Neubukow, ein kleiner freundlicher Ort in Mecklenburg

Neubukow, den 17. Januar 1825
Autor: anonym aus: Freimütiges Abendblatt, Band 8 (1826), Erscheinungsjahr: 1826
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg, Neubukow, Landesgeschichte, Stadtgeschichte, Sittenbild, Altwerden,
Während manche Korrespondenten aus den übrigen Städten und Städtchen unsers Landes mit Rügen und Klagen hervorgehen: wie zum Beispiel die zugemauerten Schalllöcher ein stehender Artikel geworden zu sein scheinen, so beobachtet der unsrige ein eisiges Stillschweigen. Ich fühle mich daher veranlasst mit dem ordentlichen Korrespondenten, als ein außerordentlicher, zu hadern, um so, wie schon seit vielen Jahren aus dem Außerordentlichen etwas Ordentliches geworden ist, ein ordentlicher Korrespondent zu werden. Dass von hieraus nichts zu berichten sei, kann er nicht behaupten; denn auch das Erfreuliche wird eben so gern, als die Rügen und der Tadel gelesen, und es lässt sich von hier aus recht vieles Erfreuliches berichten.

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Unser Städtchen ist nämlich ein kleiner freundlicher Ort; abgerechnet das sehr schlechte Straßenpflaster, die höchst traurigen nächsten Umgebungen und der gänzliche Mangel eines Spazierganges. — — — — — — —
Unsere Behörden leben in schöner Harmonie; wir haben Klubbs und Abendgesellschaften, Bälle und Teegesellschaften. Wenn wir indessen keinen 18. Oktober, keinen 10. Dezember durch Bälle und Kanonenschüsse feiern, so liegt die Schuld daran, dass diese Tage nicht auf Fest- und Feiertage fallen, und unsere Kanonen als — eingepflasterte Säulen die Ecken unseres Rathauses vor Gefahrdrohenden Fuhrwerken schützen. Dagegen haben wir ein angenehm buntes Volksfest am Martinitage, wo wir unter Direktion des löblichen Magistrats eine tüchtig ausgebratene Martins-Gans verzehren und dem Tanz der Jugend nachher zusehen.

Wir haben eine ganz nagelneue städtische Verfassung, die wir uns noch näher zu beleuchten für ein andermal vorbehalten. Das bescheidene, anständige und friedliche Betragen unserer Bürger, ihr sittlicher Wandel usw. verdient eine besondere Anerkennung. Segensreich wirken noch die von sittlich-frommem Wandel begleiteten Bemühungen eines früheren hiesigen Bürgermeisters und Stadtrichters, Namens Havemann, dessen Andenken noch jeder redliche Alte hier segnet.

Im verflossenen Jahre sind hier eine 103jährige, eine 92jährige, die Frau jenes braven Mannes, und mehrere 80jährige Personen verstorben.

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Neubukow, Stadtwappen

Neubukow, Stadtwappen

Neubukow, Rathaus

Neubukow, Rathaus

Neubukow, Markt mit Rathaus

Neubukow, Markt mit Rathaus

Neubukow, Wallanlage auf dem Wallber

Neubukow, Wallanlage auf dem Wallber