Monographien zur deutschen Kulturgeschichte. XII. Band - Der evangelische Geistliche in der deutschen Vergangenheit

Mit 110 Abbildungen und Beilagen nach Originalen, größtenteils aus dem 15. Bis 18. Jahrhundert. Herausgegeben von Georg Steinhausen
Autor: Drews, Paul (1858-1912) evangelisch-lutherischer Theologe und Pfarrer, Erscheinungsjahr: 1905
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Kulturgeschichte, Mittelalter, Sittenbild, Geistesgeschichte, Religion, Glauben, Reformation, Religionsgeschichte, Reformationszeit, Pfarrer, Mönche, Laster

001 Paradies und Hölle. Holzschnitt aus dem 15. Jahrhundert. Dresden, Kupferstichkabinett
Einen so lebendigen Anteil am geistigen Leben unseres Volkes, wie ihn der evangelische Pfarrstand genommen hat, hat wohl kaum ein anderer Stand aufzuweisen. Ebenso kann man ohne Übertreibung behaupten, dass er am meisten für die kulturelle Entwicklung geleistet hat. Beweis dafür ist die bekannte Tatsache, dass eine stattliche Reihe des Besten unserer Nation auf allen Gebieten aus den evangelischen Pfarrhäusern hervorgegangen ist, wo sie einen Schatz idealer Lebensauffassung und sittlicher Kraft zu ernsten Arbeit und Selbstverleugnung als Erbe empfangen haben. Beweis dafür ist ferner, dass nicht wenige Pfarrer selbst neben ihrem Amte Hervorragendes auf den verschiedensten wissenschaftlichen, technischen, ästhetischen Gebieten geleistet haben, ganz abgesehen von der meist unbeachteten und äußerlich auch nicht feststellbaren Förderung, die das Kulturleben unseres Volkes durch die pastorale Wirksamkeit als solche erfahren hat. So ist die Kultur- und Geistesgeschichte unseres Volkes mit der Geschichte des evangelischen Pfarrstandes auf das engste verknüpft. Dazu hat der Pfarrstand, so unvolkstümlich er zu Zeiten auch gewesen sein mag, doch stets enge Fühlung mit dem Volksleben gehalten und halten müssen, so dass die kulturelle Entwicklung der Gesamtheit mehr oder weniger deutlich sich in der Geschichte des evangelischen Pfarrstandes abspiegelt. Und dabei vertritt dieser Stand doch immer innerhalb der Gesamtheit ein Besonderes für sich. Er trägt seinen besonderen Charakter; er schafft sich seine eigene Lebensart. Kurzum, jeder Freund der deutschen Kulturgeschichte wird einer Geschichte diese Standes seine Teilnahme nicht versagen und dort, wo die Hand des bildenden Künstlers schildert, ihm mit lebhaftem Interesse gegen überstehen. Freilich – Bilder, welche im herkömmlichen Sinne das Leben des Pfarrstandes illustrieren könnten, sind weniger überliefert. Die gebotenen Bilder, deren Auswahl der Verlag getroffen hat, stehen oft nicht im direkten Zusammenhang mit dem Text, doch was sie in Verbindung mit jenem erstreben, ist, in die religiösen Stimmungen vergangener Zeiten einzuführen und ein Stück von der Welt anschaulich zu machen, in der sich der Pfarrer bewegte. So war es unerlässlich, aus der Reformationszeit eine Reihe oft derber Kampfbilder von protestantischer wie von katholischer Seite zu bringen. Auch dürfte unsere Bildersammlung annähernd das Hauptsächlichste enthalten, was an Darstellungen von Predigten und protestantischen gottesdienstlichen Handlungen im Holzschnitt und Kupferstich festgehalten worden ist. Oft genug liegen den Bildern, zumal des 17. und 18. Jahrhundert, rein lokale Vorkommnisse zu Grunde. Blüht nämlich zufällig in der betreffenden Stadt gerade die Kunst, wie z. B. Augsburg im 17. Und 18. Jahrhundert im Kupferstich an führender Stelle steht, so treten natürlich auch die religiösen Ereignisse dieses Ortes ganz besonders in den Vordergrund. Mit der künstlerischen Entwicklung hängt es auch zusammen, dass mit Ausnahme von Chodowiecki in den Bildern fast nur süddeutsche Meister vertreten sind.

Die Zeit der Reformation
Reformatorische Auffassung vom Geistlichen Stand. – Zustände der ersten Zeit. – Herkunft der Pfarrer. – Sittliche Schäden. – Land- und Stadtpfarrer. – Leistungsfähigkeit der Pfarrer. – Soziale Stellung. – Einkommensverhältnisse. – Obrigkeitliche Hilfe. Wirtschaftliche Lage der Stadtgeistlichen. – Amtspflichten. – Tracht. – Anstellungsverfahren. – Prüfungen. – Ordination. – Rechtliche Stellung. – Bewährung bei Einführung des Interim.

Die Zeit der Orthodoxie
Allgemeine Charakteristik. – Bedeutung der Kirchenzucht. – Bann. Theologisches Gezänk. – Unsicherheit der Existenz. – Ansehen des Pfarrstandes. – Sittliche Zustände. – Besetzung der Stellen. Studium. Amtsantritt. Examen. – Tracht. Herkunft. Zucht. Einkommen. – Stellung zur Gemeinde.

Die Zeit des Dreißigjährigen Krieges und seiner Folgen
Wirkung des Krieges auf den Pfarrstand. – Leiden der Pfarrer. – Tapferkeit der Pfarrer. – Johann Valentin Andreä. – Sittliche Zustände. Verweltlichung. – Kleiderluxus. Trunksucht. – Einkommen. Verbauerung. – Nebengeschäfte. – Geistiges Niveau. – Amtliche Pflichten. – Ansehen. Amtsbewerbung. – Behandlung durch den Adel. – Hochmut im Pfarrstand selbst. – Schelten von der Kanzel. – Reaktion gegen die Schäden im Pfarrstand. – Maßnahmen der Obrigkeit. – Schmälerung der Rechte des Pfarrstandes.

Die Zeit des Pietismus
Einwirkung des Pietismus auf den Pfarrstand im Allgemeinen. – Pietistische Auffassung des Amtes gemeinen. – Betrieb der Seelenpflege. – Privatandachten. Konfirmation. – Katechetische Tätigkeit. Einzelbeichte. – Beichte. – Seelenregister. Entfremdung zwischen Pfarrer und Gemeinde. – Spener und die kirchliche Sonderstellung des Adels. – Pietistische Unternehmungen zur Hebung des Pfarrstandes. – Predigerseminare. – Hebung des Pfarrstandes in Preußen und Württemberg. – Reform des Examenswesens. Pastoral-Konferenzen. – Praktisch-theologische Zeitschriften. Sittliche Haltung der Pfarrer. – Pfarrbesetzung. – Gewissenhaftigkeit der Pietisten bei der Amtsübernahme. – Schäden des Besetzungsverfahrens. Herkunft der Pfarrer.

Die Zeit der Aufklärung
Stellung des Staates zur Kirche. – Stellung des Pfarrers in der Kirche. – Auffassung des geistlichen Amtes. – Auffassung von der Aufgabe des Pfarrers und des Staates. – Klagen des Pfarrstandes wider den Staat. Schäden des Pfarrstandes. – Sittliche Zustände. – geistige Zustände. – Ursachen der Schäden. Examenswesen. – Kritik der Examenspraxis. Verhältnisse der Kandidaten. Stellenbesetzung. – Schlechte Bezahlung. – Nebenerwerb. Zustand der Pfarrhäuser. Isolierung des Pfarrers. – Reformen in Württemberg. Reformgedanken im Pfarrstand selbst. Spalding. – Plancks Pfarramtsideal. – Predigt und kulturelle Tätigkeit. Neues Pfarramtsideal. – Soziale Stellung. Pfarridylle. Voßens „Luise“. – Jean Pauls „Jubelsenior“.
000 Der evangelische Geistliche - Titelblatt

000 Der evangelische Geistliche - Titelblatt

001 Paradies und Hölle. Holzschnitt aus dem 15. Jahrhundert. Dresden, Kupferstichkabinett

001 Paradies und Hölle. Holzschnitt aus dem 15. Jahrhundert. Dresden, Kupferstichkabinett

002 Christus erscheint den Mönchen. Spottbild auf die katholische Geistlichkeit. Holzschnitt aus der Schule Cranachs ca. 1520. Nürnberg, Germanisches Museum

002 Christus erscheint den Mönchen. Spottbild auf die katholische Geistlichkeit. Holzschnitt aus der Schule Cranachs ca. 1520. Nürnberg, Germanisches Museum

003 Der Papst und seine Kardinäle an dem Galgen. Spottbild. Holzschnitt aus Luthers -Abbildung des Papsttum- Wittenberg 1545. Berlin, Kupferstichkabinett. Schuch 106

003 Der Papst und seine Kardinäle an dem Galgen. Spottbild. Holzschnitt aus Luthers -Abbildung des Papsttum- Wittenberg 1545. Berlin, Kupferstichkabinett. Schuch 106

004 Verspottung der Mönche als Löffelkrämer. Holzschnitt ca. 1520. Berlin, Kupferstichkabinett

004 Verspottung der Mönche als Löffelkrämer. Holzschnitt ca. 1520. Berlin, Kupferstichkabinett

005 Allegorie auf die Laster der Mönche. Holzschnitt des H. S. Beham ca. 1530. Leipzig, Deutsche Gesellschaft. Pauli 117

005 Allegorie auf die Laster der Mönche. Holzschnitt des H. S. Beham ca. 1530. Leipzig, Deutsche Gesellschaft. Pauli 117

006 Der Papst wird dem Höllendrachen zugeführt. Holzschnitt um 1525. Berlin, Kupferstichkabinett

006 Der Papst wird dem Höllendrachen zugeführt. Holzschnitt um 1525. Berlin, Kupferstichkabinett

007 Christus und Papst. Holzschnitt aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Berlin, Kupferstichkabinett

007 Christus und Papst. Holzschnitt aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Berlin, Kupferstichkabinett