Mecklenburg - Grabow, Parchim, Boitzenburg, Dömitz

Aus: Deutschland und die Deutschen. Band 2
Autor: Beurmann, Eduard (1804-1883) deutscher Advokat, Journalist und Redakteur, Erscheinungsjahr: 1839
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenbur-Vorpommern, Mecklenburg-Schwerin, Land und Leute, Marktflecken, Mecklenburg-Strelitz, Chaussee, Staatsgefängnis, Staatsgefangene
Grabow, in der Nähe von Ludwigslust, lebt von diesem Marktflecken, dem es hauptsächlich Butter liefert und Getreide.

Parchim an der Elde ist Sitz des OA-Gerichts für beide Großherzogtümer, das größtenteils aus dem höchsten Adel zusammengesetzt ist; denn der Großherzog von Mecklenburg - Schwerin ernennt den Präsidenten und einen Rat; der Großherzog von Mecklenburg-Strelitz einen Rat, die Ritterschaft einen Rat, die Landschaft einen Rat, und Ritter- und Landschaft alternierend noch einen Rat. Diese Wahlordnung, die die Besetzung der Majorität des aus einem Präsidenten, einem Vizepräsidenten und fünf Räten bestehenden höchsten Landesgerichts in die Hände der regierenden Fürsten und der Ritterschaft legt, wird den Mangel bürgerlicher Elemente in letzter Instanz hinlänglich erklären.

Boitzenburg ist bekannt durch den Elbzoll, durch Bier, durch einen Wollmarkt, und neuerdings durch die Chaussee, welche von Hamburg über Boitzenburg, Redefin, Ludwigslust und Grabow nach Berlin fuhrt. Chausseen gehören in Mecklenburg zu den Seltenheiten, wie in Holstein, und auch die Hamburger-Berliner Chaussee würde ohne Preußen nur ein frommer Wunsch sein. Jetzt aber hat der letztere Staat eine höchstens dreißig Jahre haltbare Straße gebaut, mit der Bedingung, dass Dänemark nach Ablauf dieser Zeit die Kosten der Unterhaltung hinsichtlich der Lauenburg und Holstein durchschneidenden Teile trägt. Kurz, dieser Wegebau ist eine Wohltat für das nördliche Deutschland, die man preußischer List mehr, als preußischer Aufopferung verdankt; denn jene Kosten, welche dieser Staat an die dreißigjährige Dauer der Chaussee wandte, werden hinlänglich durch den Vorteil kompensiert werden, dass preußische Untertanen ein für alle Mal von Chausseeabgaben eximiert sind, Dänemark aber wird nach dem Ablauf jener Frist, binnen welcher Preußen für die Unterhaltung dieser Straße zu sorgen hat, genötigt sein, eine neue in seinen Landesteilen zu bauen.

Dömitz, am Zusammenfluss der Elde mit der Elbe ist das Spandau Mecklenburgs, aber es gibt nirgends weniger Staatsgefangene, als in diesem Ländchen.

.

.

.

Dömitz.

Dömitz.

Parchim.

Parchim.

Straßenbau nach MacAdamscher-Methode um 1830

Straßenbau nach MacAdamscher-Methode um 1830

Kastanien-Allee bei Gadebusch

Kastanien-Allee bei Gadebusch