Mecklenburg - Die Häfen Wismar und Rostock

Aus: Die Ostsee und ihre Küstenländer
Autor: Etzel, Anton von (1821-1870), Erscheinungsjahr: 1859
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin, Amtsgerichtsbezirk Rostock, Hansestadt, Denkmäler, Bauten, Architektur, Kirchen, Kirchenmobiliar, Renaissance, Barock, Rokoko, Klassizismus, Denkmalsschutz, Geschichte, Geschichtsdenkmäler, Regionalgeschichte, Landesgeschichte, Stadtgeschichte, Kirchengeschichte, Marienkirche
Mecklenburg hat zwei Häfen, unter denen der westliche, Wismar, in der erwähnten Bucht allen Fahrzeugen guten Schutz gewährt, aber durch Versandungen leidet. Die Stadt ist im mittelalterlichen Stil erhalten, mit Mauern und Gräben, die in Promenaden verwandelt sind, umgeben und treibt einen lebhaften Seehandel. Von 1648 bis 1803 gehörte Wismar zur Krone Schweden, ward aber schon 1803 auf hundert Jahre an Mecklenburg verpfändet und ist bald darauf ganz in den Besitz desselben übergegangen,

Rostock ist, obschon nicht die Hauptstadt des Landes, entschieden von der größten Wichtigkeit und übertrifft Schwerin auch in der Einwohnerzahl. Sein eigentlicher Hafen ist zwei Stunden oberhalb bei Warnemünde, Die Stadt ist altertümlich gebaut, mit alten Befestigungswerken umgeben. Unter ihren Baulichkeiten zeichnet sich der Petriturm wegen seiner luftigen Bauart und beträchtlichen Höhe aus, und die Marienkirche hat gute Gemälde, eine astronomische Uhr und anderen wertvollen, mittelalterlichen Kirchenbesitz; in ihr fand die sterbliche Hülle des berühmten Grotius ihre Ruhestätte, bis sie nach Delft in Holland versetzt wurde. Nachdem er Schweden verlassen, trieben ihn Stürme im baltischen Meere hin und her und nötigten ihn endlich hier seine Zuflucht zu nehmen. Die Ermattung, in welche ihn die Seekrankheit, Anstrengung und Angst, die Wut der Winde und des Regens versetzt hatten, war aber so groß, dass er nach wenigen Tagen sein Leben in einem Eckhause am Markte schloss, das noch heute als Sehenswürdigkeit dem Besucher Rostocks gezeigt wird. Die Universität ist die einzige der beiden mecklenburgischen Herzogtümer und schon 1419 begründet, aber im Ganzen wenig besucht, obschon sie ganz tüchtige Lehrkräfte und in einer 80.000 Bände starken Bibliothek, Kabinetten, Museum und botanischen Garten gutes Hilfsmaterial besitzt. Wallenstein machte sich in der kurzen Zeit seiner Herzogschaft um sie verdient, indem er den berühmten Astronomen Keppler an dieselbe berief. Der Blücherplatz, mit dem ehernen Standbilde Blüchers, verherrlicht das Andenken an die 1742 hier erfolgte Geburt des Heldenmarschalls.


Noch jetzt hat Rostock aus älterer Zeit herstammende große Vorrechte, unter anderen die Führung einer eigenen Flagge und das Münzrecht, welches der Rat der Stadt durch die Prägung von „Witten", einer kleinen kupfernen und silbernen Scheidemünze, aufrecht erhält, während die übrigen Münzen in Schwerin geschlagen werden.
Wismar, Stadtansicht

Wismar, Stadtansicht

Rostock Stadtansicht

Rostock Stadtansicht

Rostock, Rathaus

Rostock, Rathaus

Rostock - Giebelhäuser bei der Nicolaikirche

Rostock - Giebelhäuser bei der Nicolaikirche

Rostock - Markt, Marienkirche und Blutstraße

Rostock - Markt, Marienkirche und Blutstraße

Hansestadt Rostock - Stadtansicht

Hansestadt Rostock - Stadtansicht

Rostock, Lange Straße, Marienkirche in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts

Rostock, Lange Straße, Marienkirche in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts

Rostocker Wallanlagen und Kröpeliner Tor, 1968

Rostocker Wallanlagen und Kröpeliner Tor, 1968

Rostock-Warnemünde, Alter Strom, Eisgang 1968

Rostock-Warnemünde, Alter Strom, Eisgang 1968

Rostock. 013 Marienkirche, Giebel des südlichen Querschiffs

Rostock. 013 Marienkirche, Giebel des südlichen Querschiffs