Mecklenburg - Abstammung und Alter des fürstlichen Hauses. Frühere Bewohner Mecklenburgs. Das Dorf Mecklenburg und die Herren von Mecklenburg

Aus: Deutschland und die Deutschen. Band 2
Autor: Beurmann, Eduard (1804-1883) deutscher Advokat, Journalist und Redakteur, Erscheinungsjahr: 1839
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Mecklenburg, Landesbeschreibung, Land und Leute, Sitten und Gebräuche, Mecklenburg-Schwerin, Mecklenburg-Strelitz, Slawen, Prinzessin Helene von Mecklenburg-Schwerin, Herzog Karl von Mecklenburg-Strelitz, Mirow, Advokaten, Völkerwanderung, Ostsee, Heruler, Vandalen, Göttingen, Obitriten, Wilzen, Pribislaus, Reichsfürst, 1170, Mecklinborg, Wismar, Brüel, Heinrich Burewin, Güstrow, Rostock, Parchim, Schwerin, Strelitz
Die Großherzöge von Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz, der beiden regierenden Branchen, sind die einzigen deutschen Fürsten slawischer Abstammung und das mecklenburgische Fürstenhaus ist — wie bei der Vermählung der Prinzessin Helene von Mecklenburg-Schwerin mit dem französischen Thronfolger weitläufig erwiesen wurde — das älteste in Europa, eine Behauptung, für welche Herzog Carl von Mecklenburg-Strelitz einen unumstößlichen Beweis lieferte; denn er hielt bis zu seinem letzten Atemzuge an die ältesten Grundsätze in Betreff des fürstlichen Blutes, obschon er im Übrigen so fein und gewandt raisonnierte, dass man ihn für in der jüngsten Schule des Berliner politischen Wochenblatts gebildet halten konnte. Herzog Karl ruhet nun in der Strelitz’schen Familiengruft zu Mirow; und die Mecklenburger glaubten ihren Fürsten und Advokaten von jeher. Somit wird man sich auch nirgends weniger nach einer gegenteiligen Ansicht umgesehen haben, als in Mecklenburg.

Vor der Völkerwanderung bewohnten die Küsten der Ostsee im heutigen Mecklenburg Heruler und Vandalen, weshalb sich zu meiner Zeit in Göttingen alle adeligen Mecklenburger auch Vandalen nannten und wie Vandalen benahmen. Diese, ich meine die alten Vandalen, zogen von Osten nach Süden und an ihre Stelle traten slawische Stämme, unter denen die Obotriten und Wilzen um die Oberherrschaft in Mecklenburg stritten. Jene siegten und obotritische Fürsten regierten in Mecklenburg. Einer derselben, Pribislaus, wurde im Jahre 1170 zum deutschen Reichsfürsten erklärt. Er ist der Stammvater des jetzigen Fürstenhauses und residierte noch in dem alten fabelhaften Mecklinborg, einst Hauptort der Obotriten, jetzt ein Dorf, Mecklenburg, zwischen Wismar und Brüel, das dem ganzen Lande den Namen gab. Hört man aber jetzt von Herren von Mecklenburg in Mecklenburg, so sind es Söhne des letztverstorbenen Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin. Wie das Dorf Mecklenburg dem Großherzogtum den Namen gab, so musste das Großherzogtum jener außerehelichen Deszendenz Gevatter stehen.

Die mecklenburgischen Fürsten teilten sich in der Folge in Land und Leute, so dass nach dem Tode Heinrich Burewins II. die vier Linien von Mecklenburg, Güstrow, Rostock und Parchim entstanden, deren letztere beide bald erloschen und von anderen ersetzt wurden, bis endlich im Jahre 1701 die zwei noch blühenden Linien von Schwerin und Strelitz über Mecklenburg herrschten.
Mecklenburg-Schwerin besitzt den größten Anteil des Landes, es hat auf 228 Q.-M. 442.000 E. Mecklenburg-Strelitz dagegen hat nur 36 Q.-M. mit 79.800 E.
Mecklenburg, Denkmal an der Stelle der ehemaligen Burganlage

Mecklenburg, Denkmal an der Stelle der ehemaligen Burganlage