Mecklenburg, von 1131 - 1160 dem Tode Niklots.

Aus: Geschichte von Mecklenburg von der ältesten bis auf die neueste Zeit
Autor: Dehn, Wilhelm Heinrich Martin (1801-?) Mecklenburger Theologe und Pädagoge, Autor von Schulbüchern, Erscheinungsjahr: 1836
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Mecklenburg, Landesgeschichte, Sitten-, Kultur- und Sozialgeschichte, Landeskunde, Geschichtsschreiber, slawische Völkerschaften, Slawen, Wenden, Obotriten, Wilzen, Anten, Lutezier, Kanut Leward, Pribislav, Niklot, Ostseeküste, Scjwerin, Wismar, Doberan, Bützow, Güstrow, Schwaan, Oldenburg, Lübeck, Razisburg (Ratzeburg), Rugier, Rügen, Ukerer, Tollenzer, Rhedarier, Brizaner, Linouen, Lenzen, Rhetra, Haveler, Warnaver, Wariner, Werle, Warnow, Segeberg,(Siegsberg), Wagrien, Kaiser Conrad III., Heinrich von Badewide, Adolf II. von Holstein, Sarazenen, Kreuzzug, Heinrich der Löwe, Kaiser barbarossa, Dobin, Insel Lieps im Schweriner See, Ilow, Burg,
14. So war denn die Zeit gekommen, wo Kanut Leward die ihm erteilten Ansprüche an die Herrschaft geltend machen sollte. Der zum deutschen Kaiser erwählte Herzog Lothar von Sachsen bestätigte dieselben und krönte ihn zum König der Obotriten, nachdem er ihm den Huldigungseid abgelegt hatte. Die Selbstständigkeit des wendischen Landes schien verloren, indem es zu einer dänischen Provinz herabsinken musste, wenn Kanut Leward einst den ihm gleichfalls bestimmten Thron Dänemarks bestiegen haben würde. Das vermochte der Nationalhass der Wenden gegen die Dänen, ihre Erbfeinde, nicht zu ertragen und es bildete sich daher wider Kanut Leward eine mächtige Partei im Lande, an deren Spitze Pribislav, ein Enkel des ermordeten Buthue, und Niklot, ein mächtiger, in hohem Ansehen stehender Grundbesitzer, sich befanden. Beide aber fielen in die Gewalt ihres Gegners, aus der nur die Zahlung eines Lösegeldes und die Verzichtsleistung auf alle von ihnen gemachten Ansprüche an die Landesregierung sie befreien konnte. Durch Milde und Gerechtigkeit suchte nun der staatskluge Kanut Leward seine Herrschaft über die wendischen Lande zu festigen und machte Lübeck, das seinem Herzogtum Schleswig am Nächsten lag, zu seinem Wohnsitze; mit dem Grafen Adolf von Schaumburg aber, der die Grafschaft Nordalbingien von Lothar als Lehn erhalten und Hamburg zu seiner Hauptstadt erwählt hatte, verbündete er sich auf das Engste. Da durchschnitt ein blutiger Tod alle seine Pläne, die auf die Wohlfahrt seiner Untertanen gerichtet waren, und zerstörte alle Hoffnungen, die das Land auf seine Herrschergröße gründete. Sein Vetter, Herzog Magnus von Gothland, dessen Neid längst erweckt war und der, mit giftigem Hass erfüllt, von quälender Unruhe gepeinigt, jener Stunde entgegensah, wo Kanut Leward auch Dänemarks Thron besteigen würde, legte ihm in einem Wald einen Hinterhalt und stieß den keine Gefahr Ahnenden meuchlings nieder.

15. (1131) Von Neuem ward jetzt das Land der Schauplatz des Bürgerkrieges und von Parteienwut zerrissen. Niklot gelang es, seine Herrschaft in Obotritien zu begründen, welches Gebiet, von Schwerin anfangend, sich die Ostseeküste hinauf über Mecklenburg und Wismar bis Doberan erstreckte und die Gegend von Bützow, Güstrow, Schwan und Goldberg bis nach Malchow umfasste; auch machte er die Kissiner, in der Nähe von Rostock, und die Circipaner, an der Peene und im heutigen Vorpommern wohnhaft, von sich abhängig. Pribislav hingegen besetzte Wagrien, welches das östliche Holstein bis an die Eider mit den Städten Oldenburg und Lübeck in sich begriff und im Westen bis Neumünster, das schon zu Nordalbingien gehörte, ging; ferner nahm er Polabien in Besitz, das südlich an Wagrien, östlich an Obotritien grenzte und den ganzen Landstrich von der Elbe bis an die Trave, mit dem Herzogtum Lanenburg und der heutigen Voigtei Schönberg umfasste; der Hauptort war Razisburg oder Ratzeburg. Die übrigen wendischen Völkerschaften, welche dem mächtigen Obotritischen Reiche angehört hatten, das von Heinrich begründet worden war, machten sich unter eigenen Oberhäuptern unabhängig oder verschwinden auch, vornämlich die wilzischen Stämme, von nun an aus unsrer Geschichte. Doch möchte hier die passendste Gelegenheit sein, außer den bereits genannten noch einige der angesehensten wendischen Völkerschaften und ihren Wohnsitz zu bezeichnen. So grenzten an das Gebiet der Circipaner die kriegerischen, raublustigen Rugier oder Rügen, welche auch die gleichnamige Insel besaßen und unter ihrem Fürsten Kruko einst der herrschende Stamm geworden waren. Östlich an sie stießen die Ukerer, deren Gebiet bis an die Oder reichte. Südlich von diesen wohnten die Stoderaner und Tollenzer, so dass ungefähr der nördliche Teil des heutigen Großherzogtums Strelitz ihnen gehörte, in dem Erstere ihren Sitz an der östlichen, Letztere an der westlichen Seite der Tollense hatten. Ihnen sich nähernd und bis an die Elbe sich erstreckend, in dem fruchtbaren Teil Mecklenburgs, wo die waldumkränzten Ufer der Müritz und der Seen von Malchin, Kummerow, Teterow, Malchow und Plau sich ausdehnen, herrschte der mächtige Stamm der Rhedarier; das berühmte Rhetra lag in ihrem Gebiete. Benachbart war ihnen der kleine und abhängige wilzische Stamm der Brizaner, etwa von der Spitze der Müritz bis an die Stepenitz. Ihnen schlossen sich die Linonen, gleichfalls ein Stamm von wenig Bedeutung, an; Lenzen, wo Gottschalk ermordet ward, war in ihrem Lande gelegen. Die Haveler, von der Elbe bis an die Oder wohnhaft, grenzten bei dieser mit den Ukerern zusammen; die Bischofssitze Havelberg und Brandenburg gehörten ihnen an. Was den kleinen Stamm der Warner (Warnaver, Mariner) betrifft, der indessen schon früh aus der Geschichte verschwindet, so hat man ihn an der unteren Warnow, etwa bei Schwaan (dem alten Werle) aufsuchen wollen; doch deuten auch andere noch existierende Ortsnamen auf ihn hin.

16. 1134-1142) Auf die Nachricht von der Ermordung Kanut Lewards, machte der deutsche Kaiser Lothar, der ihm mit Freundschaft zugetan gewesen war, sich mit einem mächtigen Heer auf, seinen Tod zu rächen und drang in Schleswig ein, wo Magnus seine Verzeihung erflehte. Da nun aber Pribislav sowohl wie Niklot dem Heidentum zugetan waren, so ging Lothar auf die Bitte des frommen und gelehrten Vicelin, der früher vom König Heinrich nach Lübeck berufen worden war und jetzt als Abt dem Kloster Faldera (Neumünster) in Holstein vorstand, gern ein, der christlichen Kirche, die oft durch Pribislavs Anfalle hart bedrängt wurde, sich anzunehmen und zu ihrem Schutze eine Feste, Segeberg (Siegsberg) in Wagrien, erbauen zu lassen. Die Wenden selbst mussten auf Geheiß des Kaisers diesen Bau beschaffen, der ihnen eine Zwingburg werden sollte; eine kaiserliche Besatzung fand darin Aufnahme. Mit welchem inneren Grimm sie (1134) Hand ans Werk legten, lässt sich denken, da die christliche Lehre sich ihnen bisher nicht in ihrer Reinheit gezeigt hatte, indem sie als Deckmantel unerhörter Bedrückungen hatte dienen müssen und die geistlichen wie weltlichen Machthaber, mit wenigen Ausnahmen, unter dem Vorwande der Bekehrung nur die Unterwerfung der freiheitsliebenden Wenden bezweckten. Dies gestehen selbst die christlichen Schriftsteller jener Zeit ein. Es verging auch kein langer Zeitraum, als schon Pribislav, indem nach Lothars Tode in Deutschland der Kampf der Guelfen und Gibellinen aufs Neue entbrannte, die Stunde der Rache für erschienen haltend, Segeberg überfiel, das daneben angelegte Kloster niederbrannte und Holstein verwüstete. Diese Tat zog ihm den Verlust seines Landes zu, denn nach Beendigung des Kampfes in Deutschland erhielt Albrecht der Bär, für den Verzicht auf das erledigte Herzogtum Sachsen, die Markgrafschaft Nordsachsen (Brandenburg) vom Kaiser Conrad III.; Albrechts Freund Heinrich von Badewide aber, dem vorher Holstein zugesprochen war, wurde, bei veränderter Sachlage, mit Polabien unter dem Namen der Grafschaft Ratzeburg abgefunden, während dem Grafen Adolf II. von Holstein Wagrien zu Teil ward. Pribislav behielt nur einen kleinen Landstrich von Wagrien mit der Stadt Oldenburg, wofür er an Adolf einen jährlichen Tribut entrichten musste. (1142) So traurig endete seine Herrschaft; sein Todesjahr ist unbekannt.

17. Sicherer wusste Niklot das Staatsschiff durch die Stürme der Zeit zu lenken; den auswärtigen Händeln fern, regierte er Obotritien in Frieden und schloss selbst mit dem Grafen Adolf ein Bündnis. Nun traf es sich aber, dass Kaiser Conrad, auf die empfangene Nachricht von der Einnahme Edessas durch die Sarazenen, einen Kreuzzug gegen die Ungläubigen gelobte, wodurch eine große Anzahl geistliche und weltliche Herren, unter denen sich der Markgraf Albrecht von Brandenburg und der junge Herzog von Sachsen, Heinrich der Löwe, auszeichneten, veranlasst wurden, zu einem ähnlichen Zuge gegen die heidnischen Wenden zu waffnen. Der fromme Eifer jenes Zeitalters, die Aufopferung für einen großen Gedanken sind gewiss bewunderungswert, allein auch minder edle Triebfedern, Eroberungssucht und Beutelust, hatten 1147 an diesem Entschlusse gewiss nicht den geringsten Anteil. Bei dieser drohenden Gefahr und obgleich ihn sein Verbündeter Adolf von Holstein treulos im Stiche ließ, verlor Niklot doch den Mut nicht; durch einen raschen Angriff kam er seinen Gegnern zuvor, indem er in Holstein einfiel, Lübeck überrumpelte und so den Kriegsschauplatz in des Feindes Land versetzte. Als aber das Kreuzheer von der andern Seite heranzog und auch die Dänen, gegen welche die Wenden oft Seeraub geübt haben mochten, sich jenem anzureihen beschlossen, indem sie mit einer Flotte an der wendischen Küste landeten, musste Niklot an den Rückzug denken, den er, reich an Beute und Gefangenen, antrat und sich alsdann in die Feste Dobin, die bei der Insel Lieps im Schweriner See gelegen war, warf. Hier schlug er nicht allein alle Stürme ab, sondern er nahm bei seinen glücklichen Ausfällen auch eine Menge Dänen gefangen. Es hielt daher nicht schwer, einen baldigen Frieden zu vermitteln, bei welchem die dänischen Gefangenen von den Wenden frei gegeben wurden und diese leicht das Versprechen ablegten, sich taufen zu lassen, da sie die Taufe doch nur als eine äußerliche Handlung betrachteten. So ging Niklot 1148 denn aus dem ungleichen Kampfe als Sieger hervor und der ehrgeizige Heinrich der Löwe musste seine herrschsüchtigen Pläne, die auf den Besitz Obotritiens gerichtet waren, für eine spätere Zeit aufbewahren. Diese blieb nicht aus, als in Italien der Riesenkampf zwischen Kaisertum und Papsttum ausgekämpft wurde. Heinrich der Lowe war als Reichsvasall dem Kaiser Friedrich I. Barbarossa mit seinem Heere zugezogen, um die lombardischen Freistaaten der kaiserlichen Gewalt zu unterwerfen; da erhielt er 1159 die Nachricht, dass die Wenden, seine Abwesenheit benutzend und ihr vorher abgegebenes Versprechen brechend, in die Lande seines Verbündeten, des Königs Waldemar von Dänemark, eingefallen waren und sie verwüsteten. Er erhielt die Erlaubnis zur Rückkehr, erschien unerwartet in Sachsen und rüstete ein so mächtiges Heer aus, dass aller Widerstand der Wenden, die er vorher auf einer allgemeinen Ratsversammlung formlich geächtet harte, gegen ihn vergeblich schien. Wiederum suchte der mutige Niklot, dem die nahende Gefahr nicht die männliche, oft erprobte Entschlossenheit zu rauben vermochte, durch einen kühnen Angriff den Feinden zuvorzukommen und Lübeck, das schon vor einigen Jahren vom Grafen Adolf von Holstein an Heinrich abgetreten war, durch einen raschen Überfall zu nehmen. Dem Gelingen nahe, machte ein Zufall die Unternehmung scheitern, indem ein christlicher Priester, welcher die andrängenden Wenden erkannte, als sie sich schon auf der zur Stadt führenden Brücke befanden, noch im letzten Augenblicke die Zugbrücke aufzuziehen vermochte. Nun überzogen die feindlichen Kriegsscharen die obotritischen Grenzen und die Dänen landeten mit einem Hilfsheer auf Poel. Da blieb Niklot kein anderes Rettungsmittel, als selbst seine Burgen Schwerin, Dobin, Mecklenburg und Ilow niederzubrennen und sich hierauf in das feste, an der Warnow gelegene Werle zu ziehen, von wo aus er nicht ohne Glück wiederholte Ausfälle wagte. Als jedoch eines Tages eine ausgesandte Abteilung nicht ohne Verlust und von den Sachsen verfolgt heimkehrte, setzte sich der greise Fürst, um diese Schmach im Blute der Feinde zu sühnen, selbst an die Spitze einer Reiterschar; aber sein Heldenmut und seine Todesverachtung führten ihn zu weit in des Feindes Mitte, die Seinigen konnten ihm nicht schnell genug folgen und so sank er denn, der Übermacht erliegend, von Stichen durchbohrt und aus vielen Todeswunden sein edles Blut vergießend, leblos zu Boden. (1160) Des erschlagenen Heldenfürsten Haupt steckten die frohlockenden Sachsen auf eine Lanze und trugen es jubelnd als Siegesbeute durchs Lager.
Heinrich der Löwe - aus Simrock:

Heinrich der Löwe - aus Simrock: "Die deutschen Volksbücher" 1845

Heinrich der Löwe (1) - aus Simrock:

Heinrich der Löwe (1) - aus Simrock: "Die deutschen Volksbücher" 1845

Heinrich der Löwe (2) - aus Simrock:

Heinrich der Löwe (2) - aus Simrock: "Die deutschen Volksbücher" 1845

Heinrich der Löwe (3) - aus Simrock:

Heinrich der Löwe (3) - aus Simrock: "Die deutschen Volksbücher" 1845

Heinrich der Löwe (4) - aus Simrock:

Heinrich der Löwe (4) - aus Simrock: "Die deutschen Volksbücher" 1845

Heinrich der Löwe (5) - aus Simrock:

Heinrich der Löwe (5) - aus Simrock: "Die deutschen Volksbücher" 1845

Heinrich der Löwe (6) - aus Simrock:

Heinrich der Löwe (6) - aus Simrock: "Die deutschen Volksbücher" 1845

Heinrich der Löwe (7) - aus Simrock:

Heinrich der Löwe (7) - aus Simrock: "Die deutschen Volksbücher" 1845

Heinrich II.

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Kreuzritter

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Barbarossas Untergang

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