Mecklenburg - Die Bewohner

Aus: Deutschland und seine Bewohner, ein Handbuch der Vaterlandskunde für alle Stände
Autor: Hoffmann, Karl Friedrich Vollrath (1796-1842) deutscher Geograph und geographischer Schriftsteller, Erscheinungsjahr: 1836
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Bewohner, Menschenschlag, Körperkraft
Betrachtet man die Bewohner, so findet man einen, im Durchschnitt regelmäßig und hochgewachsenen Menschenschlag, von heller Hautfarbe und hellen Haaren und Augen, nicht wie die Patagonen, aber meist große und schlank gewachsene Leute, von welchen manche, wenn sie die Dreißig hinter sich haben, das Talent dick zu werden besitzen, und, wenn sie vermögend sind, auch nicht selten kultivieren.

Durch die vielen Speisen aus dem Tierreich, und körperliche Anstrengungen und Übungen, haben die meisten, und, im Durchschnitt genommen alle, mehr Körperkraft als die Bewohner Süddeutschlands; denn es ist in Mecklenburg-Strelitz (wo der Berliner Scheffel eingeführt ist) ganz gewöhnlich, das jeder erwachsene Tagelöhner oder Knecht, auf einem Domanial- oder Rittergut, fünf Scheffel*) Getreide, Berliner Maß, in einem Sack, treppab auf den Wagen, und vom Wagen treppauf tragen kann. Selten ist es, dass einem Manne diese Last zu groß ist. Wer 7 oder 8, oder gar 10 Scheffel zu tragen vermag, der gilt als Stark.

Da es an Nahrungsmitteln (welche sehr wohlfeil sind) auch den Ärmeren nicht fehlt, sind im Durchschnitt die Leute besser genährt, als im mittleren und südlichen Deutschland, und die armen Leute, welche in einer Woche kein Ei, noch weniger in mehreren Wochen kein Stückchen Fleisch auf ihren Tisch bekommen, sind dort unbekannt. Jeder, auch der Ärmste, hat zu leben. Der Verfasser, welcher selbst vier Jahre auf einem Domanialgut Hauslehrer war, also auch die Umgegend kennen lernte, glaubt, dass (wider Willen) daselbst nie ein Mensch hungrig zu Bette ging.

*) So galten folgende Mindestgewichte eines Scheffels in preußischen Pfund: Hafer 45 ½ preußische Pfund, Mehl 75 preußische Pfund, Gerste 55 ½ preußische Pfund, Weizen 85 ½ preußische Pfund, Hülsenfrüchte 90 ½ preußische Pfund und Kohlen 100 preußische Pfund. Das preußische Pfund entsprach seit dem 1. Juli 1858 500 Gramm.
Schäfermeister

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Schaf- und Ziegenhirtin

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Bauer mit Pferd

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Landliebe

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