Mecklenburg - Ratzeburg, teils zu Mecklenburg teils zu Lauenburg gehörig

Aus: Deutschland und die Deutschen. Band 2
Autor: Beurmann, Eduard (1804-1883) deutscher Advokat, Journalist und Redakteur, Erscheinungsjahr: 1839
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Mecklenburg-Strelitz, Slawen, Radegast, Domkirche
Ratzeburg, das mit seinen roten Häusern freundlich aus dem Waldgrün ringsum hervorsteht, ist nur zum Teil mecklenburgisch.
Der Domhof und Palmberg gehören dem Großherzog von Mecklenburg-Strelitz, alles Übrige ist Lauenburgisch. Diese Zerstückelung ist ein Überrest des alten Bistums, das Mecklenburg zufiel und noch an den elf Aposteln aus getriebenem Silber am Altar der Domkirche erkenntlich ist.
Der zwölfte wurde gestohlen, oder erfüllte vielmehr den Zweck des Evangeliums, die Mission, in alle Welt zu gehen und zu lehren alle Völker. Die Theologen fluchten dem Dieb, aber das Geld ist demungeachtet das Evangelium des neunzehnten Jahrhunderts geworden, weshalb man auch in der Schlosskirche von Ludwigslust wohlweislich nur Leuchter von Pappe, mit Silberpapier überklebt, aufgehangen hat, die dem alten Evangelium eben so hell leuchten, wie silberne.

Außer den Aposteln findet man im Dom zu Ratzeburg auch Überreste der heidnischen Gottesverehrung, die dem Tempel der Obotriten zu Rhetra entnommen wurden: den Kriegs-Gott Radegast und die Göttin der Liebe: Siwa, die Gemahlin Bogs. Wir wollen gern glauben, dass die Liebe der Wenden manierlicher gewesen ist, als ihre göttliche Repräsentantin; wenigstens hielt ein Engländer neben mir diese Siwa für den Radegast, der ihm noch nicht gezeigt worden war, den Radegast selbst aber schlechtweg für ein „Ungeheuer“; denn in der slawischen Mythologie trifft man immer ein Gemisch von Mensch und Tier. Radegast hat einen Löwenkopf, auf welchem ein Vogel sitzt.

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Radegast, aus der Zeit der heidnischen Gottesverehrung der Slawen

Radegast, aus der Zeit der heidnischen Gottesverehrung der Slawen