Krempling, Paxillus involutus. Essbar

007 Samtfuß-Krempling, Paxillus atrotomentosus. Genießbar

007 Samtfuß-Krempling, Paxillus atrotomentosus. Genießbar

008 Schopf-Tintenpilz, Coprinus porcellanus. Essbar (jung)

008 Schopf-Tintenpilz, Coprinus porcellanus. Essbar (jung)

009 Echter Tintenpilz, Coprinus atramentarius. Genießbar

009 Echter Tintenpilz, Coprinus atramentarius. Genießbar

010 Großer Schleimpilz, Gomphidius glutinosus. Essbar

010 Großer Schleimpilz, Gomphidius glutinosus. Essbar

011 Wiesen-Ellerling, Hygrophorus ficoides. Essbar

011 Wiesen-Ellerling, Hygrophorus ficoides. Essbar

012 Kleiner Glaskopf, Hygrophorus flammans. Genießbar

012 Kleiner Glaskopf, Hygrophorus flammans. Genießbar

013 Olivbrauner Schneckenpilz, Limacium olivaceolbum. Essbar

013 Olivbrauner Schneckenpilz, Limacium olivaceolbum. Essbar

014 Gelbblättriger Schneckenpilz, Limacium vitellum. Essbar

014 Gelbblättriger Schneckenpilz, Limacium vitellum. Essbar

015 Echter Reizker, Lactaria deliciosa. Essbar

015 Echter Reizker, Lactaria deliciosa. Essbar