Nachricht über die Schweriner Realschule 1850

Aus: Mecklenburgisches Gemeinnütziges Archiv, Band 1
Autor: Mitgeteilt von Rektor Brasch, Erscheinungsjahr: 1850
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Schwerin, Realschule, Bildung, Ausbildung, Schulwesen
Die Schweriner Realschule ist eine großherzogliche Anstalt.
Sie wurde gegründet Michaelis 1835 und führte früher den bezeichnenderen Namen „Bürgerschule“ Michaelis 1847 erhielt sie eine seit langem schon gewünschte Oberklasse, und man gab dem Zeitgeschmack nach und nannte sie seitdem Realschule.

Sie ist von Anfang an mit ihren unteren Klassen auch Vorschule für das Gymnasium gewesen. Leider aber entbehrt dieses Verhältnis der positiven Ordnung. Ebensowenig ist die unterrichtliche Stellung der oberen Klassen zu den entsprechenden des Gymnasiums fixiert, und ist daher der Übergang aus der einen Anstalt in die andere nicht ohne Inkonvenienzen.

Der Zweck der Vorbereitung für das Gymnasium ist die Veranlassung gewesen, dass man, dem Charakter einer Bürgerschule widersprechend, dem Latein schon in den untersten Klassen einen Platz eingeräumt hat. Dieser Unterricht beginnt schon in der vorletzten, der sechsten Klasse. Der bezeichnete Zweck würde nur erforderlich machen, dass das Latein in derjenigen Klasse ansinge, deren intellektueller und wissenschaftlicher Standpunkt die unterste Region des Gymnasiums berührt. Im Interesse vernünftiger Schuleinrichtung und echter Bürgerbildung kann man nicht genug Nachdruck darauf legen, dass das Latein in die unteren Realklassen gar nicht gehört. Leider scheint der Vorgang hier in Schwerin für andere derartige Anstalten maßgebend gewesen zu sein.

Es erhellt schon aus dem Gesagten, dass das Gymnasium und die Realschule keinen unterrichtlichen Zusammenhang haben. Beide Anstalten haben freilich dasselbe Scholarchat, aber verschiedene Direktionen. Es steht zu hoffen, dass schon die nächste Folgezeit das Prinzip der Einheit zur Geltung bringen und faktisch den verderblichen Wahn beseitigen werde, als existiere — außer den alten Sprachen — ein gegenständlicher und gar ein methodischer Unterschied zwischen einem den Zeitbedürfnissen gemäß organisierten Gymnasium und einer auf höhere allgemeine Bildung abzweckenden Realschule. Die Trennung der beiden, dasselbe Ziel verfolgenden Arten von Schulen ist in Preußen aufgenommen. Sie hat ihren Hauptgrund darin gehabt, dass man mit dem Begriff der Realschule den der Gewerbeschule vermengte, welcher letztere allerdings mit der Gymnasialidee unvereinbar ist; und teilweise haben auch allerlei politische Rücksichten mitgewirkt, die jetzt glücklicherweise mit der Zeit, die sie gebären konnte, versunken sind.

Die Anstalt hat für sieben Klassen zehn Lehrerstellen. Die eine der letzteren ist augenblicklich vakant und wird ein tüchtiger theologisch und philosophisch gebildeter Lehrer, der zugleich in den neueren Sprachen nicht unbewandert sei, für sie gesucht.

Die Bedingung der Aufnahme in die siebente Klasse ist: neben mechanischer Lesefertigkeit und den dabei von selbst sich verstehenden Anfängen im Schreiben und Rechnen womöglich der zur Teilnahme an einem geordneten Unterrichte erforderliche Grad geistiger Erstarkung.

Unterrichtsgegenstände: Religion, Deutsch, Französisch*), Englisch, Latein, Praktisches Rechnen, Wissenschaftliche Mathematik, Geometrischer Anschauungsunterricht, Naturgeschichte, Physik, Chemie, Erd- und Himmelskunde, Geschichte, Schreiben, Zeichnen, Singen

*) Der Unterricht wird durchaus in französischer Sprache erteilt. Die Beschäftigungszweige sind: Lektüre, kaufmännische Korrespondenz, Übersetzen aus Apels deutschem Lesebuch und ein Überblick der Weltgeschichte in französischer Sprache. Der Gegenstand für die eigentliche Geschichtslektion ist Deutsche und Mecklenburgische Geschichte.


Michaelis 1850 gingen ab:
ins bürgerliche Leben 9, zum Gymnasium 4 Schüler:
— Unter den Ersteren waren: 1 Kaufmann, 2 Klempner, 2 Postpraktikanten, 1 Satter, 2 Tischler, 1 Uhrmacher.

Während der drei letztverflossenen Schuljahre, seit diese Bürgerschule den Namen Realschule trägt, hat die Anstalt ihr Publikum aus denselben Klassen der Gesellschaft bezogen, und ihre Zöglinge haben sich im allgemeinen denselben Berufsarten gewidmet, wie vor Michaelis 1847.

Von Michaelis 1847 bis dahin 1850 sind, mit Einschluss derjenigen, die zu Berufsschulen übertraten, 132 Zöglinge ins bürgerliche Leben abgegangen, und zwar aus Klasse I. 35, aus Klasse II. 33, aus Klasse III. 37. aus Klasse IV. 23. aus Klasse V. 4 Schüler.

Berufsarten der Abgegangenen: 1 Apotheker, 1 Barbier, 6 Bäcker, 2 Buchdrucker, 1 Destillierer, 4 Forstleute, 1 Gastwirt, 1 Graveur, 33 Kaufleute, 3 Klempner, 1 Koch, 22 Landleute, 4 Maler, 1 Musikus, 2 Müller, 1 Posamentierer, 10 Postpraktikanten, 5 Privatschreiber, 2 Sattler, 2 Seekadetten, 6 Seefahrer, 2 Schlosser, 1 Schneider. 1 Schornsteinfeger, 2 Schullehrer, 1 Schuster, 2 Tabakfabrikanten, 3 Tischler, 1 Töpfer, 1 Tierarzneischüler, 1 Stallbedienter, 2 Uhrmacher, 1 Zimmermann, 5 ungewiss.
Schwerin, Schloss 4

Schwerin, Schloss 4

Wiederanfang der Schule

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