Jahresbericht des Preußischen Konsulates zu Rostock für 1858.

Aus: Preußisches Handelsarchiv
Autor: Preußisches Konsulat zu Rostock, Erscheinungsjahr: 1859
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg, Rostock, Warnemünde, Handelsbilanz, Wirtschaftsentwicklung, Getreidepreise, Wollpreise, Handelsumsätze, Schifffahrt, Handelswelt, Reederei, Schiffbau, Landwirtschaft, Transitverkehr, Schafzucht, Rinderzucht, Schweinezucht, Pferdezucht, Wollhandel, Einfuhren und Ausfuhren, Verkehrsverhältnisse, Zoll- und Steuern, Kapitalverhältnisse, Finanzwirtschaft
Aus: Preußisches Handelsarchiv. Wochenzeitschrift für Handel, Gewerbe und Verkehrsanstalten. Nach amtlichen Quellen. Mit Genehmigung des Ministeriums für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten herausgegeben von Saint-Pierre, Wirkl. Legationsrat und Moser, Geh. Regierungsrat. Jahrgang 1859. Berlin 1859

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Nach den trüben Ereignissen, durch welche im Jahre 1857 die Handelswelt erschüttert wurde, kann es nicht Wunder nehmen, wenn, von allen Seiten, so auch von hier, die Berichte über die Handelsbewegungen des eben verflossenen Jahres keine erwünschten Resultate nachzuweisen haben; wenn aber besonders in dem Großherzogtum Mecklenburg nach Verlauf eines Jahres die Klagen fast lauter ertönen als zur Zeit jener unheilvollen Handelskrisis, so geht dies daraus hervor, dass die Haupterwerbsquellen unseres Landes, Landwirtschaft, Handel und Schifffahrt, gerade durch die dauernde Stockung des Handels und die verschlimmerten Geldverhältnisse — diese Folgen der Krisis — ärger beeinträchtigt wurden als man Anfangs befürchtete. Durch die günstigen, zum Teil glänzenden Erfolge der letzten Jahre hat sich der Einfluss dieser Branchen der diesseitigen Industrie auf den allgemeinen Wohlstand in mehr und mehr umfassender Weise geltend gemacht, da das Kapital sich allgemein denselben zuwandte; jetzt aber, wo der Erfolg kein glücklicher, macht sich der Einfluss nicht minder fühlbar, und die daraus entstehenden Klagen sind um so allgemeiner, als auch in der nächsten Zukunft ein Ersatz für die Verluste der Gegenwart nicht in Aussicht steht. Die Erfolge der

Landwirtschaft

waren im vorigen Jahre nicht allein durch diejenigen Nachteile beeinträchtigt, welche der traurige Zustand der allgemeinen Handelsverhältnisse veranlasste, sondern überdies war der Ertrag der letzten Ernte nicht den Wünschen entsprechend, welche der Produzent mit um so größerer Hoffnung hegte, als das Fallen der Getreidepreise seine Einkünfte fortdauernd und auf empfindliche Weise zu schmälern drohte. Die Aussichten für die Getreide-Ernte blieben bis zum Mai vorigen Jahres allgemein entschieden günstig; als aber während dieses Monats sowohl, wie während der folgenden, die herrschende Dürre anhielt, wurden Befürchtungen rege, welche sich nach Einbringung der Ernte leider als nur zu begründet erwiesen. Besonders war der Ertrag des Kleeheus, für unsere Landleute ein wichtiger Gegenstand zur Ernährung ihrer Viehstände, gefährdet, und nicht minder unbefriedigend ergab sich der erste Schnitt des Wiesenheus; durch den Misswachs dieser wie anderer wichtiger Futter-Ingredienzien, als z. B. Runkelrüben, sowie durch den geringen Strohwuchs ist der Ertrag der Getreide-Ernte nun auch in sofern geschmälert, als das Getreide selbst diesen Mangel ersetzen muss, und daher ein bedeutend geringeres Quantum von dem Produzenten zum Verkauf gebracht werden kann. Über die Ernte des verflossenen Jahres lässt sich im Allgemeinen urteilen, dass durchschnittlich nicht mehr als 2/3 der Fuderzahl des Jahres 1857 eingefahren wurde; der Ertrag des Weizens zeigt sich auch in diesem Verhältnis; geringer als im vorigen Jahre, da das Probenue per Fuder durchschnittlich dem letztjährigen gleich geblieben; die Verschiedenheit des Ergebnisses ist übrigens in den einzelnen Gegenden sehr bedeutend, je nach der größeren oder kleineren Menge Regen und nach der Beschaffenheit des Bodens, welche mehr oder weniger Feuchtigkeit beanspruchte. So finden sich in dem engsten Umkreise die verschiedensten Erträge: ein Gewitterschauer zu rechter Zeit hat diesem Gute eine genügende Ernte verschafft, während jenes benachbarte, die gleiche Erquickung entbehrend, fast totalen Misswachs erlitt.

Von Roggen lässt sich im Allgemeinen günstiger urteilen; der Erbrusch gibt ein besseres Resultat als erwartet, und wenn nicht gerade von diesem Artikel so bedeutend zum Ersatz für das mangelnde Viehfutter gebraucht werden müsste, so würde davon der Verkauf gleich dem eines guten Durchschnittsjahres sein können.

Gerste erreicht einen Durchschnitts-Ertrag nicht, dagegen gibt Hafer, besonders im Verhältnis zu den eingebrachten Fudern, stellenweise einen glänzenden, durchschnittlich einen reichlichen Ertrag. Von Hülsenfrüchten gaben Bohnen und Wicken eine totale Missernte, und fällt dies bei dem Futtermangel sehr schwer in die Wage. Erbsen gediehen besser, blieben aber größtenteils doch hinter einem Durchschnitts-Ertrage zurück.

Die Ölsaaten litten im Frühjahr teils durch die trockene Kälte, teils durch die spätere Dürre, und mussten in Folge dessen die Felder umgeackert werden, so dass der Ertrag der Wintersaaten ein höchst mäßiger, gegen das voraufgegangene Jahr wohl um 80 pCt. geringerer, wurde. Die an Stelle des Winter-Raps und Rübsen gesäten Sommer-Ölsaaten ersetzten diesen Ausfall zwar einigermaßen, doch ist der Ertrag der Ölsaaten durchschnittlich ein sehr wenig befriedigender geworben, besonders im Verhältnis zu der bedeutenden Aussaat, welche durch die glänzenden Erträge der 1857er Ernte veranlasst war.

Ein allgemein befriedigendes Resultat lieferten im vorigen Jahre die Kartoffeln, wodurch doch teilweise Ersatz für die mangelnden Futterstoffe geboten ist. Auch die in den letzten Jahren häufiger auf dem Lande eingerichteten Brennereien konnten durch dies günstige Ergebnis wenigstens in Betrieb erhalten werden, wiewohl derselbe für die Eigner bei den sehr erniedrigten Spirituspreisen keine Vorteile bieten kann.

So weit sich bis jetzt beurteilen lässt, ist mindestens vorauszusehen, dass von allen Bodenerzeugnissen nicht nur für den Konsum des Landes genügend produziert ist, sondern dass auch von jedem Artikel zur Ausfuhr wird abgegeben werden können, allerdings mit Ausnahme der missratenen Hülsenfrüchte, wovon zur Saat ein Import stattfinden muss.

Ein anderer Zweig der Landwirtschaft, die Viehzucht, hat im verflossenen Jahre nicht unbedeutend unter dem erwähnten Futtermangel leiden müssen, und ist dadurch nicht allein der Verkauf von Fettvieh ansehnlich verringert, sondern auch besonders die Produktion von Butter, Wolle etc. gegen frühere Jahre zurückgeblieben. Einige Beachtung von Seiten der Preußischen Landwirte dürften die Mecklenburgischen Bockschäfereien verdienen, die in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte gemacht, und Tiere von großem Wollreichtum und kräftiger, großer Statur lieferten. Das Schurgewicht der Böcke variiert zwischen 12 und 16 Pfd. im Schmutz bei Prima-Feinheit, die Mutterschafe liefern 4 Pfd. und darüber gut gewaschene Wolle.

Ungeachtet der wenig günstigen Erfolge der Landwirtschaft hat sich der Wert der Landgüter vollkommen auf der früheren Höhe erhalten, und wo in letzter Zeit Verkäufe stattfanden, waren dieselben mindestens den Preisen der vorigen Jahre gleich; dasselbe Verhältnis zeigte sich auch bei Verpachtungen, wie wenig übereinstimmend mit den allgemeinen Klagen dies auch erscheinen muss.

Wenn auch im verflossenen Jahre die Verwertung der einheimischen Produkte durch den

Handel

rasch von statten ging, so fehlte es doch im Allgemeinen an Lust zu empfänglicherem Unternehmen, wie auch durch die zwar andauernden, aber doch höchst vorsichtigen Beziehungen von Auswärts keine Aufmunterung dazu geboten wurde. Die hiesigen Lager von Getreide fanden zu Anfang vorigen Jahres wie gewöhnlich ihren Absatz durch Export zur See, und zwar Weizen ausschließlich nach England, Roggen vorzüglich nach Bremen; als später im Sommer aber die fortdauernde Dürre für die Ernte allenthalben Befürchtungen hervorrief, vollends aber, als diese Befürchtungen durch die Missernte in einem Teil Preußens, wie in Sachsen und Schlesien, wo Wolkenbrüche und Überschwemmungen die Getreidefelder gerade zur Zeit des Schneidens verheerten, bestätigt wurden, gewann der Getreidehandel hier einige Zeit an Lebhaftigkeit, und unsere Produkte nahmen ihren Weg nach den verschiedenen bedürftigen Gegenden. Weizen wurde um diese Zeit mehrfach für Westphalen nach Bremen versandt, zugleich begannen aber auch Ankäufe zur Lieferung per Eisenbahn nach Berlin, Magdeburg, Dresden, Leipzig, wohin auch von Roggen nicht unbedeutende Quantitäten geliefert wurden. Diese Gegenden blieben auch für die Produkte der neuen Ernte bis jetzt ununterbrochen Abnehmer, sowohl für Weizen und Roggen, wie auch für Gerste, Erbsen, Hafer; selbst von unserer Ölsaat-Ernte ist ein großer Teil, besonders nach Wittenberge und Magdeburg, versandt. Die schöne, gesunde Qualität des Mecklenburgischen Getreides erleichtert einen Absatz nach jenen Gegenden bedeutend, und hat dieselbe sich einen Vorzug vor fast allen gleichen Sorten erworben. Von der 1858er Ernte wurde dasjenige, was bis zu Ende des Jahres in den Handel übergegangen ist, mit den geringsten Ausnahmen sofort nach jenen Gegenden versandt, da unsere gewöhnlichen Abnehmer, wie Holland, England, für Weizen nicht mit den Preisen jener Gegenden konkurrierten, und es sind somit die hiesigen Lager auf ein ungewöhnlich kleines Quantum zusammengeschmolzen. Leider fehlen genaue statistische Angaben über den Land-Export; über die Ausfuhr unseres Platzes zur See liefert dagegen die folgende Aufstellung einen, die Jahre 1853 bis 1858 umfassenden Nachweis:

(siehe Tabelle A)

Die hierdurch nachgewiesene, gegen frühere Jahre geringere Quantität Getreide gibt indessen keinen Beweis für einen minderen Umfang des hiesigen Getreidegeschäfts, da aus den angegebenen Gründen ein gegen andere Jahre bedeutenderer Teil der Ernte auf dem Landwege ausgeführt wurde. Die Preise für Getreide stellten sich wie folgt:

Weizen 160 – 200 Rthlr.
Roggen 105 – 140 Rthlr.
Gerste 100 – 110 Rthlr.
Hafer 70 – 90 Rthlr.
Erbsen 150 – 180 Rthlr.
per Last von 96 Rostocker Scheffeln; 7 Rostocker Scheffel 5 Verl. Scheffel.

Der Handel mit sonstigen landwirtschaftlichen Produkten ist in Rostock nur auf den Konsum beschränkt, da Fleisch und Butter zum größten Teil direkt von den Produzenten auf den Hamburger Markt zum Verkauf gesandt werden. Bei einer hoffentlich in nicht zu langer Zeit entstehenden Dampfschiff-Verbindung zwischen Rostock und England würde der Handel mit diesen Produkten, wenigstens aus einem Teile des Landes, hierher gezogen werden können, bis dahin bleibt aber Hamburg durch seinen größeren Markt und die Nähe Englands der Hauptabnehmer für diese Produkte Mecklenburgs.

Von Wolle wurden auf den inländischen Märkten von Produzenten gelagert wie folgt:

in Güstrow 45.000 Stein à 22 Pfd.,
in Rostock 3.000 Stein à 22 Pfd.,
in Wismar 7.500 Stein à 22 Pfd.,
in Neubrandenburg 5.000 Stein à 22 Pfd.,

doch war bereits vor den Märkten fast die Hälfte der in Mecklenburg produzierten Wolle auf den Höfen verkauft und von da direkt nach auswärtigen Märkten versandt. Bei Weitem der größte Teil der Mecklenburgischen Wolle findet seinen Absatz an dem Berliner Markt, oder wird bereits für Rechnung Berliner Häuser auf den hiesigen Märkten eingekauft. Die Preise stellten sich für:

feinste Tuchwolle 17 – 18 Rthler.
mittel Tuch- und Kammwolle 15 – 15 1/2 Rthler.
geringere Tuch- und Kammwolle 14 – 15 Rthler.
Vollwolle 12 – 13 Rthler.
Lammwolle 11 – 15 Rthler.
Locken 12 – 13 Rthler.
per Stein don 22 Pfd. alt Hamburger Gewicht.
Die diesjährigen Wollmärkte finden statt:
in Güstrow am 23., 24. und 25. Juni,
in Rostock am 21. und 22. Juni,
in Wismar nach dem Güstrower,
in Neubrandenburg bis jetzt nicht bestimmt.

Der Import unseres Hafens bleibt ohne wesentliche Veränderung.

Der Warenhandel wird hier mehr und mehr auf einen Detail-Verkehr reduziert, und selbst diesem Kleinhandel hat der verminderte Abzug nach dem platten Lande bedeutenden Abbruch getan. Durch die nahe Verbindung der kleinen Städte mit Hamburg ist eine direkte Beziehung, besonders der Kolonialwaren, ohne Berührung mit Rostock ermöglicht, hauptsächlich tragen aber die Steuer- und Zollverhältnisse unseres Landes dazu bei, dass, so lange diese bestehen, nie ein Aufschwung des Handels in den Seestädten möglich werden kann, und in je engere Verbindung uns erleichterte Kommunikationsmittel mit den. benachbarten Ländern bringen, um so mehr fühlen wir nur, wie abgesondert wir durch unser Abgabesystem dastehen, welches lediglich zum Schutz der benachbarten größeren Handelsstädte besteht, dagegen aber Handel und Gewerbe des eigenen Landes im höchsten Grade beeinträchtigt. Die mehrfachen Versuche einer Umgestaltung des Zoll- und Steuersystems in Mecklenburg, welche von Seiten der Staatsregierung zu verschiedenen Zeiten gemacht wurden, sind meistenteils daran gescheitert, dass es sich damit um Änderungen handelt, welche zu sehr in die staatsrechtlichen Verhältnisse des Landes eingreifen, und welche alte Privilegien gewisser Stände und Städte aufheben würde, über deren Ersatz eine Einigung allerdings schwierig sein mag, wiewohl der Vorteil für die Privilegierten im Verhältnis zu dem Nachteil, welcher dem ganzen Lande entsteht, ein geringer ist. Die Mecklenburgischen Zölle und Steuern, welche den Handel betreffen, sind im Wesentlichen folgende:

1) in Rostock die Großherzogliche Accise und die städtische Zulage;
2) in Wismar der Großherzogliche Licent und die städtische Accise!
3) außer den Damm- und Wasserzöllen etc. die Landzölle an verschiedenen Hebestellen;
4) die Handelssteuer, welche die Kaufmannschaft der Landstädte zu entrichten hat;
5) die außerordentliche Kontribution, die von dem Handelsstande des Landes bezahlt wird.

Ad 1. Die Rostocker Accise inkl. städtischer Abgaben beträgt für die meisten Waaren ca. 3 pCt. vom Werte. sowohl zur See, wie zu Lande einkommend; einzelne Waren tragen selbst 10—15 PCt. Auf Getreide, zur See ausgehend, lastet ein Ausfuhrzoll von zusammen ca. 1 ½ Rthlr. pro Last oder ca. 5/8 Sgr. pro Preuß. Scheffel; auch die übrigen einheimischen Produkte, mit wenigen Ausnahmen, sind beim Export zur See besteuert, während die Ausfuhr zu Lande per Eisenbahn etc. in der Regel von hier ganz zoll- und steuerfrei ist.

Ad 2. Die städtische Accise in Wismar beträgt auf zu Lande einkommende Waren ca. 1 1/24 pCt. vom Werte; Importe zur See bezahlen außerdem den Großherzoglichen Licent mit ca. 3 pCt. vom Wert. — Bei der Ausfuhr zur See muss gleichfalls für fast alle einheimischen Produkte Zoll bezahlt werden, der besonders auf einzelne Getreidesorten, wie Weizen, bedeutend höher noch als in Rostock ist.

Ad 3. Die sogenannten Landzölle müssen von jeder Ware, bei jeder Hebestelle, welche dieselbe passiert, entrichtet werden, ohne Rücksicht darauf, ob die Ware schon einmal eine Zollstätte passiert und den Zoll bezahlt hat. Beispielsweise sind an der Eisenbahn zwischen Rostock und Hamburg nicht weniger als drei, bis Berlin vier Zollerhebungen. Diese Zölle sind durchaus ungleich und zum Teil nicht gering, in der Regel 4 Schill, pro Schiffspfund von 320 Pfd. Der Rostocker Kaufmann ist von Entrichtung der Landzölle frei; durch deren Aufhebung würde demselben also gewissermaßen ein Privilegium genommen werden.

Ad 4. Die außerordentliche Landes-Kontribution zahlt jeder Kaufmann vom Wert der von ihm während des Jahres versteuerten Waaren. In der Regel haben wir drei bis vier einfache Kontributionen, wovon jede 1/5 pCt. des Wertes beträgt. Steinkohlen. Salz etc. zahlen pro quantitate, ebenso Getreide, welches indessen auch von der Kontribution frei ist, wenn es zu Lande exportiert wird, da dasselbe bann nicht versteuert wird.

Die Ritterschaft und alle Nichtkaufleute (diese mit Ausnahme der In Rostock und Wismar domizilierenden) sind gänzlich steuerfrei, und versorgen diese sich also mit ihren Bedürfnissen, besonders mit Kolonialwaren, Wein etc. direkt vom Auslande, ohne Berührung mit dem einheimischen Handel.

Auf dem jüngsten Landtage kam bei Gelegenheit der Proposition wegen des Baues der Ostbahn die Umgestaltung der Zoll- und Steuerverhältnisse wiederum zur Frage, indem die Landschaft und ein kleiner Teil der Ritterschaft eine Bewilligung zu der Eisenbahn ablehnte, wenn nicht zu gleicher Zeit eine Reform der Landzölle und Handelssteuer einträte. Der Landtags-Deputierte der Stadt Rostock konnte sich zwar einer solchen Abstimmung der Landschaft nicht anschließen, da die bezeichneten Abgaben die speziell Rostocker Verhältnisse nicht berühren würden, und davon einer Reform der Zölle und Steuern im Allgemeinen in der Standes-Erklärung der Landschaft nicht die Rede war. Indessen war von Seiten der hiesigen Kaufmannschaft zu wiederholten Malen bei dem Rate der Stadt Rostock dahin gewirkt, dass der Deputierte auch seine Stimme auf dem Landtage zu Gunsten einer Reform geltend machen möge, wie überhaupt, trotz der Privilegien unserer Stadt, wohl nirgends im Lande die Notwendigkeit anderer Zoll- und Steuerverhältnisse dringender anerkannt wird, als unter dem hiesigen Handels- und Handwerkerstande. Das zur Beratung einer Zoll- und Steuerreform noch von früher bestehende Komitee ständischer Deputierter wurde auf dem Landtage vervollständigt, und ist von der Großherzoglichen Regierung die Wiederaufnahme von Verhandlungen mit derselben in nächster Zeit verheißen. Die hauptsächlichsten Gesichtspunkte, welche man bei einer Reform — wenn überhaupt eine allgemeine Umgestaltung des Steuersystems beabsichtigt wird — ins Auge fassen, und welche auch den allgemeinen Wünschen am meisten entsprechen würden, sind:

freier Export der Landesprodukte, freier Binnenverkehr, Abschaffung der Landzölle, freie Durchfuhr, Aufhebung jeder privilegierten Stellung, wogegen natürlich der Ausfall durch höhere Zölle auf einige der wichtigsten Einfuhr-Artikel, wie Kolonialwaren etc., besonders derjenigen, deren Konsumtion mehr dem Luxus angehören, gedeckt werden müsste. Ob die Arbeiten dieses Komitee nun zu einem besseren Resultate führen werden, als frühere, steht mindestens dahin, wiewohl nicht zu leugnen ist, dass in der an den Weiterbau der Mecklenburgischen Eisenbahn geknüpften Bedingung einer Zoll- und Steuerreform ein Impuls zu Bewilligungen von Seiten desjenigen Teils der Ritterschaft liegen mag, deren Besitzungen gerade der durch die projektierte Eisenbahn berührten Gegend Mecklenburgs angehören, und überhaupt mag in Folge der Geneigtheit der Regierung wie der Ritterschaft für dies Projekt die Situation für eine Umgestaltung des Zollsystems sich günstiger gegen frühere Zeiten stellen, also die Verhandlungen vielleicht eher zu einem Resultate führen. Man wird wohl schwerlich vor jener Zeit, wo auch wegen Verlängerung des Deutschen Zollvereins die Unterhandlungen beginnen, zu einem bestimmten Ergebnis gelangen, und inzwischen gewinnt man vielleicht auch die Überzeugung, dass die von den übrigen Deutschen Staaten abgesonderte Stellung Mecklenburgs nur zu seinem eigenen Nachteil gereicht, und dass eine Vereinigung mit den Zolleinrichtungen der Nachbarstaaten (unter Berücksichtigung der hiesigen Verhältnisse) den einzig richtigen Weg zur Hebung von Handel und Industrie in unserem Lande zeigt.

Nach den Zusammenstellungen des Imports der letzten Jahre beläuft sich der Wert desselben für das ganze Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin und für Strelitz ungefähr auf folgende Summen:

Verzehrungsgegenstände 2,500.000 Rthlr.
Rohstoffe 1.350.000 Rthlr.
Halbfabrikate 520.000 Rthlr.
Manufakturwaren 1.750.000 Rthlr.
Industrie und Kunsterzeugnisse 1.350.000 Rthlr.
zusammen ca. 7.470.000 Rthlr.

welche eine Steuer- und Zoll-Einnahme (außer der Kontribution) von ca. 400.000 Rthlr. aufbringen.

Über die Frage, ob der Fortbau der Mecklenburgischen Eisenbahnan die Preußische Grenze überhaupt für Rostock, wie für den nicht von der Lahn berührten Landesteil von Nutzen sein würde, haben sich die verschiedensten Ansichten ausgesprochen, und führten dieselben auch bei den Beratungen der hiesigen bürgerschaftlichen Vertreter wegen Erteilung hierauf bezüglicher Instruktionen an die Landtags-Deputierten zu den lebhaftesten Diskussionen. Allerdings ist nicht zu leugnen, dass erleichterte Kommunikationsmittel der Hafenstadt eines Landes Gefahr drohen, wenn, wie in Mecklenburg, auf der Ausfuhr inländischer Produkte zur See ein Zoll lastet, zugleich aber die Versendung zu Lande steuerfrei geschehen kann, und kommt dies nicht selten gerade Hamburg zu Nutzen, von wo aus in einzelnen Jahren große Quantitäten Getreide aus Mecklenburg nach anderen Ländern verschifft werden, die bei dem Wegfallen des hiesigen Ausgangszolles wenigstens teilweise ihren Weg über Rostock nehmen würden. — Unter dem größten Teile des Handelsstandes blieb indessen die Ansicht vorherrschend, dass durch einen näheren Anschluss an die Nachbarländer nach Osten für den hiesigen Handel nicht diejenigen Nachteile entstehen könnten, welche unverkennbar aus der näheren Verbindung mit Hamburg hervorgegangen sind, während sogar die leichtere Kommunikation mit der kornreichsten Gegend Mecklenburgs für Rostock von wesentlicher Bedeutung werden kann, da die Konkurrenz in dieser Hinsicht mit Stettin nicht schwer zu überwinden sein wird. Überdies möchte es klar sein, dass gerade durch die nähere Berührung mit besseren Einrichtungen anderer Länder die Unmöglichkeit eines Beharrens bei dem bisherigen Zollsystem dringender nachgewiesen wird, und dass eine Bewilligung der Eisenbahn die Wünsche des Landes nach einer Zollreform leichter verwirklichen würde, als jetzt, wo diese Reform für den Bau der Ostbahn als conditio sine qua non aufgestellt ist.

Ob von Seiten der Großherzoglichen Regierung auch vor Regulierung der Steuerreform neue Propositionen wegen des Baues der Ostbahn gemacht werden, wird wahrscheinlich auch wohl von der weiteren Gestaltung der politischen wie der Geldverhältnisse im Auslande abhängen. Bei der Frage über die Art und Weise der pekuniären Unterstützung des Baues von Seiten des Landes sprach sich zu Ende des Landtages die Majorität der Ritterschaft für den Bau der Bahn auf Staatskosten aus, indessen ist zu bezweifeln, dass bei einer eventuellen Abstimmung mit der Landschaft eine gleiche Majorität für diese Ansicht sich kundgeben wird.

Für die nähere Verbindung der Stadt Rostock mit ihrem Hafen Warnemünde sind im verflossenen Jahre einige längst als höchst notwendig anerkannte Projekte zur Ausführung angenommen, und werden dadurch Hindernisse für den hiesigen Handel und besonders für die

Schifffahrt

beseitigt, welche bei den, ohnehin denselben wenig begünstigenden, hiesigen Einrichtungen von Jahr zu Jahr fühlbarere Nachteile zu bringen drohten. Diese Hindernisse bestehen in der mangelhaften Tiefe des Fahrwassers der Warnow zwischen Rostock und Warnemünde sowohl, wie auch besonders in zeitweisen Versandungen der Mündung des Warnemünder Hafens; dadurch werden sehr häufig, und besonders in den ungünstigsten Jahreszeiten, die größeren Schiffe, d. h. solche über 150 Normallasten, gezwungen, einen Teil ihrer Ladungen auf der Rhede zu löschen resp. zu laden; der größte Teil der Ladung muss aber selbst bei kleineren Schiffen durch Leichter zwischen Rostock und Warnemündebefördert werden, da die Tiefe des Fahrwassers auf der Warnow nur höchstens 9 Fuß, im Seegatt 15 Fuß beträgt. Die bisherigen Baggereinrichtungen sind nicht genügend gewesen, um eine gründliche Besserung dieser Übelstände zu bewerkstelligen, und ist daher von Seiten der Stadt, welcher die Beschaffung aller Baggerarbeiten und Hafenbauten auf alleinige Kosten obliegt, die Anschaffung eines zweiten Baggers beschlossen, dessen Bau in nächster Zeit in Angriff genommen wird.

Wie zu Wasser, war auch bisher zu Lande die Verbindung mit dem Hafen Warnemünde auf einem seit Jahrhunderten unverbesserten Wege, der nur unter den günstigsten Witterungsverhältnissen passierbar war. Nicht selten waren auf diese Weise im Winter, wenn die Kommunikation zu Wasser unmöglich war, die Bewohner Warnemündes für Tage, ja Wochen, von einer Verbindung mit der Stadt abgeschnitten, was denselben um so empfindlicher werden musste, da das eigentümliche Abhängigkeitsverhältnis dieses Orts von der Stadt Rostock den Betrieb jeglichen Handwerks oder kaufmännischen Gewerbes dort verbietet, so dass selbst Bäcker, Schlachter etc. daselbst nicht ansässig sein dürfen. Nicht minder störend wirkten diese Hindernisse auf den Handel, da dadurch die Vorteile, welche unser Hafen zur Winterzeit insofern bietet, als derselbe nur in den allerseltensten Fällen durch Eis geschlossen wird, teilweise gelähmt wurden; die Beförderung der Ladungen von im Winter in Warnemünde einkommenden oder von dort abgehenden Schiffen war bisher mit so großen Kosten verbunden, dass nur unter besonderen Verhältnissen, und oft zum Nachteil der Beteiligten, entweder ein Aufeisen des Flusses, oder die noch seltener mögliche Beförderung zu Lande unternommen werden konnte.

Im verflossenen Jahre wurde nun der Bau einer Chaussee von Rostock nach Warnemünde von Seiten der Stadt genehmigt und auch von der Großherzoglichen Regierung durch Landtagsbeschluss die Landeshilfe von 21.000 Rthlr. pro Meile bewilligt. Dieser Bau ist nun auch bereits im Sommer begonnen und soll im nächsten Jahre vollendet sein. Die Strecke beträgt ca. 2 Meilen. Schon jetzt ist, besonders bei zeitig eintretendem Winter, Warnemünde der Zufluchtsort einer Menge der nach benachbarten Häfen bestimmten Schiffe, wie in diesem Winter besonders auch eine Anzahl größerer Preußischer Schiffe, deren Destination Stralsund, Barth, Greifswald war, hier Winterlage hielten. Bei besserer Vertiefung des hiesigen Fahrwassers wird der Schutz unseres Hafens in der Winterzeit gewiss mehr und mehr auch von größeren Schiffen gesucht werden, da gerade die genannten Häfen oft bei zeitigem Frost geschlossen sind, während nur ein langer, sehr strenger Winter den Eingang in den Warnemünder Hafen zu hindern pflegt; die nahen Wohnorte der Mannschaften Preußischer Schiffe machen in der Regel auch den Transport Ersterer wenig teurer, als von dem Heimatsorte des Schiffes.

Bei dem früh eintretenden Winter liefen fünfzehn größere Preußische Schiffe bin ein, welche meistens die Zeit der Winterlage dort blieben.

Über die gesamte Frequenz des diesseitigen Hafens in 1858 gibt die nachstehende Aufstellung Auskunft:

(siehe Tabelle B)

Gegen 654 Schiffe im Jahre 1857 stellt sich die Zahl der hier angekommenen Schiffe nur dadurch weniger ungünstig, dass eine ungewöhnliche Menge hiesiger Schiffe aus Mangel an vorteilhafter Beschäftigung den heimatlichen Hafen suchte. Der allgemeine Stillstand des Handels musste notwendig im vorigen Jahre auf die Verkehrsmittel den drückendsten Einfluss haben, der auf die hiesigen Verhältnisse von um so trüberer Wirkung war. als das Kapital eines großen Teils des hiesigen Handels- und Handwerkerstandes während der letzten Jahre der Beteiligung in der Reederei zugewendet ist. Das Resultat dieser Unternehmungen war auch für die hiesigen Schiffe, welche auf Frachtfahrten von fremden Ländern fast ausschließlich angewiesen sind, da der einheimische Handel nur einen kleinen Teil derselben beschäftigt, wenig gewinnbringend, und ein großer Teil derselben kam mit Verlust oder mit geringem Verdienst zurück. Unser von Winterlage ballenden Schiffen angefüllter Hafen gibt den treffendsten Beweis für die Stockung aller Handelstätigkeit, denn noch nie hat derselbe eine so große Anzahl ruhender Schiffe beherbergt, wie in diesem Winter. Fast zwei Dritteile der hiesigen Handelsflotte, selbst die größten, kaum vor einem Jahre neu erbauten Schiffe lagen unbeschäftigt — ein Kapital von mindestens 3—4 Millionen Thaler repräsentierend — unfähig, die geringste Rente zu produzieren. Wie in anderen Ländern große industrielle und finanzielle Unternehmungen das während der für Handel und Industrie erfolgreichen Jahre erworbene Kapital übermäßig in Ausbruch nehmen, so ist es hier in unseren kleineren Verhältnissen die Reederei, welche das Interesse fast des ganzen Landes für sich gewann, ohne aber Gottlob! an jener Überspannung zu leiden, und ohne die schlimmen Folgen nach sich zu ziehen, durch welche das Übermaß der Handels- und Gewerbstätigkeit die Krisis des vorigen Jahres schuf. Wohl fällt es jetzt dem Kaufmann und Handwerker schwer, die Renten aus solchen Kapitalien zu entbehren, fühlbarer ist aber noch die fast totale Unmöglichkeit des Flüssigmachen dieser Kapitalien, da der hiesigen Bank nach ihren Statuten eine Beleihung von Schiffsanteilen nicht zusteht. Die Reederei eines Schiffes ist hier der Regel nach in Sechzigstel Parte eingeteilt, und wird über den gereedeten Anteil eine vom Korrespondent-Reeder und Schiffer ausgestellte Eigentumsakte geliefert, deren Cession nur durch Umschreibung in dem Schiffsbuche des Korrespondent-Reeders rechtliche Gültigkeit erlangt. In Folge der vorjährigen Krisis sah sich der Rat der Stadt Rostock schon veranlasst, aus städtischen Mitteln eine Vorschusskasse auf Schiffsparte für den Zeitraum eines Jahres zu gründen, welche indessen nur den kleineren Reedern in Rostock zu nützen bezweckte, da die höchste Summe des Vorschusses an einen Einzelnen nicht 5.000 Rtblr. übersteigen sollte. Für eine auswärtige Kreditgesellschaft, welche ein Kapital von einer Million sicher zu einem reinen Ertrage von 5 pCt. pro anno verzinst haben, möchte, würde die Errichtung einer Agentur zum Zweck der Beleihung von Anteilen an hiesigen Schiffen (vielleicht bis zu einer Höhe von einem Drittel des gegen Seegefahr versicherten Wertes, gegen vollständige Cession und Umschreibung des Partes), wohl zu empfehlen sein. — Der Schiffsbau verlor natürlich auch hier im vorigen Jahre seine frühere Ausdehnung, und während in einzelnen der früheren Jahre sich unsere Flotte um 30 Schiffe vergrößerte, sind im vorigen Jahre nur 14 durch Neubau hinzugekommen, wodurch die Zahl der gesammten Schiffe der Rostocker Reederei sich Ende des Jahres 1858 auf 337 Schiffe stellt. Der Wert dieser Handelsflotte von 41.990 Rostocker Roggenlasten (à 6.000 Pfd.) beträgt nach geringer Taxe mindestens 6 Millionen Thaler. Die Bemannung zählt circa 3.700 Seeleute. Die Nachrichten aus anderen Ländern bezeichnen das vorige Jahr als ein an Seeunfällen sehr reiches; für die hiesige Reederei war in dieser Beziehung aber selten ein Jahr glücklicher, als das vorige, da der Verlust von nur 5 Schiffen zu beklagen ist.

Die auf der Rostock-St. Petersburger Linie beschäftigten beiden Dampfschiffe haben mit dem ersten Jahre ihre Fahrten unter ungünstigen Zeitumständen begonnen, doch hat die Frequenz, besonders in Betreff des Personenverkehrs, vollständig den Ansprüchen, welche die bestehenden Verhältnisse gestatteten, genügt, und darf man wohl die Hoffnung hegen, dass die Benutzung dieser Linie ferner wachsen, und dem hiesigen Verkehr die gewünschten Erfolge liefern werde. Das Ergebnis für die Aktionäre konnte allerdings im verflossenen Jahre nur ein ungenügendes sein, da der Gütertransport bei den sehr niedrigen Frachten nur geringe Einnahmen schaffte. Befördert wurden während des vorigen Sommers nach und von St. Petersburg circa 1.100 Personen.

Der Geldverkehr stellte sich im verflossenen Jahre etwas schwieriger, als früher, ohne dass aber für den ritterschaftlichen Grundbesitz weder eine wesentliche Beschränkung des Kredits, noch eine bemerkenswerte Erhöhung des Zinsfußes gefolgt ist. Obgleich manche bedeutenden Kapitalien, welche in den letzten Jahren besonders aus Hamburg. Lübeck etc. in hiesige Landgüter belegt waren, jetzt wieder zurückgezogen wurden, so fand sich doch immer noch wieder genügender Ersatz, besonders für die ersten Hypotheken, und der Zinsfuß blieb für diese unverändert 3 1/2 bis höchstens 4 pCt.; die Anschaffung der Gelder gegen minder gute Hypothek verursachte mehr Schwierigkeiten, so dass auch dafür allgemein eine Erhöhung des Zinsfußes von ½ pCt., also auf 4 1/2 bis 5 pCt. pro anno bewilligt werden musste. Vorzugsweise wendet sich das größere Kapital hier dem ritterschaftlichen Grundbesitz zu; städtische Hypotheken sind in der Regel schwerer zu verwerten, und wird für dieselben im Allgemeinen ein um 1/2 pCt. pro anno höherer Zins gezahlt. Das Kapital für letztere wird mehr aus dem Erwerb des Kaufmanns- und Handwerkerstandes, wie überhaupt von kleineren Kapitalisten, herbeigeschafft, und somit ist es erklärlich, wenn bei jetzigen Zeiten sich allenthalben in den Städten, auch selbst für die besten Sicherheiten, das Geld nicht eben flüssig zeigt. Die Kreditverhältnisse haben sich im Allgemeinen sehr zum Nachteile der Geschäftstreibenden verändert, und dadurch sind denn auch in letzter Zeit eine Menge Konkurse, besondere unter dem kleinen Handelsstande, ausgebrochen, ohne aber bedeutendere Fälle dieser Art nach sich zu ziehen.

Die Rostocker Bank hat sich such während der schwierigsten Verhältnisse der letzten Zeit vollkommen in derjenigen Solidität bewährt, welche bei der Errichtung, wie in der Geschäftsführung zu Grunde lag; Kapitalverluste von irgend welchem Belange sind auch im verflossenen Jahre gar nicht vorgekommen; wenn sich aber trotzdem der Überschuss wahrscheinlich gegen die letzten Jahre geringer stellen wird, so liegt solches in der Anschaffung teuerer fremder Kapitalien zur Zeit der Handelskrisis, welche späterhin, nach dem allgemeinen Fallen des Diskontos, nicht zu einem den Kosten entsprechenden Zinsfuße Verwendung finden konnten. Die Vergrößerung des Aktienkapitals, welches jetzt eine Million Thaler beträgt, hat sich längst als notwendig erwiesen, da die Bank, um den an sie gemachten Ansprüchen zu genügen, genötigt war, fortwährend Kapitalien zu zeitgemäßem Zinsfuße anzunehmen, und hat dies sehr wesentlich dazu beigetragen, dass dem städtischen Grundbesitz eine Menge Kapitalien entzogen sind. Um so erfreulicher ist es auch, dass nicht allein die Verhandlungen mit der Landes-Regierung wegen Prolongation des Privilegs der Bank, welches mit dem Jahre 1860 abläuft, auf fernere 25 Jahre zu günstigem Ende geführt sind, sondern damit auch zugleich die Vermehrung des Aktienkapitals um eine Million, welche ohne weitere Noten-Emission innerhalb 5 Jahren erfolgen muss, als Bedingung von Seiten der Regierung gestellt ist.

Die Fabriktätigkeit hier im Lande gibt zu keiner besonderen Berichterstattung Anlass, da vielmehr die einmal bestehenden Fabrikation im verflossenen Jahre eher eine Einschränkung als eine Erweiterung erfuhren; neue Etablissements von irgend einiger Bedeutung sind nicht entstanden.

Rostock, Anfang April 1859.
Die Marienkirche um 1800

Die Marienkirche um 1800

Rostock vom Steintor - 1841

Rostock vom Steintor - 1841

Bauer und Bäuerin aus Biestow bei Rostock

Bauer und Bäuerin aus Biestow bei Rostock

Rostock vom Carlshof um 1830.

Rostock vom Carlshof um 1830.

Rostock Altstadt

Rostock Altstadt

Rostock Altstadt vom Steintor.

Rostock Altstadt vom Steintor.

Rostock Blücherplatz 1844

Rostock Blücherplatz 1844

Rostock Hopfenmarkt.

Rostock Hopfenmarkt.

Rostock - Neuer Markt um 1820.

Rostock - Neuer Markt um 1820.

Rostock vom Steintor 1841.

Rostock vom Steintor 1841.

Tabelle A

Tabelle A

Tabelle B

Tabelle B