Neubrandenburg, den 10. Januar 1825 – Lokalnachrichten

Aus: Freimütiges Abendblatt, Band 8 (1826)
Autor: Redaktion - Freimütiges Abendblatt, Erscheinungsjahr: 1826
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg, Neubrandenburg, Lokalnachrichten, Sittenbild, Stadtgeschichte, Satire, Kritiker
Vergleicht man die früheren Korrespondenz-Nachrichten zu unserem freundlichen Orte mit den jetzigen, so möchte ein Uneingeweihter leicht glauben, dass sich bei uns alles verschlechtert hätte, dass aus Eden Sodom geworden wäre, und doch sind es — beim rechten Licht betrachtet — nur die Korrespondenz-Nachrichten selbst, welche schlechter geworden sind. Sonst erfreute uns die leichte und gefällige Schreibart, der treffende Witz und die gutmütige Satire unseres Korrespondenten, welche selbst den Bezielten nicht beleidigten; jetzt lesen wir größtenteils nur Ergießungen eines gallsüchtigen Gemüts, welche statt zu tadeln schmäht, und mit Wohlgefallen die Ehre und den guten Namen Einzelner zu vernichten strebt. Der Grund dieser Abweichung liegt, wie leicht zu erachten, nur in der Verschiedenheit der Sinnesart beider Korrespondenten.

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Wer der Obrigkeit nicht gern gehorcht, wer sogar den Richter in sich selbst — das Gewissen — verleugnet, wer gern im Trüben fischt, der fürchtet und hasst jede Aufsicht und die mit derselben beauftragte Staatsgewalt. Hierin sind die Motive zu den, gegen unseren Polizeimeister neulich öffentlich ausgesprochenen Schmähungen genugsam angedeutet. Ihn dagegen verteidigen oder darüber trösten zu wollen, wurde überflüssig sein, da er nicht nur von seinen Vorgesetzten und dem größeren und — dem Himmel sei Dank! — auch besseren Teil der hiesigen Einwohner in Ehren gehalten wird, sondern auch durch ein besonderes Gnadenreskript aus allerhöchster Landesregierung ein so ehrenvolles Anerkenntnis seiner Verdienste erhalten hat dass er für jede Lästerung hinreichend entschädigt ist. Nur ein kleiner, dem mehrgedachten Korrespondenten gleichgesinnter Teil des Publikums ist ihm abhold, weil seine Tätigkeit demselben lästig ist, indem sie seinem unlauteren Treiben entgegenwirkt.

Selbst die triviale Witzelei durch die Veränderung des ersten Teils des Wortes „Polizeimeister“, hat der Korrespondent nicht verschmäht, um seinen Zweck — bittere Kränkung — zu erreichen. Wahrscheinlich würde er sich derselbe enthalten haben, wenn er bedacht hätte, dass man selbst höhere Titel auf ähnliche Weise herabsetzen kann.
Neubrandenburg, Rathaus

Neubrandenburg, Rathaus

Neubrandenburg, Stargarder-Tor

Neubrandenburg, Stargarder-Tor

Neubrandenburg, Fritz-Reuter-Denkmal

Neubrandenburg, Fritz-Reuter-Denkmal

Neubrandenburg, alte Wickhäuser

Neubrandenburg, alte Wickhäuser