Ludwigslust, die Residenz des Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin. 1828

Aus: Geographische Beschreibung der Großherzogtümer Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz
Autor: Hempel, Gustav (?), Erscheinungsjahr: 1829
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin, Residenz, Ludwigslust, Ostsbeschreibung
Ludwigslust, die gewöhnliche Residenz des Großherzogs, in einer ebenen sandigen Gegend, hat über 600 Häuser und 3.961 Einwohner. Das Großherzogliche Residenzschloss ist in einem edlen Stile erbaut, und von ansehnlicher Größe. Es bildet ein längliches Viereck, hat 3 Stockwerke und ein plattes Dach, auf welchem sich 12 steinerne Statuen, die Apostel vorstellend, befinden. Das Schloss enthält sehr schöne und aufs geschmackvollste eingerichtete Zimmer; besonders zeichnet sich darunter der sogenannte goldene Saal aus. Vor dem Schloss ist ein geräumiger Platz, der durch eine Kaskade, ein Meisterstück der Wasserbaukunst, begrenzt wird, wo das Wasser in 8 bis 12 breitet Doppelfällen mit lautem Geräusch hinströmt. Dann folgt eine breite Straße, mit einer doppelten Lindenallee, an deren Ende die Kirche liegt. Letztere ist nicht sehr groß, aber im Innern einfach schön geschmückt. Merkwürdig ist darin ein großes Fresko Gemälde, hinter welchem die Orgel angebracht ist, und das steinerne Grabmal*) des Herzogs Friederich. Links vom Schloss nimmt die lange und breite Hauptstraße, ebenfalls eine doppelte Allee enthaltend, ihren Anfang, und von dieser gehen nun die übrigen Straßen ab. Alle Straßen sind gerade und breit, die Häuser von gleicher Höhe und sehr viele massiv. Unter den herrschaftlichen Gebäuden sind besonders die neu erbauten Marställe des Großherzogs und des Erbgroßherzogs zu bemerken.

Rechts vom Schloss und hinter demselben erstreckt sich in einem weiten Umfange der Schlossgarten und Park mit herrlichen Anlagen und Partien, mit Alleen, schattigen Gängen, mehreren Springbrunnen und kleinen Wasserfällen. In den Gehölzen des Gartens befinden sich eine Menge Hirsche und Rehe. Ferner sind im Schlossgarten belegen: die reich verzierte katholische Kirche zu St. Helenen, die Begräbniskapelle, worin der verstorbene Erbgroßherzog und seine erste Gemahlin, die Großfürstin von Russland, beigesetzt sind, das Mausoleum der Gemahlin des Großherzogs, ein Denkmal des Herzogs Friederich auf einer Insel, das Schweizerhaus. Park und Garten werden vom Schloss aus, von der geraden und breiten Hauptallee durchschnitten. Ein, der Rögnitz abgeleiteter Kanal, versorgt die Kaskaden und Springbrunnen mit Wasser, und durchfließt den Ort selbst, und auch den Garten. Vor dem Hamburger Tore befindet sich der Erbgroßherzogliche Garten mit neuen geschmackvollen Anlagen und dem Erbgroßherzoglichen Familienbegräbnis.

*) Aus einem einzigen Steine, der bei Gr. Laasch an der Elde gefunden, und auf der Schweriner Schleifmühle zerschnitten und poliert wurde. Seine Bearbeitung kostet über 6.000 Rthlr. —

Noch sind in Ludwigslust anzuführen: Die Bildergalerie auf dem Schloss, die lateinische Schule, das Landschulmeister Seminarium, und die Karton- oder Pappfabrik, welche allerlei Büsten und selbst Statuen verfertigt, dergleichen man auch mehrere im Schlossgarten antrifft. Übrigens ist die Residenz jetzt mit einer Mauer umgeben, und drei hübsche Tore zieren die Eingänge. Auch werden die, von der Natur nicht begünstigten, Umgebungen durch Kunst immer mehr verschönert. Eine, 2 3/4 Meilen lange Allee führt von Ludwigslust in gerader Richtung durch die Wiesen der Lewitz nach dem Großherzoglichen Jagdhaus Friedrichsmoor, und von da bis zum Forsthofe Bahlenhüschen. Auch der 4 Meilen betragende Weg nach Schwerin geht durch Alleen und Gehölze in meistens gerader Linie. Die Lage des Ortes ist 115 Fuß höher als die Meeresfläche.

Ludwigslust wurde vom Herzog Christian Ludewig II. angelegt, ist seit 1756 Herzogliche Residenz, und seit 1792 zum Flecken mit besonderer Gerichtsbarkeit erklärt. Das Schloss wurde vom Herzog Friederich von 1772 bis 1779 erbaut.

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Herzog Friedrich Franz I. von Mecklenburg-Schwerin.

Herzog Friedrich Franz I. von Mecklenburg-Schwerin.

Das Schloss in Ludwigslust um 1880

Das Schloss in Ludwigslust um 1880

Das Schloss in Ludwigslust um 1830

Das Schloss in Ludwigslust um 1830

Friedrichsmoor um 1880

Friedrichsmoor um 1880

Friedrich Ludwig Erbprinz von Mecklenburg-Schwerin.

Friedrich Ludwig Erbprinz von Mecklenburg-Schwerin.