Mecklenburgische Altertümer

Aus: Freimütiges Abendblatt, Band 8 (1826)
Autor: Redaktion - Freimütiges Abendblatt, Erscheinungsjahr: 1826
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg, Altertümer, Landesgeschichte, Kulturgeschichte, Bodenfunde
In einigen Gegenden Mecklenburgs werden hin und wieder in größerer Zahl auf dem Felde, sichtbarlich durch Menschenhände ausgehöhlte Granite gefunden, deren Gestalt nachstehend beschrieben ist. Sie stellen ein abgestumpftes Oval vor, mit einer Vertiefung von etwa 10 Zoll. Bei allen ohne Ausnahme (Einsender dieses sah deren wenigstens fünfzig) ist eine Seite offen und ohne allen Rand, nicht durch etwanige Beschädigung, sondern absichtlich. Unten sind sie ziemlich gerundet, einige haben auch als Zierrat Facetten.

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Das Einfachste wäre, zu glauben, dass es früherhin eingemauert gewesene Weihkessel wären. Allein das sind sie nicht, weil sie zu zerstreut auf dem Acker, ohne alle Spur von Kapellen, gefunden werden, und in jenen Gegenden damals überall, am wenigsten aber auf dem Lande, viele Steinmauern aufgeführt wurden. Waren es also wohl Opfergefäße der früheren Heiden, auf der einen Seite offen, damit das Blut der geschlachteten Opfertiere ablaufen könne? oder hatten diese Gefäße die Bestimmung gehabt, dass die Wenden, in Ermangelung der Mühlen, in denselben das Korn zu Mehl oder Grütze gerieben hatten, wobei die erwähnte Öffnung allerdings dazu hätte dienen können, leichter die Kleien zu entfernen? Gewöhnlich sind sie nur 2 bis 3 Fuß lang und etwa 1 1/2 bis 2 Fuß breit, mithin hätten nur kleine Opfertiere in den Vertiefungen Platz finden können.

Kotzebue in seiner älteren Geschichte Preußens sagt, dass in den Hütten der alten Preußen ein ausgehöhlter Stein der Feuerherd gewesen wäre. Der bekannte Altertumsforscher v. Münchhausen behauptet, dass die ausgehöhlten Steine, welche in Westfalen gefunden werden, bei den heidnischen Opfern gebraucht worden. Bedauerlich aber beschreibt weder der eine noch der andere die Form der ausgehöhlten Steine, von welchen er spricht. Dass die sogenannten Truthensteine (Druidensteine), welche bei den Opfern gebraucht wurden, mit einer Rille versehen waren, damit durch selbige das Blut der Opfertiere abliefe, dieses ist bekannt. Allein bei den Mecklenburgischen Steinen, von welchen hier die Rede, ist die gesamte eine schmalere Seite ohne Rand, also offen, und sollten dergleichen als Feuerherde gedient haben, es gäbe dieses von der Esslust der heidnischen Mecklenburger eben keinen vorteilhaften Begriff.

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