Neustrelitz, den 17. Februar. 1825 – Diplomaten, Theater und Konzert

Aus: Freimütiges Abendblatt, Band 8 (1826)
Autor: Redaktion - Freimütiges Abendblatt, Erscheinungsjahr: 1826
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Strelitz, Neustrelitz, Kunst und Theater, Stadtgeschichte, Landesgeschichte, Theatergeschichte
Der bei beiden Großherzogl. Mecklenburgischen Höfen akkreditiert Königl. Französische Gesandte, Chevalier Rouf de Rochelle, ist am 12ten d. M. und der Königl. Schwedische Gesandte, Graf Seigneul, am 15ten d. M. hier eingetroffen. Beide hatten die Ehre, Sr. K. H. dem Großherzoge vorgestellt zu werden.

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Die leidigen Zeitumstände äußern auch bei uns auf die geselligen Freuden ihren nachteiligen Einfluss. Ein Ball auf dem Schützenhause und eine Redoute im Großherzogl. Schauspielhause waren alles, was unsrer tanzlustigen Welt dieser Fasching zum Vergnügen darbot. Der 21ste Januar, als der Geburtstag I. K. H. unsrer hochverehrten Großherzogin, ging uns diesmal in ungewohnter Stille vorüber.

Das Theater gewährte allen Kunstfreunden durch die Aufführung von Mozarts „Titus“ den 22sten Januar einen hohen Genuss. Wer die beschränkten Mittel kennt, die uns bei Vorstellungen dieses und ähnlicher großen Meisterwerke zu Gebote stehen, muss sich mit Recht wundern, wie diesmal mit wenigen Kräften so Vieles und Tüchtiges geleistet werden konnte. Schon die, vom Orchester mit der größten Präzision vorgetragene Ouvertüre nahm unsere Aufmerksamkeit in Anspruch, die aber leider durch das starke Geräusch im Parterre etwas unterbrochen wurde. Mad. Posch (Vitellia) sang ihre Partie durchaus gut, wir erinnern sogleich an das Duett mit Sextus: „Fordre — befiehl!“, und besonders an die Arien: „Schlägt mir dein Herz voll Liebe“ und „Ha! sie schlägt schon etc.“, die sie ganz herrlich vortrug. Dem. Rothammer war als Sextus ganz an ihrem Platze; dieser Part liegt vollkommen in dem Bereich ihrer schönen, metallreichen Stimme, die nur in der Höhe etwas verliert. Die Arien: „Feurig, feurig eil' ich etc.“ und „Ach nur einmal noch im Leben“, kann man fast nicht besser zu hören wünschen. — Den, von dem großen Komponisten sehr stiefväterlich bedachten Titus sang Hr. Krickeberg stellenweise ziemlich, und sogar in der Arie: „Steht die Herrschaft“, sehr gut; dagegen wollte uns weder Stimme noch Vortrag in der Arie: „Wäre jedes Herz am Throne“ recht gefallen. — Die Rollen von Publius (Hr. Weingärtner), Servilia (Frau v. Massow) und Annius (Hr. Atzmann) waren in guten Händen; wir dürfen nur an die Duette: „In deinem Arm etc.“ (Annius und Sextus) und „Ach verzeih etc.“ (Annius und Servilia) erinnern. — Unsre Chöre, die uns schon öfter die Galle etwas stark erregten, verdienen diesmal das größte Lob. Sowohl das: „Schützt Titus etc.“, als auch das einzig schöne Finale des ersten Akts wurden vortrefflich durchgeführt.

Da aber nun einmal nichts Vollkommenes auf Erden sein darf, so erinnern wir auch von Seiten der Dekorationen und des Kostüms an den schlecht geratenen Brand des Kapitols, so wie an die dickleibigen Fasces der Liktoren. Die Vorstellung wurde am 29sten Januar, wo möglich noch gelungener wiederhole. — Vom 22sten Januar an enthielt unser Repertoir außerdem: Der Vetter aus Bremen; Humoristische Studien von Lebrun; Stille Wasser sind tief, von Schröder; Der Bürgermeister von Saardam; Der schwarze Mann, von Gotter, und Bär und Bassa (diesmal vermehrt und verbessert durch ein nach der Melodie unseres Zapfenstreichs vom Bassa (Hrn. Wauer) gesungenes Verslein. Ob nun selbiger als Cayenne- Pfeffer in der faden Brühe gewirkt hat, mögen Kenner entscheiden). Ferner: „Der Amerikaner“, von Vogel; „Aescherling“, von Isouard (2 mal); „Clavigo“, von Goethe; „Der Schiffskapitän“ und „Der Schatzgräber“. Recht sehr bedauert Ref., durch Geschäfte vom Besuch des Clavigo verhindert worden zu sein. Man nennt diese Darstellung eine sehr gelungene, und besonders soll Hr. Porth als Karlos etwas bedeutendes geleistet haben.
Unsre Komödienzettel haben an Leserlichkeit gewonnen, möchten sie nun auch von den häufig vorkommenden Druckfehlern gereinigt werden.

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Neu-Strelitz - Residenzschloß.

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Neu-Strelitz.

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