Neueste Geschichte der Stadt Parchim - Vom Jahr 1800 bis zum 30. September 1818 - 10. Erheblichere Vorfälle des Jahres 1814

Aus: Neueste Geschichte der Mecklenburg-Schwerinschen Vorderstadt Parchim vom Jahre 1801 bis 1852. Zur Ergänzung und Fortsetzung der Cleemannschen Chronik
Autor: Icke, Wilhelm Ludwig (17?-18?) Prokurator und Advokat in Parchim, Erscheinungsjahr: 1853
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Parchim, Stadt-Geschichte, Chronik,
Zur Parchimschen Geschichte des Jahrs 1814 gehören nachbenannte erheblichere Vorfälle.

1) Im Januar-Monat haben die hiesigen Brenner requisitionsmäßig 16 Oxhoft Branntwein nach Plau liefern müssen.
2) Um eben diese Zeit, wie auch im Februar war hier zu sorgen für kleine Einquartierungen und Durchmärsche fremder Truppen, und einiger französischen Gefangenen, hauptsächlich aber für 460 Mann Güstrower Landwehr, welche am 12. Febr. angelangt, bis zum 26. März bei uns verweilten, wie auch für das 800 Mann starke Infanterie-Depot der russisch-deutschen Legion, jedoch nur auf eine Nacht.
3) Im Monat März folgte das Kavallerie-Depot derselben, aus 250 Mann bestehend, und eine Anzahl durchmarschierende französische Gefangene. Am 30. März rückte das Parchimsche Landsturm-Bataillon nach glücklich beendigtem Feldzuge mit klingendem Spiel hier wiederum ein, und ward von allen seinen Angehörigen freudig empfangen.
4) Die ersten Tage des Aprils verflossen mit der nunmehr angeordneten Auflösung und Entlassung desselben. Von den Landsturm-Männern, welche am Dienste Behagen gefunden und ins reguläre Militär einzutreten gewünscht hatten, wurden 40 Mann ausgelost und nach Schwerin befördert; die übrigen erhielten nach Ablieferung der Waffen und Mäntel ihre Löhnung, jeder Gemeine mit 3 Thaler 16 ß N2/3., die Unter-Offiziere aber etwas mehr, und wurden darauf ihrer Dienstpflicht entlassen. Am 6. April kamen 200 Mann entwaffnete Spanier, und hielten hier Rasttag. Am 17. konnte wiederum ein Dankfest gefeiert werden, und geschah dies in der St. Georgen-Kirche wegen des von den verbündeten Mächten, deren Heere inzwischen in Frankreich eingedrungen waren, bei Paris erfochtenen Sieges.
5) Im Monat Mai blieben wir die ersten Wochen hindurch mit Einquartierung verschont. Am 20. aber kamen 860 Mann Franzosen ohne Wehr und Waffen von verschiedenen Regimentern. Diese sollten auf unbestimmte Zeit hier verweilen, wurden jedoch am 28. auf die benachbarten Dörfer verlegt, weil an solchem Tage 500 Mann schwedischer Husaren einrückten, denen am 30. eine gleiche Anzahl schwedischer Dragoner folgte, welche beide Abteilungen auf zwei Nächte hier einquartiert wurden. Nach deren Abmarsch trafen die Franzosen wiederum ein, verließen uns jedoch am 3. Juni, um in ihre Heimat zurückzukehren.

Übrigens wurden Parchims Bewohner am 23. Mai 1814 erschreckt durch ein in den Bürger-Tannen der nahe gelegenen Heide ausgebrochenes Feuer, welches wahrscheinlich von unvorsichtigen Knaben angezündet, sich schon etwas verbreitet hatte. Die Sache schien sehr ernstlich zu werden, indem der löbl. Magistrat sich bewogen fand, Nachmittags 2 Uhr durch Ausruf in der ganzen Stadt bekannt machen zu lassen, dass von jedem Hause ein Mann mit Gräber und Axt sofort nach der Heide geschickt werden solle, um das Feuer zu löschen; es war jedoch zum Glück schon unterdrückt worden, ehe die dazu angesagten Leute hinkamen.
6) Im Monat Juni 1814 kamen zweimal schwedische Truppen, 500 und 400 Mann stark; auch ward am 10. eine Schwadron mecklenburgischer Jäger zu Pferde auf zwei Nächte hier einquartiert.
7) Der Monat Juli brachte uns 700 Mann schwedischer Garde-Infanterie, so wie in mehreren Abteilungen tausend Mann französischer Kriegs-Gefangenen, welche nun mehr wieder bei den Bürgern eingelegt wurden. Am 24. Juli traf die dritte Schwadron der reitenden Jäger ein, um vorerst hier zu bleiben, am 26. aber das Depot der mecklenburgischen Infanterie, etwa 70 Mann, unter dem Befehl des Hrn. Majors v. Bülow, welchem Parchim zur Garnison angewiesen war.
8) Während der Monate August und September wurden viele reitende Jäger entlassen, und sind französische Gefangene in großer Anzahl, zusammen gegen 1.500 Mann, jedesmal auf eine Nacht hier logiert und ernährt worden.
9) Eben so ging es im Octbr., Novbr. und Decbr. 1814 und wurden die Gefangenen größtenteils in der s. g. alten Kirche, im Rathause und im Schützenhause untergebracht. Die beiden letzteren Monate aber zeichneten sich besonders durch starke russische Einquartierung aus. Am 13. November kamen drei, und am 15. zwei Regimenter Infanterie, deren erstere Rasttag hielten, letztere indes nur eine Nacht verweilten. Am 21. Dezember langten circa 1.600 Kosaken an, von denen jedoch nur 50 Mann während zweier Nächte hier blieben; die übrigen wurden auf die Stadt-Dörfer verteilt. Am 23. erschienen 400 Mann Jäger und am 26. 1.500 Mann Infanterie, und am 29. und 31. Dezember respektive 1.400 und 1.500 Mann Russen, um hier Ruhetag zu halten.

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Alexander I. Kaiser von Russland

Alexander I. Kaiser von Russland

Auf der Flucht 1913

Auf der Flucht 1913

Baumposten der Kosaken in Ostpreußen

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Kosaken beim Beutemachen 1913

Kosaken beim Beutemachen 1913

Kosaken

Kosaken