Mecklenburg, von 1161 - 1195 dem Tode Heinrich des Löwen.

Aus: Geschichte von Mecklenburg von der ältesten bis auf die neueste Zeit
Autor: Dehn, Wilhelm Heinrich Martin (1801-?) Mecklenburger Theologe und Pädagoge, Autor von Schulbüchern, Erscheinungsjahr: 1836
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Mecklenburg, Landesgeschichte, Sitten-, Kultur- und Sozialgeschichte, Landeskunde, Geschichtsschreiber, slawische Völkerschaften, Slawen, Wenden, Obotriten, Wilzen, Anten, Lutezier, Kanut Leward, Pribislav, Niklot, Ostseeküste, Scjwerin, Wismar, Doberan, Bützow, Güstrow, Schwaan, Oldenburg, Lübeck, Razisburg (Ratzeburg), Rugier, Rügen, Ukerer, Tollenzer, Rhedarier, Brizaner, Linouen, Lenzen, Rhetra, Haveler, Warnaver, Wariner, Werle, Warnow, Segeberg,(Siegsberg), Wagrien, Kaiser Conrad III., Heinrich von Badewide, Adolf II. von Holstein, Sarazenen, Kreuzzug, Heinrich der Löwe, Kaiser barbarossa, Dobin, Insel Lieps im Schweriner See, Ilow, Burg,
18. Mit Niklots Fall sank auch der Wenden Mut, die in der eiligsten Flucht ihre Rettung suchten; Heinrich konnte Obotritien als gänzlich erobert betrachten. Zu derselben Zeit hatte Albrecht der Bär die seinem Gebiete benachbarten wendischen Stamme unterworfen und ihren Hauptort Brandenburg erobert. Indessen gab Heinrich unerwartet den beiden Söhnen Niklots, Pribislav (II.) und Wertislav, die Burg Werle mit dem angrenzenden Gebiete im Kissiner- und Circipanerlande zurück; ein dritter Sohn, Prisclav, zur christlichen Religion sich bekennend und dem König Waldemar verschwägert, hatte die Waffen wider sein Vaterland geführt und Teil genommen an dem Kampfe der Dänen, welche die pommerschen und rügischen Wenden unterwarfen und auch Rostock, dessen Name jetzt zuerst genannt wird, zerstörten. Bevor Heinrich seine Kriegsvölker aber aus dem eroberten Lande zog, baute er die zerstörten Burgen wieder auf und legte starke Besatzungen hinein; Schwerin übergab er dem Grafen Gunzel von Hagen. Auch verlieh er seinen Feldherrn große Grundbesitzungen, zog viele fremde Kolonisten ins Land und begabte die geistlichen Stiftungen mit großen Gütern; hierauf nahm er den Bischöfen von Ratzeburg, Mecklenburg und Oldenburg, dessen Bistum er nach Lübeck verlegte, den Huldigungseid ab, von dem ihm vom Kaiser verliehenen Rechte der Investitur Gebrauch machend, und legte den Wenden den Bischofszins auf.

19. Doch die Ruhe war nur scheinbar wiedergekehrt; es war jene düstere Ruhe, welche herrscht, ehe die unheilkündenden Wetterwolken heraufziehen und aus ihrem Verderbenschwangeren Schoße die vernichtenden Schläge herabschmettern. In Niklots Söhnen lebte der Geist ihres Vaters fort; sie konnten es nicht ertragen, dass das geknechtete Vaterland den Gesetzen eines fremden Gewalthabers gehorsamen solle. In der Stille waffneten sie und bereiteten Alles zu einem Hauptschlage vor; als sie noch mit den Vorbereitungen beschäftigt waren, hatte der wachsame Gunzel von Hagen seinem Herrn aber schon Meldung hiervon getan und schnell erschien Heinrich 1162 wieder mit einem mächtigen Heere in Obotritien. Dieser Übermacht waren die Brüder nicht gewachsen. Pribislav warf sich in die Wälder, von wo aus er den kleinen Krieg mit Glück fortsetzte; Wertislav verschanzte sich in Werle, das er indessen nicht zu halten vermochte und sich daher ergeben musste. Unter der Bedingung, dass auch Pribislav die Waffen niederlege, wurde ihm sein Leben zugesichert und er hierauf gefesselt nach Braunschweig gebracht. (1163) Aber noch war Pribislavs Mut nicht gebrochen; er wollte einen letzten Versuch zur Errettung des Bruders machen und lieber einen freien Tod für ein schimpfliches Leben einkaufen, als seine rechtmäßigen Ansprüche an sein väterliches Erbteil aufgeben. Unerwartet stand er 1164 mit einer Kriegsschaar vor Mecklenburg, das er mit Sturm nahm und dessen Besatzung er über die Klinge springen lies, weil sie vergeblich von ihm zur Übergabe aufgefordert worden war. Dann rückte er vor Kussin und Malchow, welche ihm die Tore öffneten, nachdem die Sachsen freien Abzug erhalten hatten, in deren Besitz nur die Festen Ilow und Schwerin noch waren. Jetzt rief er alle Wenden zur Freiheit und Rache auf. Doch auch Heinrich zauderte nicht lange, auch er rief die Sachsen zur Rache auf und forderte seine Verbündeten, den König Waldemar, den Markgrafen Albrecht, den Grafen Adolf von Holstein und andere Herren, zur Hilfsleistung auf. Sein Hauptheer erschien vor Malchow, das Pribislav besetzt hielt, und dort beging 1164 der erbitterte Heinrich die Grausamkeit, dass er im Angesichte des belagerten Bruders den gefangenen Wertislav erhängen ließ. Doch diese Gräueltat sollte ihm keine Früchte tragen, denn in einem mörderischen Treffen wurde bald hernach sein Freund Adolf von Holstein und Graf Reinhold von Dithmarschen nebst vielen Edlen erschlagen, zu deren Rettung er zu spät herbeieilte. Die Wenden zogen sich hierauf bis hinter Demmin zurück, dessen Festungswerke sie schleiften. Obotritien war in eine solche Einöde verwandelt, dass der Hunger die Bewohner zur Auswanderung zwang; viele von ihnen wurden aufgegriffen und als Sklaven nach Polen und Böhmen verkauft. Von Pommern aus wagte Pribislav noch häufige Einfälle in das schwerinsche und ratzeburgische Gebiet, die ihm reiche Beute verschafften; er musste hiervon aber lassen, als die pommerschen, anfänglich mit ihm verbündeten, Fürsten Casimir und Bogislav ihm ihren Schutz zu entziehen drohten, da sie ihr Land nicht erneuerten Kriegsdrangsalen bloß stellen wollten. Für Pribislav schien jetzt jeder Hoffnungsstern untergegangen zu sein und doch stieg in der nächsten Zukunft ihm schon des Glückes hellstrahlende Sonne auf.

20. Während nämlich Heinrich den Glanzpunkt seiner Herrschermacht erreichte, wuchs in seinen Widersachern, den deutschen Reichsfürsten, der lang genährte Hass und die alte Eifersucht im verstärkten Maße; selbst der Bischof Conrad von Lübeck und der Erzbischof Hartwig von Hamburg gehörten dem wider ihn geschlossenen Bunde an. Des Kaisers erneuerter Zug nach Italien war 1166 das Signal zur allgemeinen Schilderhebung. Heinrichs Scharfblick war aber zu durchdringend gewesen, als dass er die Nähe der Gefahr hatte verkennen sollen. Um im Rücken gedeckt zu sein, gab er daher, mit Ausnahme Schwerins und des dazu gehörenden Gebietes, das Gunzel von Hagen als erbliche Grafschaft empfing, Obotritien an Pribislav zurück, an dem er sich einen treuen Freund erwarb. Im Kampfe mit den deutschen Fürsten blieb nun das Glück auf Heinrichs Seite, und 1168, als bald darauf dessen Verbündeter Waldemar von Dänemark die Rügen unterwarf und bei dieser Gelegenheit Swantewits Tempel zu Arkona zerstörte, nahm auch Pribislav, der bereits sich zur christlichen Lehre bekannte, an diesem Kriegszuge Teil. Als aber Heinrich und Waldemar wegen der Kriegsbeute und des den Rügen auferlegten Tributs, von welchem Letzterer die versprochene Hälfte nicht abtreten wollte, sich verfeindeten; da hatten auch die Wenden Gelegenheit, ihre lange zurückgehaltene Rache an den verhassten Dänen zu kühlen. Ihre siegreichen Einfalle in die dänischen Besitzungen, aus denen sie stets mit großer Beute und vielen Gefangenen heimkehrten, waren von solchem Erfolge, dass Waldemar um Frieden zu bitten sich gezwungen fand. Sein Sohn Karnut vermählte sich mit einer Tochter Heinrichs, während Borwin, Pribislavs Sohn, eine andere Tochter Heinrichs, Mechtilde, zur Gemahlin empfing. Der Friede konnte nun 1169 wieder die fruchtbaren vaterländischen Fluren mit seinem reichen Segen überschütten und die goldglänzenden Ähren zertrat nicht mehr der Rosse Huf; für die Ausbreitung der christlichen Lehre aber wirkte der fromme Berno auf das Tätigste, dessen Bistum 1171 von Mecklenburg nach Schwerin verlegt ward. Pribislav begleitete dann seinen Freund Heinrich auf dessen Zuge nach dem gelobten Lande und gründete nach seiner Rückkehr in die Heimat das Kloster zu Doberan, das er mit den von heiliger Stätte mitgebrachten Reliquien beschenkte. Um dieselbe Zeit soll das vom pommerschen Fürsten Casimir reich dotierte Kloster zu Dargun erbaut sein. Bei einem Turnier zu Lüneburg 1181 endete durch einen Sturz vom Pferde Pribislavs durch so vielfache Schickungen bezeichnetes Leben, nachdem auch Heinrich kurz vorher des Geschickes Wandelbarkeit erkannt hatte.

21. Auf der Sonnenhöhe des Glücks sich wähnend und allen Geschossen eines tückischen Schicksals sich unzugänglich glaubend, hatte Heinrich nämlich die Bitten Kaiser Friedrichs um Beihilfe zum abermaligen Kriegszuge nach Italien hart und stolz zurückgewiesen; selbst einen Fußfall hatte Deutschlands Oberhaupt vergeblich getan, und fortan durfte Heinrich auf diesen mächtigen Beschützer nicht mehr rechnen. Da schien seinen Feinden denn die rechte Stunde gekommen zu en Stolz zu brechen, seinen Ehrgeiz zu strafen und seine Herrschsucht für immer zu lähmen. Mit der ganzen Herrlichkeit des ihm innewohnenden Heldenmuts, mit der Unverzagtheit seiner großen Seele nahm Heinrich den Kampf gegen die Übermacht an; aber mit der Reichsacht belegt und vom Kirchenbann getroffen, musste er schon nach wenigen Jahren, (1182) ein Verbannter, in der Fremde die verlorene Heimat suchen. In eine nicht minder bedrängte Lage geriet dadurch sein Schwiegersohn Borwin, auch Heinrich Borwin nach ihm benannt; denn neben den auswärtigen Feinden erhob sich in Obotitien selbst ein Gegner wider ihn, nämlich seines Oheims des erhängten Wertislavs Sohn, Nicolaus (I.), der sein väterliches Erbe verlangte. Zuletzt vielen Beide dem König Kanut VI. in die Hände, welcher sich in diese Händel mischte, um das vom Bürgerkrieg zerrissene Land als leichte Beute davonzutragen, und sein Recht zu dieser Einmischung durch den Umstand geltend machen wollte, dass sein Großvater Kanut Leward mit Obotritien belehnt gewesen sei. Die gebieterische Notwendigkeit zwang die gefangenen Fürsten 1184 den von Kanut erhobenen Ansprüchen sich zu unterwerfen und die dänische Lehenshoheit anzuerkennen; Heinrich Borwin musste zugleich Rostock mit dem dazugehörigen Gebiet an Nicolaus abtreten. Obotritien hatte seine politische Selbständigkeit verloren und war der Willkür eines Fremden Preis gegeben. Das deutsche Reichsoberhaupt war um diese Zeit mit Gegenständen wichtigerer Art beschäftigt, um den Anmaßungen des dänischen Königs Einhalt gebieten zu können. Doch blieb die Ruhe des Landes selbst dann ziemlich ungestört, als Heinrich, aus der Verbannung heimkehrend und des Kaisers Abwesenheit in Palästina benutzend, aufs Neue den Kampfplatz betrat, und die Kriegsflamme wieder in Deutschland entbrannte. Heinrich Borwin scheint diesem Streit seines Schwiegervaters fern geblieben und nur die Grafen Helmold von Schwerin, Gunzelins Sohn und Nachfolger, Bernhard von Ratzeburg, die alte Treue gegen ihren früheren Lehnsherrn bewahrend, an der Fehde Teil genommen zu haben, die damit 1194 endigte, dass Heinrich, mit Aufgabe aller anderen Länder, nur der Besitz seines Erblandes Braunschweig erhielt, wo er im folgenden Jahr schon dem Tode erlag.

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Heinrich der Löwe - aus Simrock:

Heinrich der Löwe - aus Simrock: "Die deutschen Volksbücher" 1845

Rostock vom Carlshof um 1830.

Rostock vom Carlshof um 1830.

Rostock Altstadt

Rostock Altstadt

Rostock Altstadt vom Steintor.

Rostock Altstadt vom Steintor.

Rostock Blücherplatz 1844

Rostock Blücherplatz 1844

Rostock Hopfenmarkt.

Rostock Hopfenmarkt.

Rostock - Neuer Markt um 1820.

Rostock - Neuer Markt um 1820.

Rostock vom Steintor 1841.

Rostock vom Steintor 1841.